Katastrophe

Zwei Jahre nach Beben: Knapp 650.000 in Türkei in Containern

06. Februar 2025, 15:27 Uhr · Quelle: dpa
Die verheerenden Erdbeben töteten am 6. Februar mehr als 50.000 Menschen allein der Türkei. Auch zwei Jahre danach ist die Katastrophe noch lange nicht ausgestanden.

Kahramanmaras (dpa) - Zwei Jahre nach den zerstörerischen Erdbeben leben in der Türkei weiterhin 648.886 Menschen in Containern. Das teilte die türkische Katastrophenschutzbehörde Afad am Jahrestag der Beben mit. Zuvor war die Rede von 400.000 gewesen. Die Zahl bezieht sich auf in den Stadtzentren Untergebrachte. Menschen in der Region lebten mit regelmäßigen Strom- und Wasserausfällen und schlechten Hygienebedingungen, so die türkische Bauingenieurskammer.

Am 6. Februar 2023 erschütterte um 4:17 Uhr ein Beben der Stärke 7,7 den Südosten der Türkei und Nordsyrien. Um 13:24 Uhr folgte ein zweites Beben der Stärke 7,6. Insgesamt waren elf türkische Provinzen betroffen auf einer Fläche etwa so groß wie Griechenland. 53.737 Menschen starben laut offiziellen Zahlen, 107.213 wurden verletzt. Rund 40.000 Gebäude stürzten ein und 220.000 wurden schwer beschädigt. «Die Erdbeben hatten die 2000-fache Kraft der Atombombe, die auf Hiroshima abgeworfen wurden», teilte Afad mit.

Auf 1.900 Baustellen arbeiten laut Regierungsangaben derzeit 182.000 Arbeiter. 200.000 Wohnungen oder Gewerbeeinheiten wurden bisher übergeben. «Zwei Jahre nach den Erdbeben wurden nur 31 Prozent der versprochenen Wohnungen fertiggestellt», sagte Sinem Kolgu von der Bauingenieurskammer.

Kritik an Baugeschwindigkeit und Aufarbeitung

Einige Kritiker empfinden das als zu wenig, andere kritisieren die Geschwindigkeit, mit der die Gebäude hochgezogen werden. Um möglichst schnell zu bauen, würden Betonmischanlagen in die Nähe von Unterkünften gebaut und Menschen damit einer gesundheitsgefährdenden Staubbelastung ausgesetzt, hieß es von der Türkischen Ärztekammer. Andere fürchten, bei der Geschwindigkeit könnten Baumängel übersehen werden.

Kritik üben viele auch an der juristischen Aufarbeitung der Katastrophe. Für die hohe Opferzahl machen Experten erhebliche Baumängel an den Gebäuden verantwortlich. Die Regierung geriet wegen fehlender Kontrolle in die Kritik. Bisher seien 149 Prozesse abgeschlossen und gegen 189 Angeklagte unterschiedliche Gefängnisstrafen und Urteile verhängt worden, berichtete die Nachrichtenagentur Anka unter Berufung auf das Justizministerium. Gegen 1.850 Angeklagte liefen noch Prozesse. Viele weitere seien auch nach zwei Jahren nicht aufgenommen worden, kritisieren Beobachter.

Experte erwartet Hunderttausende Tote bei Istanbul-Beben

Unterdessen warnen Experten davor, dass die Erde rund um die Millionenmetropole Istandbul bald beben könnte - mit voraussichtlich verheerenden Folgen. Die Erdbebenwarte Kandilli gibt die Wahrscheinlichkeit für ein Beben mit einer Stärke über 7 bis zum Jahr 2030 mit 60 Prozent an. Auf diese bevorstehenden Beben sei die Türkei weiterhin nicht vorbereitet, so das Urteil von Fachleuten. In Istanbul seien 100.000 Gebäude stark einsturzgefährdet, «es werden Hunderttausende umkommen», sagte der Erdbebenforscher Naci Görür der Deutschen Presse-Agentur.

Auch Geologieprofessor Sükrü Ersoy erklärte, dass viele Gebäude, die bei einem schweren Erdbeben einstürzen würden, bisher nicht aufgerüstet worden seien. Ebenso sagte der türkische Städtebauminister Murat Kurum, Istanbul werde einem Erdbeben nicht standhalten.

Katastrophe / Erdbeben / Justiz / Gesellschaft / Bau / Gesundheit / Türkei
06.02.2025 · 15:27 Uhr
[2 Kommentare]
Ukraine-Krieg - Drohnen in der Ukraine
Moskau/Kiew (dpa) - Die Ukraine hat bei neuen Drohnenangriffen auf Anlagen der russischen Ölindustrie mehrere Objekte in Brand gesetzt. Im Gebiet Nischni Nowgorod berichtete Gouverneur Gleb Nikitin bei Telegram, es seien 30 ukrainische Drohnenschläge abgewehrt worden. Herabfallende Trümmer hätten Feuer in zwei Objekten des Ölkonzerns Lukoil ausgelöst. […] (06)
vor 19 Minuten
John Lithgow
(BANG) - John Lithgow ist der Meinung, dass die Ansichten von J. K. Rowling zu Trans-Themen "falsch dargestellt" worden sind. Der 80-jährige Schauspieler wird in der kommenden 'Harry Potter'-TV-Serie, die auf Rowlings Fantasy-Romanen basiert, den Hogwarts-Schulleiter Albus Dumbledore spielen. Er erklärte, warum er sich trotz der Kontroversen um Rowlings […] (00)
vor 1 Stunde
Review: Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds im Test
Die Zukunft der Sprachkommunikation ist da! Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 – Mein neuer täglicher Begleiter für Business, Reisen und internationale Gespräche. Nachdem ich die Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 seit Mitte Februar 2026 intensiv im Alltag getestet habe – auf Geschäftsreisen in Spanien und Frankreich, bei mehreren […] (00)
vor 16 Stunden
Ghost Master: Resurrection im Test: Spuken wie früher?
Ghost Master: Resurrection ist ein Remake des Originals aus 2003. Ich habe als Kind das Spiel gesuchtet und es war einfach großartig, die CD besitze ich heute noch. 2021 wurde es dann auch auf Steam veröffentlicht und war ohne Probleme spielbar. Jetzt wurde aber mit Ghost Master: Resurrection eine erweiterte Neuauflage des Spiels veröffentlicht. Es […] (00)
vor 14 Stunden
BBC ernennt Richard Colebourn zum Europachef der News-Sparte
Die BBC stellt ihre internationale Struktur weiter neu auf und besetzt eine zentrale Führungsposition in Europa. Richard Colebourn wird neuer Regional Director für Europa bei BBC News und dem World Service. In dieser Funktion ist er der ranghöchste Vertreter des Senders in Europa und Zentralasien und verantwortet sowohl redaktionelle als auch operative Aufgaben in der gesamten Region. Zu seinem […] (00)
vor 1 Stunde
Dynamo Dresden - Hertha BSC
Dresden (dpa) - Pyrotechnik, Platzsturm, Polizei im Großeinsatz: Nach den Fan-Ausschreitungen beim Zweitliga-Abendspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC (0: 1) ist die Bestürzung groß - nicht nur bei den Vereinen. Bei der Polizei sind mehrere Ermittlungsverfahren gegen Fans anhängig. Der Deutsche Fußball-Bund kündigte an, nach den Osterfeiertagen […] (01)
vor 13 Minuten
Künstliche Intelligenz revolutioniert die Finanzbranche: Chancen und Risiken für Anleger
Die KI-Revolution im Finanzsektor nimmt fahrt auf Die Finanzbranche steht an einem Wendepunkt. Künstliche Intelligenz durchdringt mittlerweile alle Bereiche des Banking und Investment Management – von der automatisierten Kreditvergabe über algorithmenbasierte Handelsstrategien bis hin zu intelligenten Kundenservice-Lösungen. Große Finanzinstitute […] (00)
vor 53 Minuten
Diabetes: Wenn der Blutzucker aus dem Gleichgewicht gerät
Höchst i. Odw., 05.04.2026 (lifePR) - Diabetes mellitus gehört zu den großen Volkskrankheiten unserer Zeit. Millionen Menschen in Deutschland und weltweit leben mit der Diagnose Typ-1- oder Typ-2-Diabetes. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch einen gestörten Zuckerstoffwechsel, bei dem der Körper entweder zu wenig Insulin produziert oder die Zellen […] (00)
vor 4 Stunden
 
US-Flagge (Archiv)
Washington - Das letzte vermisste Besatzungsmitglied des abgestürzten F-15E-Kampfjets […] (00)
Tankstelle (Archiv)
Berlin - Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) spielt auch über die Ostertage […] (05)
Lars Klingbeil (Archiv)
Berlin - Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant eine neue Milliarden- […] (00)
Gaszähler (Archiv)
Berlin - Um den steigenden Energiepreisen zu begegnen, fordert der Städte- und […] (02)
Mel B
(BANG) - Mel B sagt, dass eine mögliche Dokumentation über die Spice Girls "ehrlich" […] (01)
Bayer Leverkusen - VfL Wolfsburg
Leverkusen (dpa) - Bayer Leverkusen hat mit einem Comeback in einer wilden und […] (02)
iPhone 18 Pro offenbar ohne schwarze Farbvariante
Einem aktuellen Gerücht zufolge wird Apple bei den kommenden iPhone 18 Pro Modellen […] (00)
Street Fighter 6 enthüllt neuen Teaser-Trailer zu Ingrid – und ihr könnt erahnen, was sie kann
Kaum eine Figur im Street-Fighter-Universum ist so rätselhaft wie Ingrid – und genau […] (00)
 
 
Suchbegriff