Informant will Daten von 1500 Steuersündern liefern

30. Januar 2010, 21:54 Uhr · Quelle: dpa
Berlin (dpa) - Nach der Liechtenstein-Affäre ist der deutsche Fiskus nun im großen Stil Steuersündern in der Schweiz auf der Spur. Ein Informant hat den Finanzbehörden brisante Konto-Daten von etwa 1500 Deutschen angeboten.

Sie sollen an der Steuer vorbei Millionensummen auf Schweizer Konten angelegt haben. Berichte der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» («FAZ») und der «Süddeutsche Zeitung» wurden am Samstag in Berliner Regierungskreisen bestätigt. Erhärtet sich der Verdacht gegen die Steuerhinterzieher, winken den Finanzämtern durch Nachzahlungen Extra-Einnahmen in Millionenhöhe.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa hat Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) über den Ankauf des Materials noch nicht entschieden. Der Informant habe einen «ersten Teaser», eine Stichprobe des Materials, ausgehändigt. Die Prüfung der Finanzbehörden dauere an. Derzeit werde auch juristisch geprüft, ob der Staat die Daten überhaupt erwerben dürfe, hieß es in den Kreisen. Das Finanzministerium lehnte unter Verweis auf das Steuergeheimnis eine Stellungnahme ab.

Derweil raten Experten von SPD und FDP dem Minister zum Ankauf der Daten. Die finanzpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Nicolette Kressl, teilte am Samstag mit: «Die angebotene CD enthält offenbar entscheidende Daten, die zur Aufklärung von zahlreichen Straftaten im Bereich der Steuerhinterziehung führen können.» Steuerhinterziehung sei kein Kavaliersdelikt. «Niemand würde verstehen, wenn Schäuble sich weigert, die Straftäter zu überführen», sagte Kressl. Der Vorsitzende des Bundestags-Finanzausschusses, Volker Wissing (FDP), sprach sich ebenfalls für einen Kauf der Daten aus. Zuvor müsse es aber eine Prüfung geben. «Der Finanzminister ist gut beraten, zu klären, ob diese Daten rechtlich einwandfrei erworben werden können», sagte Wissing der «Welt am Sonntag».

Der neuerliche Fall erinnert an die Liechtenstein-Affäre aus dem Frühjahr 2008, die den damaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel den Job kostete. Damals hatte der deutsche Auslandsgeheimdienst BND für Steuerdaten deutscher Anleger im Fürstentum bis zu fünf Millionen Euro bezahlt. Die Daten waren der Liechtensteiner LGT-Bank gestohlen und später von einem Informanten an den Bundesnachrichtendienst (BND) verkauft worden. Der damalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte grünes Licht für den spektakulären Deal gegeben. Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt zurzeit noch in rund 400 weiteren Liechtenstein-Fällen.

Laut «FAZ» hat die Überprüfung der ersten Stichprobe aus der Schweiz ergeben, dass in jedem der fünf konkreten Fälle eine Steuernachzahlung von jeweils einer Million Euro fällig würde. Entsprechend würden die Ermittler damit rechnen, dass die Unterlagen rund 100 Millionen Euro in die Staatskasse spülen könnten, wenn Schäuble sich auf den Handel einlassen sollte.

Das Angebot ging nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» zunächst an die für spektakuläre Verfahren bekannte Steuerfahndung im Wuppertal, die den nordrhein-westfälischen Finanzminister Helmut Linssen (CDU) informierte. Linssen schaltete dann Schäuble ein. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern.

Seit der Liechtenstein-Affäre würden den Finanzbehörden oder auch dem Ministerium immer wieder Daten zur Verfügung gestellt. «Diese Daten werden von den zuständigen Landesfinanzbehörden geprüft. Davon hängt das weitere Vorgehen ab», sagte der Sprecher. Das Finanzministerium rät allen Steuerpflichtigen, die ein schlechtes Gewissen haben, generell zur Selbstanzeige.

Kriminalität / Steuern
30.01.2010 · 21:54 Uhr
[14 Kommentare]
Auswärtiges Amt (Archiv)
Berlin - Die Bundesregierung blickt mit Sorge auf die sich zuspitzende Lage im Iran. Man beobachte die Lage "sehr genau und sehr sorgenvoll", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin auf Anfrage der dts Nachrichtenagentur. Über mögliche weitere Entwicklungen wolle sie aber nicht spekulieren, da man die Situation nur aus der Ferne beobachten könne. Es sei klar, dass es […] (00)
vor 20 Minuten
Michael B. Jordan
(BANG) - Der 38-jährige Schauspieler war für seine Leistung in 'Sinners' für den Critics Choice Award 2026 als bester Schauspieler nominiert worden – der Film war außerdem für 16 weitere Auszeichnungen nominiert – und Jordan sagte, er freue sich auf das kommende Jahr und darauf, an sich selbst zu arbeiten. Im Gespräch mit 'Extra' bei der Verleihung am Sonntag (04. Januar) sagte er: "Ich freue mich […] (00)
vor 3 Stunden
Bewährungsstrafen wegen Cybermobbings gegen Brigitte Macron
Paris (dpa) - Wegen Cybermobbings gegen Frankreichs First Lady Brigitte Macron hat ein Gericht in Paris acht Männer und zwei Frauen zumeist zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Alle müssen außerdem ein Praktikum zum Respekt anderer Menschen im Internet absolvieren und einige erhielten eine befristete Onlinesperre für die Nutzung der sozialen Medien, die sie für das Cybermobbing genutzt […] (01)
vor 1 Stunde
VR hat das Potenzial, das Spielerlebnis grundlegend zu verändern, indem es ein Maß an Immersion und Interaktivität bietet, das mit traditionellen Online- oder physischen Casinos nicht erreicht werden kann. Ein Beispiel für eine Plattform, die sich an der Spitze dieser technologischen Revolution befindet, ist jokerstar7.de. Durch die Integration von VR-Technologie in ihr Angebot ist jokerstar7.de […] (00)
vor 4 Stunden
«Ein mächtiger Gegner»: Umweltthriller-Serie startet bei arte
arte zeigt eine neue kanadische Thriller-Serie, die Wirtschaftsmacht, Umweltverbrechen und persönliche Schuld in einem dichten Justizdrama verknüpft. Mit Ein mächtiger Gegner startet am Donnerstag, 22. Januar 2026, um 21.45 Uhr bei arte eine sechsteilige Serie, die hochaktuelle Themen wie Rohstoffabbau, Klimapolitik und globale Konzernmacht ins Zentrum rückt. Die weiteren Episoden laufen am 29. Januar sowie an den darauffolgenden Donnerstagen, […] (00)
vor 3 Stunden
Tennis: United Cup
Sydney (dpa) - Das deutsche Tennis-Team hat beim United Cup sein zweites Gruppenspiel gegen Vorjahresfinalist Polen verloren und muss damit um den Einzug ins Viertelfinale bangen. Nachdem Alexander Zverev im ersten Einzel beim 3: 6, 4: 6 gegen den aufschlagstarken Hubert Hurkacz in Sydney seine erste Niederlage dieser Saison kassiert hatte, verlor auch Eva Lys. Trotz einer ganz starken Leistung […] (02)
vor 1 Stunde
CSU setzt auf Atomkraft 2.0 und will Deutschland zum Nuklearpionier machen
Die Rückkehr der Atomkraft ist für die CSU keine theoretische Debatte mehr, sondern ein politisches Projekt. Bei ihrer Klausur Anfang Januar will die Partei einen Plan beschließen, der Deutschland zum Vorreiter einer nuklearen Kreislaufwirtschaft machen soll – trotz Atomausstiegs und abgeschalteter Meiler. Die CSU stellt den Atomausstieg grundsätzlich infrage In einem Positionspapier, das der […] (00)
vor 22 Minuten
Was tun gegen zu hohen Blutdruck?
Meckenheim, 05.01.2026 (lifePR) - Blutdruck zu hoch? Das trifft auf fast jede dritte Person in Deutschland zu. Je älter man wird, desto häufiger tritt Bluthochdruck auf. Das Tückische ist: Man merkt es oft nicht. Doch wenn der Blutdruck dauerhaft zu hoch ist, leiden Herz und Gefäße. Die Gefahr für Schlaganfall, Herzinfarkt und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. Was kann man tun, um sich zu […] (00)
vor 2 Stunden
 
Rotwein (Archiv)
Wiesbaden - Wein, Spirituosen und Bier sind in Deutschland im europäischen Vergleich sehr […] (06)
Jan van Aken (Archiv)
Berlin - Der Vorsitzende der Linkspartei, Jan van Aken, hat seine Forderung nach Sanktionen […] (04)
Beim jüngsten Vorstoß der USA gegen das sozialistische Venezuela sucht man vergeblich nach […] (01)
Donald Trump (Archiv)
Berlin - Linken-Chef Jan van Aken warnt davor, dass Deutschland selbst zum Ziel von US- […] (00)
Beschäftigung stagniert erstmals seit der Corona-Krise
Erwerbstätigenzahl sinkt leicht Nach vorläufigen Berechnungen des Statistisches Bundesamt […] (00)
CMS
Um eine Website zu erstellen, benötigen Sie eine Domain Für das Erstellen einer […] (00)
Azteken-Epos und Politthriller: HISTOIRE TV im Januar
Eine aufwendig produzierte Serie über Aufstieg und Fall der Azteken trifft auf eine investigative […] (00)
Millie Bobby Brown  und David Harbour
(BANG) - Millie Bobby Brown wurde über das Ende ihrer Figur in 'Stranger Things' zur […] (00)
 
 
Suchbegriff