Analyse: Camerons Drohungen mit ungewissen Folgen

18. Februar 2016, 21:23 Uhr · Quelle: dpa

Brüssel (dpa) - Die Europäische Union ohne das Vereinigte Königreich? Mit einem Schlag mehr als 64 Millionen EU-Bürger weniger? Dazu ein erheblicher Verlust an wirtschaftlicher und diplomatischer Stärke?

Wenn Kanzlerin Angela Merkel & Co. an diesem Freitag vom EU-Gipfel abreisen, dann können sie nur noch hoffen. Hoffen darauf, dass das für überzeugte Europäer so düstere «Brexit»-Szenario nicht eintritt.

Mit einem «Deal» zu britischen EU-Reformforderungen soll dann die Grundlage dafür stehen, dass die Regierung in London beherzt für einen Verbleib des Königreiches in der EU werben kann. Um wiedergewählt zu werden, hatte Premier David Cameron den EU-skeptischen Briten vor drei Jahren ein Referendum über den Verbleib ihres Landes in der EU versprochen. Es soll spätestens 2017, wahrscheinlich aber noch in diesem Juni über die Bühne gehen.

Für die EU-Partner ist Camerons Referendum eine nie dagewesene Provokation. Der Brite machte zuletzt immer wieder deutlich, dass er seinen Landsleuten nur dann ein Ja zur EU empfehlen werde, wenn die anderen Staaten einem umfassenden Katalog von britischen EU-Reformforderungen zustimmen.

So will das Vereinigte Königreich neue Regeln, die es ihm ermöglichen, zugewanderten EU-Bürgern künftig erst nach vier Jahren Arbeit im Land bestimmte Sozialleistungen zu gewähren. Auch Kindergeldzahlungen ins Ausland sollen gekürzt werden können.

Als vergleichsweise unkompliziert gilt noch die gewünschte Zusicherung, bei einer weiteren Vertiefung der Europäischen Union nicht mitmachen zu müssen. Ihr liegt die britische Sorge zugrunde, als Teil einer Art «Vereinigte Staaten von Europa» zu viel Autonomie zu verlieren.

In Brüssel zeichnete sich am Donnerstag ab, dass die EU-Partner die Forderungen Camerons weitgehend akzeptieren. Zum Auftakt der Gespräche hatte Cameron noch einmal deutlich gemacht, was im Fall einer Ablehnung passieren würde. «Wenn wir eine gute Vereinbarung bekommen, werde ich diesen Deal annehmen - aber ich werde keinen Deal annehmen, der unseren Bedürfnissen nicht entspricht», sagte er. Das klang wie schon so oft nach Drohung.

Warum sich Cameron das erlauben kann? Auf diese Frage hatte jüngst EU-Parlamentspräsident Martin Schulz einen Teil der Antwort geliefert. Es verwies darauf, dass Großbritannien eine der sieben führenden Wirtschaftsnationen (G7) und Veto-berechtigtes Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist. Als Teil zwei der Antwort gilt die Sorge, dass ein Austritt Großbritanniens im schlimmsten Fall Schule machen könnte. Dies würde dann eine noch stärkere Schwächung der Europäischen Union zur Folge haben.

Dies alles lässt sogar die Angst vor einem anderen möglichen Nachahmereffekt in den Hintergrund rücken. Was, wenn künftig auch andere Länder versuchen, nationalstaatliche Interessen über Austrittsdrohungen durchzudrücken?

Kanzlerin Merkel hat bislang in der Öffentlichkeit wenig dazu gesagt, was sie vom Vorgehen Camerons hält. In einer Regierungserklärung zum Gipfel betonte sie am Mittwoch, dass sie viele Anliegen des britischen Premierministers teile, zum Beispiel den Kampf gegen den «Sozialmissbrauch in Europa». Die Bundesregierung wolle gerne alles dafür tun, um die Voraussetzungen für einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union zu schaffen, sagte sie am Donnerstag.

In einem weiteren Satz machte sie dann noch klar, dass sich der ganze Verhandlungsmarathon letztlich als umsonst herausstellen könnte. «Natürlich entscheiden zum Schluss die Bürgerinnen und Bürger Großbritanniens.» Der führende Kopf der britischen EU-Austrittsbefürworter, Nigel Farage, will schon wissen, wie die Sache ausgeht. Er erklärte am Rande des Gipfels: «Ich sage voraus, dass Großbritannien austritt.»

EU / Gipfel / Großbritannien
18.02.2016 · 21:23 Uhr
[8 Kommentare]
Alexander Dobrindt (Archiv)
Berlin - Die Bundesregierung will auf Cyberangriffe künftig offensiver antworten. Deutschland werde "Gegenmaßnahmen ermöglichen und die Schwelle dafür niedrig ansetzen", sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe). "Wir werden zurückschlagen, auch im Ausland. Wir werden Angreifer stören und ihre Infrastruktur […] (00)
vor 14 Minuten
Königin Camilla
(BANG) - Königin Camillas Wohltätigkeitsorganisation untersucht die Vorteile von Buchclubs. Die 78-Jährige gründete während der Corona-Pandemie The Queen's Reading Room. Die Organisation wird nun eine bahnbrechende Studie durchführen, die erforscht, wie gemeinsames Lesen das Gefühl von Verbindung und Zugehörigkeit "formen" kann. Studienleiter Prof. Sam […] (00)
vor 11 Stunden
Dschungelcamp
Murwillumbah (dpa) - Zwölf mehr oder weniger bekannte deutsche Promis sind am Freitagabend in den australischen Dschungel gezogen. Aber noch bevor sie mit dem Helikopter nach Down Under gebracht wurden, drehte es sich bei «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! » eigentlich nur um einen: den Musiker Gil Ofarim (43).  Mit «Ich geb' dir aus Respekt die […] (00)
vor 27 Minuten
CODE VEIN II – Character Creator Demo ab sofort verfügbar
Bandai Namco Entertainment Europe gibt bekannt, dass die Character Creator Demo zu  CODE VEIN II  ab sofort für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC via Steam verfügbar ist. Den Trailer gibt es hier: Die Demo erlaubt es Spielenden, schon jetzt ihren eigenen Jäger zu erstellen und vollständig zu personalisieren. Dabei stehen ihnen zahlreiche […] (00)
vor 3 Stunden
Leonardo DiCaprio
(BANG) - Leonardo DiCaprio bezeichnet die 13 Oscar-Nominierungen für 'One Battle After Another' als "das ultimative Kompliment". Der Hollywood-Star – der für seine Rolle in dem Film seine sechste Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller erhalten hat – ist sehr stolz auf den Streifen sowie auf die Arbeit von Drehbuchautor und Regisseur Paul Thomas […] (00)
vor 14 Stunden
FC St. Pauli - Hamburger SV
Hamburg (dpa) - Im «Kühlschrank» Millerntor-Stadion suchten die Spieler des FC St. Pauli und der Hamburger SV nach dem 113. Stadtduell Jacken und Decken, um sich bei minus vier Grad aufzuwärmen. Nach einem lange schwachen und eher leidenschaftslosen Stadtderby trennten sich beide Mannschaften 0: 0. Ein Remis, das keinem der beiden Teams im Abstiegskampf […] (01)
vor 1 Stunde
bitcoin, table, courses, finance, virtual, crypto, currency, money, coin, computer, screen, falling, increasing, bitcoin, bitcoin, bitcoin, bitcoin, crypto, crypto, crypto, crypto, crypto
Dan Romero, Mitgründer von Farcaster, hat am 22. Januar erklärt, dass das dezentrale soziale Protokoll nicht eingestellt wird. Diese Aussage erfolgte als Reaktion auf Online-Gerüchte, die nach der Übernahme durch Neynar in dieser Woche aufkamen. Romero kündigte zudem an, dass Merkle, die Muttergesellschaft von Farcaster, plant, die gesamten $180 […] (00)
vor 1 Stunde
Was ist Kunst?
Koeln, 23.01.2026 (PresseBox) - Es begann mit einem harmlosen Satz, wie er auf Festen überall fällt: „Wir brauchen Stühle.“ Herbst 1973, Museum Schloss Morsbroich in Leverkusen. Die örtliche SPD feierte am 3. November eine kleine Zusammenkunft zwischen Kunst und Kaltgetränken. Der Hausmeister, angesteckt von der guten Stimmung, schloss hilfsbereit […] (00)
vor 6 Stunden
 
Facebook (Archiv)
Mainz - Der Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, Alexander Schweitzer […] (00)
Container (Archiv)
Berlin - Nach dem Wirbel um das Mercosur-Votum von Grünen-Abgeordneten im EU- […] (00)
Angelika Mann
Berlin (dpa) - Wegen ihrer Körpergröße von 1,49 Metern ist sie «die Lütte» genannt […] (02)
Schuldenbremse
Berlin (dpa) - Mit einem Milliarden-«Sondervermögen» soll die zum Teil marode […] (02)
Hochkarätiger Neuzugang für Staffel zwei von «Rage»
Die gefeierte HBO-Serie kehrt noch in diesem Jahr mit prominenter Verstärkung und einer erneut […] (00)
Kostenloses Stock Foto zu aktienmarkt, banknoten, berlin
Der CEO von Circle, Jeremy Allaire, zeichnete auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos […] (00)
Oscars 2026: Apples F1 als Bester Film nominiert
Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences hat heute die Nominierungen für die […] (00)
Kaley Cuoco
(BANG) - Kaley Cuoco hatte "große Angst", ihre Tochter für die Arbeit zu verlassen. […] (01)
 
 
Suchbegriff