Bahnindustrie fordert schnellere Digitalisierung des Schienennetzes
Die Bahnindustrie sieht die Fortschritte bei der Digitalisierung des deutschen Schienennetzes als unzureichend an. Derzeit sind weniger als zwei Prozent der Strecken digitalisiert, was Andre Rodenbeck, der Vorsitzende des Branchenverbands, bei der Präsentation der Jahresbilanz kritisierte.
Die Branche könnte pro Jahr bis zu 2.000 Kilometer aufrüsten, sofern die neue Bundesregierung die passenden Weichen stellt. Die Digitalisierung umfasst zahlreiche Aspekte. Ein zentraler Punkt ist die Modernisierung der Stellwerke, die teilweise noch aus der Kaiserzeit stammen und manuell bedient werden.
Heute betreut das Personal einen kleinen Bruchteil der Stellwerke, ein modernerer Ansatz könnte hier signifikant Personalressourcen freisetzen. Ein weiterer Bereich ist das Zugsicherungssystem ETCS, das die Kommunikation zwischen Zügen verbessert und deren Frequenz auf den Strecken erhöhen kann. Dies erfordert jedoch nicht nur Anpassungen an der Infrastruktur, sondern auch an der Zugtechnik selbst.
Um diese Bestrebungen zu beschleunigen, brauche es einen verlässlichen Finanzierungsrahmen, so die Bahnindustrie. Dies erlaube eine bessere Planung und Kapazitätenentwicklung. Darüber hinaus sollten Mittel rascher bereitgestellt und bürokratische Hürden abgebaut werden.
Im vergangenen Jahr profitierte die Branche von erhöhten Investitionen in die Schieneninfrastruktur, was zu einem Rekordumsatz von etwa 15 Milliarden Euro führte, vor allem dank eines Wachstums im Infrastruktursektor. Im Gegensatz dazu stagnierte der Fahrzeugbau, insbesondere bedingt durch die mangelnde Finanzierung des Schienennahverkehrs, was die Anschaffung neuer Fahrzeuge hemmt.

