Zukunft der Gaming-Industrie: PlayStation-Manager verspricht „unfassbar positive Jahre“ trotz Krise
Die Spielebranche steckt in ihrer wohl schwierigsten Phase seit der Dotcom-Blase: Epic Games wirft über tausend Mitarbeiter raus, kleinere Läden wie das Team hinter Wuchang: Fallen Feathers kämpfen ums nackte Überleben und selbst VR-Schmieden wie Polyarc Games müssen Federn lassen. Während die Schlagzeilen von einer Hiobsbotschaft zur nächsten rasen, schlägt Christian Svensson, Vice President bei Sony Interactive Entertainment, völlig andere Töne an. Der Mann, der tagtäglich die Entwicklungsfahrpläne von Dutzenden Studios einsehen darf, ist überzeugt: Das Beste kommt noch – und zwar gewaltig.
Ein alter Hase mit Weitblick
Svensson ist in der Branche kein unbeschriebenes Blatt. Vor seiner Zeit bei Sony war er unter anderem bei Capcom für die strategische Ausrichtung großer Marken verantwortlich und hat sich einen Ruf als scharfsinniger Taktiker erarbeitet. In seiner aktuellen Rolle bei Sony blickt er auf die Entwicklungspläne externer Partner und interner First-Party-Teams – und was er dort erblickt, macht ihm schier sprachlos. „Das letzte Jahr war ein fantastisches Jahr für Spiele. Dieses Jahr wird ein noch besseres Jahr. Und das nächste Jahr wird wieder ein besseres Jahr“, schwärmt er im Interview mit The Game Business. Die Titel-Pipeline sei „unglaublich positiv“ und die gesamte Branche solle „optimistischer sein, als ihr vielleicht zumutet“. Klingt nach Wunschdenken? Mag sein. Aber Svensson ist einer der wenigen Menschen, die tatsächlich hinter die Kulissen der größten Publisher schauen dürfen.
Entscheidungen von heute, Ernte in fünf Jahren
Der Kern seiner Botschaft dreht sich um die langen Entwicklungszeiten moderner Spiele. „Wenn du über einen Produktzyklus nachdenkst – zwei Jahre auf der kurzen, fünf bis sechs Jahre auf der langen Seite –, dann beeinflussen die Entscheidungen, die wir heute treffen, unsere Position in fünf oder sechs Jahren“, erklärt Svensson. Mit anderen Worten: Die aktuell sichtbaren Hiobsbotschaften sind größtenteils das Resultat alter Fehlentscheidungen, während die Weichen für eine goldene, bisher beispiellose Ära längst gestellt sind. Sony selbst hat mit der PS5 Pro und einem wachsenden Fokus auf talentierte Nachwuchsstudios aus Asien vorgelegt. Dass die PS5 längst nicht am Ende ist, davon ist man bei Sony ohnehin überzeugt – ein ausführlicher Blick auf die Strategie des Publishers findet sich hier.
Die nüchterne Perspektive eines Ex-Chefs
Ex-PlayStation-Chef Shuhei Yoshida liefert eine erfrischend rationale Erklärung für das aktuelle Chaos: Während der Pandemie habe die Industrie kolossal überreagiert. „Es gab einen enormen Wachstumsschub, weil die Leute zu Hause festsaßen. Publisher haben überhastet Personal aufgebaut und in Projekte investiert, die sie besser nicht angefasst hätten“, so Yoshida. Nach dem Ende des Booms folgte die schmerzhafte, aber notwendige Korrektur. Svenssons Argumentation folgt demselben Muster: Die Talente, die heute entlassen werden, arbeiten morgen bei großartigen Indie-Studios oder gründen eigene Läden – die Kreativität versiegt nicht, sie verlagert sich bloß. Ob seine Prognose wirklich aufgeht, hängt am Ende davon ab, ob die aktuell in Entwicklung befindlichen Spiele die hohen Erwartungen auch einlösen können.


