IS reklamiert Berliner Anschlag für sich

20. Dezember 2016, 22:49 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Angriff auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin für sich in Anspruch genommen. Das IS-Sprachrohr Amak meldete im Internet, ein IS-Kämpfer sei für den Angriff verantwortlich gewesen.

Der Verdächtige, der am Montagabend kurz nach dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche festgenommen worden war, wurde am Dienstag wieder freigelassen. Die bisherigen Ermittlungsergebnisse hätten keinen dringenden Tatverdacht ergeben, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt sagte, es sei möglich, dass der gefährliche Täter noch im Raum Berlin unterwegs sei. Man sei «hochalarmiert», sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch.

Sollte sich bestätigen, dass der IS hinter dem Attentat steht, wäre dies der erste große islamistische Anschlag in Deutschland. Zwar hatte der damals 21-jährige Islamist Arid Uka schon 2011 am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten getötet. Eine so große Opferzahl wie in Berlin gab es bisher aber auf deutschem Boden nicht.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) räumte am Abend im ZDF ein: «Es ist nicht auszuschließen, dass der Täter flüchtig ist.» Zugleich versicherte er, die Ermittler tappten keineswegs im Dunklen. Es gebe Ermittlungsansätze, die würden verfolgt. «Wir sollten die Sicherheitsbehörden ihre Arbeit machen lassen. Die arbeiten mit Hochdruck. Und niemand wird ruhen, bis nicht der Täter oder die Täter gefasst sind», sagte er in der ARD.

Der Täter sei ein «Soldat des Islamischen Staates» gewesen, meldete das IS-Sprachrohr Amak. Die Operation sei eine Reaktion auf Aufrufe, die Bürger der Staaten der internationalen Koalition anzugreifen. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht verifizieren. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle im Internet verbreitet. Auch die Form der Erklärung entspricht früheren Botschaften der Extremisten.

Laut Generalbundesanwalt Peter Frank ist bislang unklar, ob der Mann, der den Lastwagen in die Menschenmenge auf dem Breitscheidplatz gesteuert und zwölf Menschen getötet hat, alleine handelte oder eine größere Tätergruppe dahinter steckt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich zutiefst erschüttert. Ein ganzes Land sei in Trauer vereint, sagte sie in Berlin. «Wir wollen nicht damit leben, dass uns die Angst vor dem Bösen lähmt. Auch wenn es in diesen Stunden schwerfällt: Wir werden die Kraft finden für das Leben, wie wir es in Deutschland leben wollen - frei, miteinander und offen.»

Am Montagabend war ein Mann mit einem vermutlich entführten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt nahe der Gedächtniskirche im Herzen Berlins gerast. Zwölf Menschen starben, rund 50 wurden teils lebensgefährlich verletzt. Laut de Maizière konnten bis Dienstagnachmittag erst sechs der Toten identifiziert werden. 14 Menschen ringen nach seinen Worten nach wie vor mit dem Tod. Unter den Toten seien möglicherweise Jugendliche und auch Ausländer.

Kurz nach dem Anschlag wurde ein 23 Jahre alter Mann festgenommen, der aus Pakistan kommen soll. Der Mann habe in seiner Vernehmung umfangreiche Angaben gemacht, eine Tatbeteiligung jedoch bestritten, erklärte die Bundesanwaltschaft am Dienstagabend. Augenzeugen hätten den Lastwagenfahrer nach dem Anschlag nicht lückenlos verfolgt, die kriminaltechnischen Untersuchungen hätten bislang keinen Beleg erbracht, dass der Mann im Führerhaus des Lastwagens gewesen sei. Im Führerhaus wurde nach Angaben aus Sicherheitskreisen blutverschmierte Kleidung gefunden, bei dem 23-Jährigen dagegen nicht.

Bei dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt starb auch ein polnischer Lkw-Fahrer. Er lenkte nach bisherigen Erkenntnissen den Lkw, bevor dieser in die Hände des Mannes fiel, der dann mit dem Sattelschlepper in die Menschenmenge fuhr. Der Pole wurde erschossen.

Merkel erklärte, es wäre besonders schwer zu ertragen, wenn der Täter tatsächlich in Deutschland um Schutz und Asyl gebeten hat. «Dies wäre besonders widerwärtig gegenüber den vielen, vielen Deutschen, die tagtäglich in der Flüchtlingshilfe engagiert sind und gegenüber den vielen Menschen, die unseren Schutz tatsächlich brauchen und die sich um Integration in unser Land bemühen.»

Der Anschlag ruft Erinnerungen an die Terrorattacke von Nizza im Juli wach: Dort waren 86 Menschen ums Leben gekommen, als ein Mann mit einem Lastwagen über die Uferpromenade der Mittelmeermetropole fuhr. Auch für diesen Anschlag hatte der IS die Verantwortung übernommen.

Nach dem Anschlag forderte CSU-Chef Horst Seehofer eine Überprüfung und Neujustierung der Flüchtlingspolitik. «Wir sind es den Opfern, den Betroffenen und der gesamten Bevölkerung schuldig, dass wir unsere gesamte Zuwanderungs- und Sicherheitspolitik überdenken und neu justieren», sagte der bayerische Ministerpräsident in München.

Bundespräsident Joachim Gauck beschwor den Zusammenhalt der freiheitlichen Gesellschaft. «Der Hass der Täter wird uns nicht zu Hass verführen. Er wird unser Miteinander nicht spalten», sagte das Staatsoberhaupt. «Unser Zusammenhalt wird nicht schwächer. Er wird stärker, wenn wir angegriffen werden.»

Die Weihnachtsmärkte in Deutschland sollen derweil weiter stattfinden. Die Innenminister von Bund und Ländern sprachen sich am Dienstag gegen eine Absage aus, teilte das Bundesinnenministerium nach einer Telefonschalte der Ressortchefs mit. Mehrere Bundesländer überdenken ihre Sicherheitskonzepte. Der Innenausschuss des Bundestags will am Mittwoch in einer Sondersitzung beraten.

Kriminalität / Terrorismus / Berlin / Deutschland
20.12.2016 · 22:49 Uhr
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