Investmentweek

Das Märchen vom Schuldenwohlstand – Warum Deutschlands Billionenpläne ins Leere laufen

24. Juni 2025, 18:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Staatsausgaben gelten vielen Politikern als Wundermittel für Wohlstand. Doch empirische Daten zeigen das Gegenteil: Wo die Schulden steigen, sinkt oft das Wachstum. Deutschlands neues Schuldenprogramm droht zur Wachstumsbremse zu werden – mit langfristigen Folgen.

Brücken ins Nichts – und zurück

Gravina Island, Alaska: 50 Bewohner, ein kleiner Flughafen – und 400 Millionen Dollar für eine Brücke, die nie gebaut wurde. Was in den USA als „Bridge to Nowhere“ verspottet wurde, ist zum Symbol für aus dem Ruder gelaufene Staatsausgaben geworden.

Ein Mahnmal dafür, wie gut gemeinte Investitionsprogramme in sinnlose Infrastruktur oder verfehlte Symbolpolitik münden können.

Deutschland steht heute an einem ähnlichen Punkt. Die Bundesregierung will mit über 1.000 Milliarden Euro Schulden in die Zukunft investieren – in Klimaschutz, Rüstung, Infrastruktur. Doch wer genau hinsieht, erkennt nicht den Aufbruch, sondern eine gefährliche Spirale.

Empirie gegen Euphorie

Eine groß angelegte Studie von Research Affiliates hat untersucht, welchen Effekt steigende Staatsschulden auf das reale Wirtschaftswachstum haben.

Das Ergebnis ist eindeutig – und ernüchternd: In OECD-Staaten ist ein Anstieg der Staatsverschuldung seit 1981 mit einem deutlich niedrigeren Wachstum des Pro-Kopf-BIP verbunden. Die Korrelation: -0,53. Heißt konkret: Steigt die Schuldenquote eines Landes um zehn Prozentpunkte, sinkt die Wachstumsrate im Schnitt um über einen Prozentpunkt pro Jahr.

Für Deutschland bedeutet das: Wenn die Schuldenquote infolge des aktuellen Programms um 20 Prozentpunkte steigt – wie von der Regierung geplant –, könnte das Bruttoinlandsprodukt über zehn Jahre hinweg jedes Jahr 1,24 Prozentpunkte langsamer wachsen.

Trotz großer Ankündigungen zu „Investitionen in die Zukunft“ zeigt die Forschung: Seit 1981 ist in OECD-Staaten ein höherer Anteil staatlicher Ausgaben am BIP signifikant mit niedrigeren Wachstumsraten pro Kopf verbunden (Korrelation: –0,47).

Staatsquote und Wachstum – ein toxisches Verhältnis

Noch deutlicher wird es beim Blick auf die Staatsquote – also den Anteil der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt. Länder mit dauerhaft hohen Staatsquoten wachsen langfristig signifikant langsamer. Auch hier liegt die statistisch signifikante Korrelation laut Research Affiliates bei -0,47.

Kurz gesagt: Je größer der Staat, desto kleiner das Wachstum. Trotzdem hält sich in Berlin der Mythos, dass jeder Euro vom Staat automatisch ein Konjunkturschub sei. Die Realität: Bürokratien investieren nicht wie Unternehmen, sie verwalten – oft ineffizient, selten wachstumsfördernd.

Wenn Schulden Wachstum verdrängen

Der Mechanismus dahinter ist nicht nur statistisch, sondern auch ökonomisch nachvollziehbar: Staatliche Ausgabenprogramme binden Kapital und Arbeitskraft, die der Privatwirtschaft verloren gehen.

Während dort Produktivität und Innovation zählen, dominieren im Staatsapparat Stabilität, Regeltreue und Hierarchie. Selbst wenn das Geld nicht verschwendet wird – es wird fast immer schlechter eingesetzt.

Hinzu kommt: Steigende Schulden belasten das Vertrauen in die Bonität eines Landes. Die Folge sind höhere Zinsen – und damit höhere Kapitalkosten für die gesamte Volkswirtschaft. Investitionen werden teurer, Wachstum langsamer.

Grüne Transformation und Wiederbewaffnung – mit Nebenwirkungen

Besonders problematisch ist, wohin das neue Geld fließen soll. Die Bundesregierung will Milliarden in die Energiewende und die Aufrüstung der Bundeswehr stecken. Beides mag aus sicherheitspolitischer Sicht notwendig sein – aber wachstumsfördernd ist es nicht.

Im Gegenteil: Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat in vielen Ländern zu steigenden Strompreisen geführt. Und Rüstungsausgaben sind in der Regel konsumtiv – sie schaffen keine produktiven Kapazitäten für die Zukunft.

Wirtschaftlich betrachtet sind das Ausgaben ohne Rendite.

Große Infrastrukturprojekte gelten oft als Wachstumsmotor. Doch die ökonomische Rendite vieler öffentlich finanzierter Vorhaben bleibt gering. „Bridge to Nowhere“-Effekte sind keine Ausnahme, sondern häufige Realität.

Investitionen mit Etikettenschwindel

Was als „Investitionsoffensive“ verkauft wird, ist in Wahrheit oft Konsum mit schöner Verpackung. Milliarden für Subventionen, Transfers oder Umverteilungsmaßnahmen helfen kurzfristig beim politischen Überleben – aber nicht beim langfristigen Wohlstand.

Die eigentlichen Wachstumstreiber – Bildung, Forschung, Digitalisierung, Unternehmertum – bleiben unterfinanziert oder werden von lähmender Regulierung erdrückt.

Die Politik verkauft Versprechen – doch die Rechnung kommt später.

Wachstum braucht keine Schulden – sondern Freiheit

Der internationale Vergleich zeigt: Länder mit niedriger Verschuldung, schlankem Staat und wachstumsfreundlichen Rahmenbedingungen schneiden langfristig besser ab. Irland, Schweiz, Singapur – sie alle setzen nicht auf immer neue Ausgabenprogramme, sondern auf Unternehmertum, steuerliche Fairness und regulatorische Zurückhaltung.

Deutschland dagegen läuft Gefahr, sich in einer Schuldenökonomie einzurichten – mit sinkendem Wachstum, steigenden Zinsen und einer träge gewordenen Bürokratie.

Politik
[InvestmentWeek] · 24.06.2025 · 18:00 Uhr
[7 Kommentare]
Mann stirbt nach Polizeischüssen bei Verfolgungsfahrt
Saarbrücken (dpa) - Bei einer Verfolgungsfahrt in Saarbrücken ist ein 22-Jähriger durch Polizeischüsse verletzt worden und danach gestorben. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ein weiterer Mann wurde verletzt. Zuvor hatte die «Bild» berichtet. Der 22-Jährige saß am Steuer des verfolgten Wagens. Auf Anfrage teilte die Staatsanwaltschaft […] (00)
vor 27 Minuten
Kelly Osbourne teilte dieses Foto von Kiinicki auf Instagram
(BANG) - Kelly Osbourne hat neue Liebesspekulationen ausgelöst, nachdem sie einige Schnappschüsse in den sozialen Medien geteilt hat. Wenige Wochen nach ihrer Trennung von ihrem Verlobten Sid Wilson veröffentlichte die Reality-TV-Bekanntheit mehrere Instagram-Schnappschüsse von Kiinicki, einer in Los Angeles ansässigen nichtbinären Person, die als […] (01)
vor 23 Stunden
Review: Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds im Test
Die Zukunft der Sprachkommunikation ist da! Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 – Mein neuer täglicher Begleiter für Business, Reisen und internationale Gespräche. Nachdem ich die Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 seit Mitte Februar 2026 intensiv im Alltag getestet habe – auf Geschäftsreisen in Spanien und Frankreich, bei mehreren […] (00)
vor 12 Stunden
Ghost Master: Resurrection im Test: Spuken wie früher?
Ghost Master: Resurrection ist ein Remake des Originals aus 2003. Ich habe als Kind das Spiel gesuchtet und es war einfach großartig, die CD besitze ich heute noch. 2021 wurde es dann auch auf Steam veröffentlicht und war ohne Probleme spielbar. Jetzt wurde aber mit Ghost Master: Resurrection eine erweiterte Neuauflage des Spiels veröffentlicht. Es […] (00)
vor 11 Stunden
Berlin kann gute Anteile in die Sparte ziehen
In der zweiten Fußball-Liga der Männer gings um Aufstiegshoffnungen und Abstiegsängste. Gute Quoten brachte diese Konstellation vor allem in Halbzeit zwei. Diese Woche lief das Samstag-Abend-Spiel der zweiten Liga wegen dem Castingshow-Start nicht im Hauptprogramm bei RTL, sondern in der Nische bei Nitro. Konkret war es innerhalb 2. Bundesliga Live die Begegnung zwischen Dresden und Hertha, […] (00)
vor 1 Stunde
SC Freiburg - Bayern München
Freiburg (dpa) - Mit einem gewaltigen Energieschub reisen der FC Bayern München und seine jungen Matchwinner zum Königsklassen-Knaller bei Real Madrid. «Ich freue mich brutal darauf», sagte Doppeltorschütze Tom Bischof nach dem dramatischen Last-Minute-Sieg beim SC Freiburg (3: 2) in der Fußball-Bundesliga. Das sei das «perfekteste Spiel» als […] (00)
vor 3 Stunden
Argentiniens Wirtschaft im Aufwind: Mileis Reformen zeigen erste positive Signale
Argentinien auf dem Weg zur wirtschaftlichen Stabilisierung Nach einer Phase intensiver wirtschaftlicher Herausforderungen zeigt Argentinien unter der Führung von Präsident Javier Milei erste Zeichen der Stabilisierung. Die radikalen Reformmaßnahmen, die seit Amtsantritt des libertären Politikers eingeleitet wurden, beginnen allmählich Früchte zu […] (00)
vor 40 Minuten
Diabetes: Wenn der Blutzucker aus dem Gleichgewicht gerät
Höchst i. Odw., 05.04.2026 (lifePR) - Diabetes mellitus gehört zu den großen Volkskrankheiten unserer Zeit. Millionen Menschen in Deutschland und weltweit leben mit der Diagnose Typ-1- oder Typ-2-Diabetes. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch einen gestörten Zuckerstoffwechsel, bei dem der Körper entweder zu wenig Insulin produziert oder die Zellen […] (00)
vor 1 Stunde
 
Merz am Abgrund: 84 Prozent mit Regierung unzufrieden – schwarz-rot stürzt auf historisches Tief
„Noch nie", schreibt die ARD, „waren so wenig Bürgerinnen und Bürger mit der Arbeit […] (15)
Tankstelle (Archiv)
Berlin - Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) spielt auch über die Ostertage […] (03)
Polizei (Archiv)
Saarbrücken - In Saarbrücken hat die Polizei in der Nacht zum Ostersonntag einen Mann […] (00)
Dönerbude (Archiv)
Berlin - Obwohl Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sich selbst nur von […] (02)
Borussia Mönchengladbach - 1. FC Heidenheim
Mönchengladbach (dpa) - Mit Pfiffen wurden die Profis von Borussia Mönchengladbach […] (01)
Street Fighter 6 enthüllt neuen Teaser-Trailer zu Ingrid – und ihr könnt erahnen, was sie kann
Kaum eine Figur im Street-Fighter-Universum ist so rätselhaft wie Ingrid – und genau […] (00)
Apple verschickt Einladungen für die WWDC 2026 im Apple Park
Apple hat offiziell die Einladungen an die glücklichen Gewinner […] (00)
Tom Kaulitz
(BANG) - Tom Kaulitz spricht offen über seine neurologische Erkrankung. Der Tokio- […] (02)
 
 
Suchbegriff