Porträt: Klimapräsidentin Hedegaard

07. Dezember 2009, 13:18 Uhr · Quelle: dpa
Kopenhagen (dpa) - Die Dänen finden, dass ihre bisherige Klimaministerin eine energiegeladene «Feuerseele» («ildsjæl») ist, und eine ehrliche dazu. «Jahrelang haben wir klimapolitisch auf Kopenhagen hingearbeitet. So eine Chance gibt es nie wieder.»

Das sagte Connie Hedegaard immer mit Überzeugung in Stimme und Blick, ehe sie am Montag zur Präsidentin beim Klimagipfel gekürt wurde. Die 49-jährige Konservative soll bis zum Abschluss am 18. Dezember mit mehr als 100 Staats- und Regierungschefs den Verhandlungsgang um ein globales Klimaabkommen lenken. Zusammen mit Yvo de Boer, dem Chef des UN-Klimasekretariats, gilt sie unter den mehr als 15 000 Delegierten aus 192 Staaten als eine der absolut zentralen Persönlichkeit beim «COP15».

Die Konsequenzen aus dem Ringen um weniger CO2-Emissionen und Finanzhilfen an ärmere Länder wird Connie, wie sie in Dänemark jeder nennt, ab dem nächsten Jahr von Brüssel aus mitgestalten: Nach drei Jahren als Dänemarks Umwelt- und seit 2007 als Klima- und Energieministerin wechselt die frühere Journalistin als Klima-Kommissarin in die neue EU-Kommission. Dass Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen sie für diese Funktion nach Brüssel schickt, wird in Dänemark als Anerkennung für ihren internationalen Ruf in Sachen Klimapolitik und durchaus mit Stolz gesehen.

Teils aber sehen Beobachter darin auch die «Entsorgung» eines innenpolitischen Problems, denn die Mutter zweier Söhne galt in ihrer konservativen Partei lange als scharfe Konkurrentin der Vorsitzenden Lene Espersen. Die will die Partei kompromisslos auf einen Rechtskurs in der Ausländerpolitik und anderen Bereichen mit «Wählerappeal» trimmen.

Hedegaard steht für eine deutlich liberalere Linie. Die Tochter von Kiosk-Betreibern in der Kleinstadt Holbæk und studierte Literaturwissenschaftlerin kam als «Jung-Star» schon mit 24 Jahren ins Parlament. Sie nahm sich in den 90er Jahren eine lange Auszeit von der Politik, erst als hoch anerkannte Journalistin bei der Zeitung «Berlingske Tidende», dann als Nachrichtenchefin beim Rundfunk, und am Ende sechs Jahre als Moderatorin einer anspruchsvollen TV-Nachrichtensendung. Und immer kritisch gegenüber dem in Dänemark so populären Rechtstrend.

Erst als die Regierung des jetzigen NATO-Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen ihr farbloses Image durch jüngere Politikerinnen mit Profil aufbessern wollte, kehrte Hedegaard im Ministerrang in die Politik zurück. Nicht allen gefiel, dass sie danach die Ausländer-Linie Rasmussens in der Zusammenarbeit mit ausländerfeindlichen Rechtspopulisten mittrug.

Doch das war vergessen, als Hedegaard das neue Amt einer Klimaministerin übernahm und damit vor allem auch die Weichen für den Kopenhagener Klimagipfel zu stellen hatte. Sie führte Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie US-Senatoren das rasante Schmelzen grönländischer Gletscher vor und scheute in der Klimapolitik auch vor Drohungen mit dem Rücktritt nicht zurück, als Rasmussen auf die Bremse treten wollte.

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07.12.2009 · 13:18 Uhr
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