Aufruhr bei Thyssenkrupp: Spitzenmanager verlassen Reihenweise den Konzern
Der Rückzug des Finanzchefs Jens Schulte beim Essener Industriegiganten Thyssenkrupp sorgt für Aufsehen und beunruhigt die Belegschaft sowie die Arbeitnehmervertreter. Jürgen Kerner, der Zweite Vorsitzende der IG Metall und stellvertretender Aufsichtsratschef bei Thyssenkrupp, zeigt sich beunruhigt über Schultes plötzlichen Abgang.
Kerner äußert den Verdacht, dass Schulte lediglich als Übergangslösung fungiert haben könnte oder möglicherweise interne Differenzen der Grund für seinen schnellen Abschied sind. Zur weiteren Aufklärung der Situation wird Klarheit gefordert. Schulte, der erst seit dem 1. Juni im Amt war, kündigte an, seinen Posten bei Thyssenkrupp zugunsten einer neuen Herausforderung als Finanzvorstand bei der Deutschen Börse aufzugeben.
Aufsichtsratschef Siegfried Russwurm bedauerte diese Entscheidung, respektierte jedoch das Streben Schultes nach der neuen DAX-Position. Ein konkreter Wechseltermin steht noch aus; bis dahin wird Schulte neben seiner aktuellen Rolle auch die Pflichten des Personalvorstands übernehmen.
Die finanzielle Schieflage bei Thyssenkrupp, die im Geschäftsjahr 2023/24 zu einem Verlust von 1,4 Milliarden Euro führte, unterstreicht die Dringlichkeit eines Umbaus, insbesondere in der Stahlsparte. Dieser Transformationsprozess wird voraussichtlich mit einer drastischen Reduzierung der Belegschaft einhergehen. Allein in dieser Sparte sind 11.000 von 27.000 Arbeitsplätzen bedroht.
Der jüngste Abgang von Schulte reiht sich ein in eine Kette prominenter Personalveränderungen bei Thyssenkrupp. Bereits zuvor hatte der Personalvorstand Oliver Burkhard seinen Ausstieg angekündigt, um sich auf die Thyssenkrupp-Marinesparte zu konzentrieren. Auch Cetin Nazikkol, ehemaliger Chefstratege des Konzerns, hat bereits im November neuen beruflichen Herausforderungen den Vorzug gegeben.
Kerner berichtet von einem regelrechten Exodus der Führungskräfte, ausgelöst durch internen Zwist und Unzufriedenheit mit der neuen Unternehmenskultur. Die Konzernleitung steht nun unter Druck, Stabilität und Fokus in der Belegschaft zurückzugewinnen, um die bevorstehenden Herausforderungen effektiv zu meistern.

