Zinssenkung als Antwort auf fragilen Arbeitsmarkt – Michelle Bowman fordert entschiedene Maßnahme
Die Vize-Chefin für Bankenaufsicht der US-Notenbank, Michelle Bowman, hat erneut bekräftigt, dass ihre Ansicht nach deutliche Zinssenkungen erforderlich sind, um aufkommende Probleme am Arbeitsmarkt abzuwehren. In einer Rede vor dem Forecasters Club of New York betonte sie, dass die jüngsten Daten einen deutlich fragileren Arbeitsmarkt zeigen und die Inflation, abgesehen von den Auswirkungen der Zölle, sich nur wenig über dem Ziel der Notenbank bewegt. Bowman wies auf zahlreiche Daten hin, die auf wachsende Probleme dort hinwiesen. Für sie sei es an der Zeit, dass das geldpolitische Gremium der US-Notenbank, das Federal Open Market Committee (FOMC), proaktiv handelt, um die sinkende Dynamik und die ersten Anzeichen von Schwäche auf dem Arbeitsmarkt zu adressieren. Zudem warnte sie, dass die Notenbank Gefahr läuft, bezüglich der Verschlechterungen der Arbeitsmarktbedingungen bereits hinterherzuhinken.
Im vergangenen Monat hatte das FOMC die Zielspanne für den Tagesgeldzinssatz um 0,25 Prozentpunkte auf 4% bis 4,25% gesenkt. Dies wurde als Maßnahme zur Unterstützung des Arbeitsmarktes beschlossen, trotz anhaltender Sorgen über die über dem Ziel liegende Inflation. Ein Fed-Gouverneur sprach sich für eine stärkere Zinssenkung aus, aber Bowman unterstützte die moderate Senkung zusammen mit ihren Kollegen. Zuvor hatte sie im Juli noch eine Senkung gefordert, als die meisten Mitglieder für unveränderte Zinsen stimmten.
In ihrer Rede äußerte Bowman wenig Bedenken, dass die Handelszölle von Präsident Donald Trump langfristige Inflationsprobleme verursachen könnten. Obwohl die Inflation über dem 2%-Ziel liege, sollte die Geldpolitik laut Bowman vor allem den Bereich unterstützen, der Zeichen von Schwäche zeigt, derzeit also den Arbeitsmarkt.
Zudem äußerte sich Bowman zur laufenden Reduzierung der Anleihebestände der Fed und sprach sich dafür aus, die Bilanz so klein wie möglich zu halten. Dies gäbe der Fed die Flexibilität, auf künftige Probleme zu reagieren. Sie bevorzugt eine reine Staatsanleihe-Bilanz mit kürzeren Laufzeitprofilen, um bei Bedarf Handlungsräume zu schaffen.
Auch die von der Fed eingerichteten Liquiditätsfazilitäten wurden von Bowman adressiert. Sie empfahl Anpassungen an der Standing Repo Facility, einem neuen Instrument zur Stabilisierung der Märkte bei Liquiditätsengpässen. Um die Nutzung auf extreme Stresssituationen zu begrenzen, sprach sich Bowman für ein Mindestgebotszinsniveau über dem oberen Ende der Zielzinsspanne aus.

