Anleihenmarkt in Bewegung: Deutsche Papiere suchen ihren Kurs
Die turbulente Fahrt der deutschen Staatsanleihen setzte sich vergangenen Mittwoch fort. Der Euro-Bund-Future, ein entscheidender Indikator auf diesem Markt, verlor an Boden und sank um 0,15 Prozent auf 129,07 Punkte. Bereits seit Beginn der letzten Woche ringt er um klare Richtungssignale, während die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bei 2,66 Prozent verharrt.
Die jüngsten Konjunkturdaten aus Deutschland, die eigentlich robust ausfielen, blieben ohne signifikanten Einfluss auf das Marktgeschehen. Im September konnten die Bestellungen im Verarbeitenden Gewerbe nach einer Serie von vier rückläufigen Monaten wieder zulegen. Dennoch, so merkt Commerzbank-Ökonom Ralf Solveen an, sei von einer nennenswerten Belebung der Nachfrage nach deutschen Industriegütern noch nicht zu sprechen. Die Hoffnung liegt auf dem kommenden Jahr, wenn die bisher verzögerten Effekte der Zinssenkungen der EZB und die expansive Finanzpolitik greifen sollen. Ohne tiefgreifende strukturelle Reformen könnte sich diese Erholung jedoch als temporär erweisen.
Die Anleihen erlitten zudem Druck von der anderen Seite des Atlantiks, wo ebenfalls robuste Wirtschaftsdaten aus den USA veröffentlicht wurden. Die ADP-Umfrage berichtete von einem unerwartet hohen Anstieg von Arbeitsplätzen im Oktober in der dortigen Privatwirtschaft. Diese Zahlen gewinnen besondere Bedeutung, da offizielle Arbeitsmarktzahlen aufgrund der teilweisen Schließung der Bundesbehörden momentan ausbleiben.
Im Dienstleistungssektor der USA hat sich die Stimmung verbessert: Der Einkaufsmanagerindex des ISM stieg deutlich und zeigt Wachstumstendenzen. Ulrich Wortberg, Analyst bei Helaba, vermutet, dass dies die Erwartungen an eine Zinssenkung der Fed zum Jahresende dämpfen könnte. Der ADP-Report weist ebenfalls auf eine mögliche Stabilisierung am Arbeitsmarkt hin.

