Commerzbank trotzt Unicredit-Druck mit optimistischem Jahresausblick
Die Commerzbank zeigt sich trotz Übernahmebestrebungen der italienischen Unicredit zuversichtlich für das aktuelle Geschäftsjahr. Dank eines starken Tagesgeschäfts erwartet der Dax-Konzern einen Jahresüberschuss von rund 2,5 Milliarden Euro, wobei das Zinsergebnis eine größere Rolle spielen soll als zunächst angenommen. Eine erhöhte Zinsausbeute könnte die zuletzt gestiegene Steuerlast kompensieren.
Im dritten Quartal sah sich die Bank jedoch mit einem überraschenden Rückgang des Nettogewinns konfrontiert, was an den Börsen zunächst auf Skepsis stieß. Die Commerzbank-Aktie büßte nach Handelsstart etwa zwei Prozent ein und notierte bei 31,84 Euro, obwohl sie im bisherigen Jahresverlauf eine bemerkenswerte Wertsteigerung verzeichnete.
Trotz eines leichten Rückgangs des Zinsüberschusses konnten gesteigerte Provisionsinnahmen die Erträge der Commerzbank um über sieben Prozent auf 2,9 Milliarden Euro steigern. Dadurch und dank geringerer Rückstellungen für Kreditausfälle stieg der Vorsteuergewinn um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf mehr als eine Milliarde Euro. Ein erhöhtes Steueraufkommen drückte den Überschuss jedoch unerwartet um acht Prozent auf 591 Millionen Euro.
Die Analystin Anke Reingen von der RBC merkte an, dass die Commerzbank die Markterwartungen auf den ersten Blick verfehlt habe. Doch bewährten sich aufschlussreiche Entwicklungen, besonders im Segment der Geschäftskunden. So zeigte sich auch Vorstandschefin Bettina Orlopp optimistischer: Der Zinsüberschuss soll nun rund 8,2 Milliarden Euro erreichen, was 200 Millionen Euro mehr als bisher erwartet entspricht.
Im Jahr 2024 erreichte die Commerzbank einen Rekordgewinn von knapp 2,7 Milliarden Euro. Dennoch plant die Bank bis 2027 rund 3.900 Stellen abzubauen, um ihre Profitabilität zu steigern und die Aktionäre bei der Stange zu halten. Diese Maßnahmen könnten Anteile am Unternehmen vor einer Abwanderung Richtung Unicredit bewahren.
Seit September 2024 stemmt sich die Commerzbank gegen Übernahmeabsichten von Unicredit-CEO Andrea Orcel. Die italienische Großbank, die mittlerweile 26 Prozent der Commerzbank hält und über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere drei Prozent hat, bleibt damit eine einflussreiche Größe.

