Arnold NextG Blogspot: Drive-by-Wire Decoded – Fahrzeugkontrolle für autonome Systeme
Warum echtes Drive-by-Wire mehr ist als Komponenten – und warum der Markt noch offen ist

10. März 2026, 09:00 Uhr · Quelle: Pressebox
Drive-by-Wire ist essenziell für zuverlässige autonome Fahrzeuge durch redundante Systeme und strenge Sicherheitsstandards.

Pfronstetten-Aichelau, 10.03.2026 (PresseBox) - Drive-by-Wire gilt als etabliert – doch dort, wo Fahrzeuge autonom fahren oder aus der Ferne gesteuert werden sollen, zeigt sich: Entscheidend ist nicht die einzelne Komponente, sondern die Architektur der Fahrzeugkontrolle.

Autonomes Fahren wird meist über Sensorik, KI und Rechenleistung diskutiert. Eine zentrale Voraussetzung bleibt dabei oft im Hintergrund: die sichere Kontrolle von Fahrzeugbewegung. Elektronische Lenkung, Bremsen und Antriebssysteme sind seit Jahren Bestandteil moderner Fahrzeugarchitekturen. Entsprechend gilt X-by-Wire vielen als ausgereifte Technologie. Etablierte Lieferketten, bekannte Industrieakteure und zahlreiche Serienanwendungen vermitteln den Eindruck eines weitgehend entschiedenen Marktes.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch ein anderes Bild – insbesondere dort, wo Drive-by-Wire nicht als Komfort- oder Assistenzfunktion verstanden wird, sondern als Grundlage für autonomes Fahren oder Teleoperation. Denn was heute häufig als Drive-by-Wire bezeichnet wird, sind in der Praxis meist Einzellösungen oder Teilsysteme. Eine vollständig integrierte, fail-operationale Fahrzeugsteuerung auf Systemebene ist weiterhin die Ausnahme.

Komponenten sind nicht gleich Systeme

Technisch betrachtet ist Drive-by-Wire kein einzelnes Produkt, sondern eine Architekturfrage. Ein echtes Drive-by-Wire-System ersetzt nicht nur mechanische Verbindungen durch elektrische Signale. Es muss sicherstellen, dass ein Fahrzeug unter allen Betriebsbedingungen steuerungsfähig bleibt – auch dann, wenn einzelne Komponenten ausfallen.

Dazu gehören unter anderem:

  • eine integrierte Kombination aus Aktorik, Sensorik und Steuergeräten
  • redundante Kommunikations- und Energieversorgung
  • eine konsistente Software- und Regelungsarchitektur
  • ein systemweites Safety-Konzept
  • eine klare Verantwortung für das Gesamtverhalten des Fahrzeugs
Sicherheitsanforderungen solcher Systeme orientieren sich unter anderem an Normen wie ISO 26262 zur funktionalen Sicherheit. In der Praxis erhalten OEMs oder Systemintegratoren jedoch häufig keine vollständigen Systeme, sondern einzelne Komponenten – etwa Steer-by-Wire- oder Brake-by-Wire-Module mit jeweils eigener Zertifizierung.

Die Integration zum Gesamtsystem, die Definition des fail-operationalen Verhaltens und die sicherheitstechnische Gesamtargumentation verbleiben damit häufig beim Fahrzeughersteller. Das ist kein Qualitätsmangel einzelner Komponenten, sondern die Folge eines Marktes, der historisch entlang von Produktlinien und nicht entlang von Systemverantwortung gewachsen ist.

Warum große Anbieter selten komplette Systeme liefern

Rückblickend ist diese Situation nachvollziehbar. Viele Drive-by-Wire-Lösungen sind aus bestehenden mechanischen Fahrzeugarchitekturen heraus entstanden. Sie wurden für Fahrzeuge entwickelt, in denen ein Mensch als letzte Rückfallebene verfügbar ist. Entsprechend dominieren fail-safe-Konzepte, bei denen ein System im Fehlerfall in einen sicheren Zustand übergeht – etwa durch Abschaltung oder Übergabe an den Fahrer.

Autonome Fahrzeuge stellen jedoch andere Anforderungen. Wenn kein Fahrer vorhanden ist, darf das System nicht einfach abschalten. Es muss kontrolliert weiterarbeiten können. Das erfordert fail-operationale Systemarchitekturen, bei denen Redundanz, Fehlererkennung und Weiterbetrieb von Beginn an systemisch gedacht sind.

Auch regulatorisch gewinnt dieses Thema zunehmend an Bedeutung. Internationale Regelwerke wie die UNECE-Regulierung R79 für elektronische Lenksysteme definieren Anforderungen an sicherheitskritische Fahrzeugsteuerung.

Ein Markt auf Systemebene – und genau deshalb offen

Auf Komponentenebene ist der Drive-by-Wire-Markt weit entwickelt. Auf Systemebene hingegen nicht. Weltweit gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Unternehmen, die tatsächlich ein vollständiges Drive-by-Wire-System liefern können – inklusive Hardware, Software, Redundanzkonzept und systemweiter Safety-Argumentation aus einer Hand.

Noch seltener sind Lösungen, die plattformunabhängig funktionieren und sowohl für neue Fahrzeugplattformen als auch für die Nachrüstung bestehender Flotten geeignet sind. Gerade in Bereichen wie Logistik, Landwirtschaft, Bergbau, Bauwesen, Verteidigung oder öffentlichem Verkehr beginnt Autonomie selten auf einer komplett neuen Plattform. Häufig werden bestehende Fahrzeuge automatisiert oder teleoperiert. Damit rückt die Nachrüstfähigkeit von Drive-by-Wire-Systemen stärker in den Mittelpunkt architektonischer Entscheidungen.

Plattformansätze wie die Drive-by-Wire-Steuerungsplattform NX NextMotion von Arnold NextG zielen genau auf diese Systemebene ab: Sie integrieren Lenkung, Bremse, Antrieb und weitere Fahrzeugfunktionen in einer gemeinsamen, multi-redundanten und fail-operationalen Steuerungsarchitektur – unabhängig von der jeweiligen Fahrzeugplattform.

Fahrzeugkontrolle als Fundament autonomer Systeme

Die Diskussion über autonome Mobilität wird häufig von Wahrnehmungssystemen und künstlicher Intelligenz geprägt. Doch selbst die leistungsfähigste KI kann ein Fahrzeug nur so sicher bewegen, wie es die zugrunde liegende Steuerungsarchitektur erlaubt. Erst wenn Fahrzeugkontrolle als integriertes System verstanden wird – und nicht als Sammlung einzelner Komponenten – lässt sich Autonomie zuverlässig in reale Anwendungen überführen.

Vor diesem Hintergrund entstehen neue Plattformansätze für vollständig elektronische Fahrzeugsteuerung. Plattformen wie NX NextMotion verfolgen beispielsweise das Ziel, Lenkung, Bremse, Antrieb und weitere Fahrzeugfunktionen in einer gemeinsamen, multi-redundanten Drive-by-Wire-Architektur zusammenzuführen. Der Markt für echtes Drive-by-Wire ist deshalb noch lange nicht entschieden. Nicht weil es an Technologie fehlt – sondern weil Systemdenken, Architekturverantwortung und Betriebserfahrung selten zusammenkommen.

Ausblick

Im nächsten Beitrag dieser Serie betrachten wir eine zentrale Architekturentscheidung moderner Fahrzeugsteuerung: den Unterschied zwischen fail-safe und fail-operational – und warum diese Unterscheidung für autonome Systeme praktisch entscheidend ist.

WE CONTROL WHAT MOVES!

Weiterführende informationen unter: www.arnoldnextg/Blog

Fahrzeugbau / Automotive / Autonomes Fahren / Drive-by-Wire / Fahrzeugsicherheit / NX NextMotion
[pressebox.de] · 10.03.2026 · 09:00 Uhr
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