Zittern im Weinland: Deutsche Winzer unter Druck durch drohende US-Strafzölle
Die deutsche Weinbranche blickt besorgt über den Atlantik, denn die Entscheidung aus den USA über mögliche neue Strafzölle lässt die Winzer nicht zur Ruhe kommen. Die Befürchtungen sind groß, dass nach dem Ende des aktuellen Moratoriums erhebliche Zölle auf deutsche Weine erhoben werden könnten. „Sollte dies eintreten, wäre mit großen Verwerfungen auf den globalen Weinmärkten zu rechnen“, erklärt das Deutsche Weininstitut (DWI) aus Bodenheim.
Bereits seit der Bekanntgabe der möglichen Strafzölle im März beobachtet die Branche einen starken Rückgang im Exportgeschäft. Zwar wurde die Zeit der reduzierten Zollsätze genutzt, um die Ausfuhren in die USA zu maximieren, doch begrenzte Lagerkapazitäten machten diesem Bestreben schnell einen Strich durch die Rechnung, so DWI-Sprecher Ernst Büscher. Die USA sind nach wie vor der bedeutendste Markt für deutsche Weinexporte.
Sollten die Zolltarife in Kraft treten, würden deutsche Weine in den USA drastisch an Preis gewinnen, was den Marktanteil erheblich schmälern dürfte. Bereits in der ersten Amtszeit von Donald Trump führten ähnliche Zölle zu einem Umsatzrückgang von über 20 Prozent bei den Exporteuren.
Derzeit stammen rund ein Sechstel der Erlöse aus den Weinexporten von deutschen Winzern aus den USA, was beeindruckende 61 Millionen Euro ausmacht. Dem gegenüber stehen Exporte von 12,8 Millionen Liter in die USA, bei einem beachtlichen durchschnittlichen Preis von 4,78 Euro pro Liter.
Im Angesicht dieser Herausforderungen richten die Winzer ihr Augenmerk auf andere Märkte. Deutschland punktet hierbei mit seinem hohen Anteil an Weißweinen, doch der Aufbau von Importeurs- und Händlerbeziehungen fordert Zeit und Geduld.
Die Lösung des Zollstreits zwischen der EU und den USA zeichnet sich noch nicht ab, obwohl die Verhandlungen intensiv geführt werden. Ein Brief aus dem Oval Office mit neuen Zollforderungen lässt Europa bis zum 1. August zittern, aber zugleich bleibt wertvolle Zeit für die Verhandlung einer alternativen Lösung.

