Britische Medien berichten von einem der größten Streiks in der Geschichte Nordirlands.
Mehr als 100.000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes legten am Donnerstag ihre Arbeit nieder, um höhere Löhne zu fordern. Dieser Ausstand wurde von 16 Gewerkschaften koordiniert und betraf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Branchen, darunter Kliniken, Behörden und Bildungseinrichtungen. Die Bus- und Bahnverbindungen waren unterbrochen und Schulen mussten geschlossen bleiben. Tausende Menschen protestierten zudem bei einer Großkundgebung in Belfast. Medienberichten zufolge handelt es sich um den größten Streik seit 50 Jahren.
Hintergrund dieser Protestaktion ist auch die anhaltende politische Krise in Nordirland. Seit fast zwei Jahren hat der britische Landesteil keine funktionierende Regierung. Ministerien werden daher von Beamten geleitet, die aber keine politischen Entscheidungen, wie beispielsweise Lohnerhöhungen, treffen können.
Am Mittwoch scheiterte erneut die Wahl eines Parlamentspräsidenten aufgrund des Widerstands der Democratic Unionist Party (DUP), der wichtigsten Kraft des protestantisch-unionistischen Lagers. Eigentlich müsste der britische Nordirland-Minister Chris Heaton-Harris nun Neuwahlen ansetzen. Es wird jedoch erwartet, dass er die Frist zur Regierungsbildung erneut verlängert.
Das Karfreitagsabkommen aus dem Jahr 1998, welches den Bürgerkrieg beendete, schreibt vor, dass die größten Parteien der beiden konfessionellen Lager eine Einheitsregierung bilden müssen. Bei der letzten Parlamentswahl im Mai 2022 wurde Sinn Fein erstmals stärkste Kraft. Dieser Partei steht demnach das Amt des "First Minister" zu, während die DUP den gleichberechtigten Posten des Vize-Regierungschefs übernehmen würde. Die DUP boykottiert jedoch die Regierung und fordert ein vollständiges Ende aller Brexit-Warenkontrollen zwischen Nordirland und dem Rest des Vereinigten Königreichs, auf die sich Großbritannien und die EU geeinigt hatten. (eulerpool-AFX)

