Zolldrohungen aus den USA belasten deutsche Börsen
Die angespannte Situation im Handelsstreit zwischen den USA und der Europäischen Union findet keine Ruhepause: Nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, ab dem 1. August hohe Zölle von 30 Prozent auf EU-Einfuhren zu erheben, erwarten die Märkte einen weiteren Rückgang der Dax-Werte. Ausnahmen sollen lediglich Branchen wie die Automobilindustrie sowie Stahl und Aluminium gewährt werden, die bereits unter hohen Sektorzöllen leiden.
Nach intensiven Verhandlungen, die Hoffnung auf ein baldiges Abkommen geweckt hatten, steht nun ein Treffen in Brüssel im Mittelpunkt. Die EU debattiert über ihre Antwort auf Washingtons Vorhaben, wobei Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorerst von der Einführung von Gegenzöllen abraten möchte. Die Unsicherheit sorgt für Nervosität an den Finanzmärkten, was auch die Experten der Landesbank Hessen-Thüringen unterstreichen.
Zur Eröffnung wird der deutsche Leitindex Dax, laut dem X-Dax-Indikator, mit einem Verlust von 1,1 Prozent erwartet. Auch der EuroStoxx 50, das Eurozonen-Pendant, zeigt Schwäche und wird etwa ein Prozent niedriger prognostiziert. Während die US-Futures ebenfalls nachgeben, bleibt die Stimmung an den asiatischen Börsen, speziell in China, trotz des drohenden Zollkriegs freundlich. Chinas Außenhandel konnte im Juni ein Wachstum verzeichnen.
Der Dax erreichte noch am Donnerstag ein Rekordhoch, hatte sich seit Mitte Juni um fast sieben Prozent erholt und wies auf Jahresbasis einen beeindruckenden Gewinn von rund 24 Prozent auf. Doch Gewinnmitnahmen am Freitag führten zu einem Wochenplus von nur noch zwei Prozent, bevor nun die USA-Berichtssaison verstärkt im Fokus stehen dürfte.
Der Beginn der Woche bringt jedoch schlechte Nachrichten aus der Chemiebranche: Nach Covestro reduzierten nun auch BASF und Brenntag ihre Gewinnprognosen. BASF sieht in den US-Zöllen und den daraus resultierenden Unsicherheiten die Hauptursachen, während Brenntag die Wechselkursentwicklung des Euro/Dollar verantwortlich macht.
Analysten zeigen sich indes gelassen: Geoff Haire von der UBS erwartet dennoch eine positive Reaktion der BASF-Aktien. Auf Tradegate verlor BASF jedoch knapp drei Prozent, während Brenntag sogar um mehr als vier Prozent fiel. In der Stahlbranche konnte Thyssenkrupp eine Einigung mit der IG Metall erzielen, die bis 2030 gültig ist und eine Einkommenssenkung von durchschnittlich acht Prozent vorsieht. Dies brachte den Aktien vorbörslich fast drei Prozent Verluste ein, trotz prinzipiell positiver Bewertung dank des gefundenen Kompromisses.
Im SDax musste Drägerwerk im zweiten Quartal einen Rückgang des Gewinns verzeichnen, setzt jedoch auf steigende Auftragszahlen und bestätigte seine Jahresprognose. Die Aktien zeigten sich vorbörslich leicht erholt.

