Britische Corona-Politik unter scharfer Kritik: Ein Blick in den Spiegel der Pandemie
Ein kürzlich veröffentlichter Bericht einer Untersuchungskommission wirft ein düsteres Licht auf den Umgang Großbritanniens mit der Corona-Pandemie. In der Analyse, die auf über 800 Seiten die damalige Reaktion der konservativen Regierung untersucht, wird ein chaotischer und zögerlicher Kurs offenbart, der dazu führte, dass das Virus viel zu spät als ernsthafte Bedrohung wahrgenommen wurde.
Laut der Vorsitzenden der Kommission, Heather Hallett, wurde das Ausmaß des Risikos von keiner der Regierungen im Vereinigten Königreich rechtzeitig erkannt. Ihr Bericht enthält zudem zahlreiche Empfehlungen für den künftigen Umgang mit Pandemien. Einer der zentralen Kritikpunkte ist der verspätete Lockdown im März 2020. Eine frühere Reaktion hätte in England während der ersten Welle etwa 23.000 Todesfälle verhindern können.
Zudem hätten die ersten beiden Lockdowns kürzer gefasst werden oder sogar ganz vermieden werden können, wäre früher auf Social Distancing gesetzt worden. Der Bericht zeigt auf, dass anfängliche Fehler nicht adäquat aufgearbeitet wurden, was auch fortgesetztes Fehlverhalten nahelegt.
Besondere Kritik richtet sich gegen den ehemaligen Premierminister Boris Johnson. Ihm wird vorgeworfen, eine "giftige" Regierungsatmosphäre gefördert zu haben. Ein weiterer umstrittener Aspekt war der Umgang mit den sogenannten Partygate-Enthüllungen, bei denen in der Downing Street gefeiert wurde, während das Land im Lockdown war.
Im Gegensatz zu Deutschland verzeichnete das Vereinigte Königreich mit 227.000 Covid-19-Todesfällen eine vergleichsweise hohe Sterberate. Diese Zahlen werfen auch weiterhin einen Schatten auf die politische Führung aus jener Zeit. Der aktuelle Premierminister Keir Starmer versprach, die Erkenntnisse aus dem Bericht sorgfältig zu evaluieren und daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen.

