ACS gewinnt Machtkampf um Hochtief-Aufsichtsratskandidatur
12. Mai 2011, 10:28 Uhr · Quelle: FREI
(durchgehend neu) Von Natali Schwab DOW JONES NEWSWIRES
ESSEN (Dow Jones)--Bei der Hauptversammlung der Hochtief AG ist der Machtwechsel im Zusammenhang mit der laufenden Übernahme durch den spanischen Großaktionär ACS zementiert worden. Nach dem angekündigten Weggang dreier Vorstände, darunter Vorsitzender Herbert Lütkestratkötter, kommt es nun auch im Aufsichtsrat zu gravierenden Veränderungen. Angesichts der geänderten Machtverhältnisse bei dem Baukonzern zogen vier Aufsichtsratsmitglieder ihre Kandidatur zurück. ACS setzte sich damit im Streit um verschiedene Nominierungslisten für den Aufsichtsrat des Essener Baudienstleisters durch.
Die Mitglieder des amtierenden Aufsichtsrates, der Vorsitzende Detlev Bremkamp, Hans-Peter Keitel, Heinrich von Pierer und Wilhelm Simson erklärten am Donnerstag kurz vor Beginn der Hauptversammlung, für die Wahl nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Damit wurde eine befürchtete Kampfabstimmung vermieden.
"Es wird auf der Hauptversammlung nur die Vorschlagsliste von ACS zur Abstimmung kommen", sagte Bremkamp in Essen vor den Aktionären. Die Spanier hatten am Sonntag ihre eigene Kandidatenliste zur Wahl eingereicht. Neben vier Vertretern von ACS und einem für das Emirat Katar sind Manfred Wennemer - bisher bereits Hochtief-Aufsichtsratsmitglied - der Aton-CEO Thomas Eichelmann sowie Eggert Voscherau, Aufsichtsratsvorsitzender der BASF SE nominiert. Der amtierende Aufsichtsrat hatte für ACS dagegen weiterhin nur zwei Sitze vorgesehen gehabt, was die Spanier kritisierten.
ACS hält mehr als 43% an Hochtief und will noch in der ersten Jahreshälfte ihre Beteiligung auf mehr als 50% ausbauen, um das Unternehmen in der Bilanz konsolidieren zu können. Die Kandidatenliste des noch amtierenden Aufsichtsrats hätte angesichts der Mehrheitsverhältnisse auf der HV - die Präsenz schätzte Bremkamp auf zunächst 69% - wohl keine Chance auf Durchsetzung gehabt.
Bremkamp äußerte auf der HV deutliche Kritik an ACS. Er hoffe, dass ACS die Rechte aller Aktionäre achte, und die künftige Zusammensetzung des Aufsichtsrates nicht das Gegenteil signalisiere, so Bremkamp. Er sprach dabei auch von der Schwierigkeit, im Vorfeld geeignete Kandidaten für das Gremium zu finden. Es sei eigentlich sein Ziel gewesen, das Gremium "vielfältiger zu besetzen und zu verjüngen", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende.
Es habe eine Reihe guter Gespräche gegeben, jedoch hätten die Angesprochenen nach der Ankündigung des Übernahmeangebots durch ACS nicht mehr zur Verfügung gestanden. Erst dadurch hätten sich die Mitglieder Keitel, von Pierer und Simson "entgegen ürsprünglicher Planung" bereit erklärt, erneut zu kandidieren. ACS habe zu diesem Zeitpunkt keine eigenen Wahlvorschläge unterbreitet, sondern lediglich Anspruch auf die Bennung von Kandidaten erhoben. ACS habe sich zu keinem Dialog bereit erklärt.
Auch auf den Aderlass im Vorstand ging Bremkamp ein. Der Aufsichtsrat bedauere es, dass Hochtief drei langjährige Vorstände verliere, die sich um das Unternehmen verdient gemacht hätten. Neben Lütkestratkötter, der mit Ablauf der Hauptversammlung das Unternehmen verlässt, werden auch Finanzvorstand Burkhard Lohr sowie der für Concessions verantwortliche Peter Noe im Laufe es Jahres gehen. Der Abschied Lütkestratkötters sei dabei auf Betreiben von ACS erfolgt, machte Bremkamp deutlich: Es sei nicht der Wunsch Lütkestratkötters gewesen, das Unternehmen zu verlassen.
Auch, dass ACS sich bislang offensichtlich nicht zu einer Investorenvereinbarung bereit erklärt hat, kritisierte der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende. ACS habe lediglich eine Vereinbarung angeboten, wie sie mit der IG Bau abgeschlossen habe. Dies reiche nicht aus, um das künftige Miteinander zu regeln, da sie nicht juristisch belastbar sei, machte Bremkamp deutlich.
Lütkestratkötter verabschiedete sich von den Aktionären mit einem Rekordgewinn 2010 und einer höheren Dividende. Ein Wermutstropfen bilden die Probleme der einstigen Vorzeige-Tochter Leighton, die das Ergebnis im laufenden Jahr erheblich belasten wird. Die Australier hatten im April ihre Prognose für das Geschäftsjahr 2010/11 wegen massiven Abschreibungen drastisch reduziert und eine Kapitalerhöhung durchgeführt, die Hochtief mitgezeichnet hatte. Hochtief hatte die eigene Jahresprognose erheblich senken müssen.
Das Leighton-Geschäftsmodell sei dennoch nach wie vor intakt, sagte der scheidende Vorstandsvorsitzende. Die Prognosen bis 2013 bekräftigte der Manager, der nach der HV von dem bisherigen Vorstandsmitglied Frank Stieler abgelöst wird.
Der Concessions-Verkauf kommt unterdessen nach Aussagen Lütkestratkötters voran. Dabei hat sich der Konzern entschieden, den Bereich in Teilen zu veräußern. "Das Feedback aus den Investorengesprächen zeigt, dass wir den Verkaufserlös maximieren können, wenn wir einzelne Segmente getrennt veräußern", sagte der Manager. Hochtief werde daher zunächst nur die Gesellschaft AirPort und die damit verbundenen Flughafenprojekte abgeben. Der Verkauf werde weiterhin im Dual-Track-Verfahren verfolgt. Der Verkauf soll im laufenden Jahr abgeschlossen werden. Die weiteren Assets, also Straßen und Soziale Infrastruktur, würden abhängig vom Reifegrad der einzelnen Projekte verkauft.
Insgesamt sieht Lütkestratkötter Hochtief auf einem guten Weg. "Ich hatte noch viele Pläne mit meinem Team. Nun ist es anders gekommen." Er habe immer versucht, zum Wohl des Unternehmens und aller seiner Eigentümer zu handeln. Dabei habe er es nicht allen gleichermaßen recht machen können, bilanzierte er seine insgesamt acht Jahre bei Hochtief.
-von Natali Schwab, Dow Jones Newswires; +49 69 29725119, [email protected]
DJG/nas/kla
ESSEN (Dow Jones)--Bei der Hauptversammlung der Hochtief AG ist der Machtwechsel im Zusammenhang mit der laufenden Übernahme durch den spanischen Großaktionär ACS zementiert worden. Nach dem angekündigten Weggang dreier Vorstände, darunter Vorsitzender Herbert Lütkestratkötter, kommt es nun auch im Aufsichtsrat zu gravierenden Veränderungen. Angesichts der geänderten Machtverhältnisse bei dem Baukonzern zogen vier Aufsichtsratsmitglieder ihre Kandidatur zurück. ACS setzte sich damit im Streit um verschiedene Nominierungslisten für den Aufsichtsrat des Essener Baudienstleisters durch.
Die Mitglieder des amtierenden Aufsichtsrates, der Vorsitzende Detlev Bremkamp, Hans-Peter Keitel, Heinrich von Pierer und Wilhelm Simson erklärten am Donnerstag kurz vor Beginn der Hauptversammlung, für die Wahl nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Damit wurde eine befürchtete Kampfabstimmung vermieden.
"Es wird auf der Hauptversammlung nur die Vorschlagsliste von ACS zur Abstimmung kommen", sagte Bremkamp in Essen vor den Aktionären. Die Spanier hatten am Sonntag ihre eigene Kandidatenliste zur Wahl eingereicht. Neben vier Vertretern von ACS und einem für das Emirat Katar sind Manfred Wennemer - bisher bereits Hochtief-Aufsichtsratsmitglied - der Aton-CEO Thomas Eichelmann sowie Eggert Voscherau, Aufsichtsratsvorsitzender der BASF SE nominiert. Der amtierende Aufsichtsrat hatte für ACS dagegen weiterhin nur zwei Sitze vorgesehen gehabt, was die Spanier kritisierten.
ACS hält mehr als 43% an Hochtief und will noch in der ersten Jahreshälfte ihre Beteiligung auf mehr als 50% ausbauen, um das Unternehmen in der Bilanz konsolidieren zu können. Die Kandidatenliste des noch amtierenden Aufsichtsrats hätte angesichts der Mehrheitsverhältnisse auf der HV - die Präsenz schätzte Bremkamp auf zunächst 69% - wohl keine Chance auf Durchsetzung gehabt.
Bremkamp äußerte auf der HV deutliche Kritik an ACS. Er hoffe, dass ACS die Rechte aller Aktionäre achte, und die künftige Zusammensetzung des Aufsichtsrates nicht das Gegenteil signalisiere, so Bremkamp. Er sprach dabei auch von der Schwierigkeit, im Vorfeld geeignete Kandidaten für das Gremium zu finden. Es sei eigentlich sein Ziel gewesen, das Gremium "vielfältiger zu besetzen und zu verjüngen", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende.
Es habe eine Reihe guter Gespräche gegeben, jedoch hätten die Angesprochenen nach der Ankündigung des Übernahmeangebots durch ACS nicht mehr zur Verfügung gestanden. Erst dadurch hätten sich die Mitglieder Keitel, von Pierer und Simson "entgegen ürsprünglicher Planung" bereit erklärt, erneut zu kandidieren. ACS habe zu diesem Zeitpunkt keine eigenen Wahlvorschläge unterbreitet, sondern lediglich Anspruch auf die Bennung von Kandidaten erhoben. ACS habe sich zu keinem Dialog bereit erklärt.
Auch auf den Aderlass im Vorstand ging Bremkamp ein. Der Aufsichtsrat bedauere es, dass Hochtief drei langjährige Vorstände verliere, die sich um das Unternehmen verdient gemacht hätten. Neben Lütkestratkötter, der mit Ablauf der Hauptversammlung das Unternehmen verlässt, werden auch Finanzvorstand Burkhard Lohr sowie der für Concessions verantwortliche Peter Noe im Laufe es Jahres gehen. Der Abschied Lütkestratkötters sei dabei auf Betreiben von ACS erfolgt, machte Bremkamp deutlich: Es sei nicht der Wunsch Lütkestratkötters gewesen, das Unternehmen zu verlassen.
Auch, dass ACS sich bislang offensichtlich nicht zu einer Investorenvereinbarung bereit erklärt hat, kritisierte der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende. ACS habe lediglich eine Vereinbarung angeboten, wie sie mit der IG Bau abgeschlossen habe. Dies reiche nicht aus, um das künftige Miteinander zu regeln, da sie nicht juristisch belastbar sei, machte Bremkamp deutlich.
Lütkestratkötter verabschiedete sich von den Aktionären mit einem Rekordgewinn 2010 und einer höheren Dividende. Ein Wermutstropfen bilden die Probleme der einstigen Vorzeige-Tochter Leighton, die das Ergebnis im laufenden Jahr erheblich belasten wird. Die Australier hatten im April ihre Prognose für das Geschäftsjahr 2010/11 wegen massiven Abschreibungen drastisch reduziert und eine Kapitalerhöhung durchgeführt, die Hochtief mitgezeichnet hatte. Hochtief hatte die eigene Jahresprognose erheblich senken müssen.
Das Leighton-Geschäftsmodell sei dennoch nach wie vor intakt, sagte der scheidende Vorstandsvorsitzende. Die Prognosen bis 2013 bekräftigte der Manager, der nach der HV von dem bisherigen Vorstandsmitglied Frank Stieler abgelöst wird.
Der Concessions-Verkauf kommt unterdessen nach Aussagen Lütkestratkötters voran. Dabei hat sich der Konzern entschieden, den Bereich in Teilen zu veräußern. "Das Feedback aus den Investorengesprächen zeigt, dass wir den Verkaufserlös maximieren können, wenn wir einzelne Segmente getrennt veräußern", sagte der Manager. Hochtief werde daher zunächst nur die Gesellschaft AirPort und die damit verbundenen Flughafenprojekte abgeben. Der Verkauf werde weiterhin im Dual-Track-Verfahren verfolgt. Der Verkauf soll im laufenden Jahr abgeschlossen werden. Die weiteren Assets, also Straßen und Soziale Infrastruktur, würden abhängig vom Reifegrad der einzelnen Projekte verkauft.
Insgesamt sieht Lütkestratkötter Hochtief auf einem guten Weg. "Ich hatte noch viele Pläne mit meinem Team. Nun ist es anders gekommen." Er habe immer versucht, zum Wohl des Unternehmens und aller seiner Eigentümer zu handeln. Dabei habe er es nicht allen gleichermaßen recht machen können, bilanzierte er seine insgesamt acht Jahre bei Hochtief.
-von Natali Schwab, Dow Jones Newswires; +49 69 29725119, [email protected]
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