Krypto-Crash in Europa: 8 Milliarden Euro verschwunden – Bitcoin-ETPs verlieren 30 Prozent
Wer im September 2025 auf den europäischen Krypto-ETP-Markt geschaut hat, sah einen Boom. Mehr als eine Milliarde Euro flossen in einem einzigen Monat in börsengehandelte Produkte auf digitale Vermögenswerte – so viel wie noch nie. Wenige Monate später ist das Bild ein anderes. Das verwaltete Vermögen ist abgestürzt, die Anleger flüchten, die Euphorie vorbei.
Das verwaltete Vermögen in europäischen Krypto-ETPs lag Ende Februar 2026 bei rund 11 Milliarden Euro. Das sind fast 8 Milliarden Euro weniger als auf dem Höhepunkt im Oktober 2025, als der Markt die 19-Milliarden-Schwelle erreichte. Das zeigen Daten aus einem aktuellen Report des Analysehauses Morningstar. Fast die Hälfte des Vermögens ist weg – verdampft, abgezogen, verloren.
Bitcoin bleibt der Platzhirsch – doch auch er verlor 30 Prozent
Trotz Hunderten von Kryptowährungen auf dem Markt konzentriert sich das Geld der Anleger dabei auf einen einzigen Coin: Bitcoin. Mehr als 60 Prozent aller in europäischen Krypto-ETPs verwalteten Vermögenswerte stecken in Produkten, die ausschließlich auf Bitcoin setzen. Und das, obwohl die Mehrheit der gelisteten Produkte auf alternative Kryptowährungen abzielt.
Bitcoin ist der König – aber auch der König blutet. Im vergangenen Jahr verlor Bitcoin (in Euro) infolge des Kursrückgangs, der im Oktober 2025 einsetzte, rund 30 Prozent an Wert. Ether traf es mit 23 Prozent Verlust kaum besser. Die Anleger, die auf den Boom gesetzt hatten, sitzen auf Verlusten. Wer im September kaufte, verlor ein Drittel.
Coinshares, 21Shares und Wisdomtree führen den Markt
Coinshares, 21Shares und Wisdomtree führten Ende Februar 2026 das Ranking der größten Anbieter europäisch domizilierter Krypto-ETPs nach verwaltetem Vermögen an. Coinshares kam dabei auf 3,44 Milliarden Euro, gefolgt von 21Shares mit 2,42 Milliarden Euro und Wisdomtree mit 1,38 Milliarden Euro. Valour verfügt mit 87 Produkten über das größte Angebot von Krypto-ETPs gefolgt von 21Shares mit 57.
Die drei größten Einzelprodukte nach Fondsvolumen waren der Coinshares Bitcoin ETP (ISIN: GB00BLD4ZL17) mit 1,22 Milliarden Euro, der Wisdomtree Physical Bitcoin (ISIN: GB00BJYDH287) mit 1,07 Milliarden Euro sowie der iShares Bitcoin ETP (ISIN: XS2940466316) mit 0,75 Milliarden Euro. Auch diese verloren massiv – allein durch den Kursrückgang von Bitcoin.
Markt wächst bei Produktanzahl – trotz Kursrückgang
Insgesamt war 2025 das Jahr mit den meisten Neuauflagen: Über 80 Krypto-ETPs gingen neu an den Markt. In den ersten beiden Monaten 2026 kamen sechs weitere hinzu. Auf der anderen Seite wurden 2025 sieben Krypto-ETPs geschlossen, in den ersten zwei Monaten 2026 verabschiedete sich ein ETP vom Markt.
Das ist paradox. Der Markt schrumpft, die Kurse fallen, die Anleger ziehen ab – doch die Anbieter legen weiter neue Produkte auf. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Oder die Gier. Denn jedes neue Produkt ist ein Versuch, noch ein bisschen Geld aus dem schrumpfenden Markt zu pressen.
Hohe Renditen, noch höhere Risiken – Volatilität bei 75 Prozent
Bitcoin und Ether lieferten über den Zehnjahreszeitraum bis Ende Februar 2026 beeindruckende Renditen. Doch die Schwankungsbreite war entsprechend extrem: Die annualisierte Volatilität von Bitcoin lag im Betrachtungszeitraum bei rund 75 Prozent, die von Ether sogar bei etwa 136 Prozent – verglichen mit 13 Prozent bei Schwellenländeraktien.
75 Prozent Volatilität bedeutet: Der Kurs kann jederzeit um drei Viertel einbrechen – oder explodieren. Wer heute kauft, weiß nicht, ob morgen der Kurs doppelt so hoch oder halb so niedrig steht. Das ist kein Investment. Das ist Glücksspiel. Und genau deshalb warnen Experten vor zu hohen Beimischungen.
Kosten transparent – doch 1,63 Prozent Gebühren sind teuer
Ein Vorteil börsengehandelter Krypto-Produkte gegenüber dem direkten Kauf von Kryptowährungen liegt in der Kostentransparenz. Wer Bitcoin oder andere digitale Assets über Handelsplattformen kauft, zahlt oft hohe Spreads und Umtauschgebühren – ohne dass diese auf den ersten Blick sichtbar sind. Bei Krypto-ETPs hingegen ist die jährliche Verwaltungsgebühr klar ausgewiesen.
Im Schnitt liegt sie laut Morningstar bei 1,63 Prozent pro Jahr. Dieser Wert ist allerdings durch die vielen komplexen Produkte auf alternative Kryptowährungen nach oben verzerrt. Bitcoin-ETPs sind deutlich günstiger – sie haben sich zu einem weitgehend standardisierten Markt entwickelt, in dem mehrere Anbieter miteinander konkurrieren. Ether-Produkte liegen im Mittelfeld.
Doch 1,63 Prozent Gebühren pro Jahr sind teuer. Bei einem ETF auf den MSCI World zahlt man oft nur 0,2 Prozent. Bei Krypto zahlt man das Achtfache – für ein Produkt, das volatiler, riskanter, unsicherer ist.
Morningstar empfiehlt maximal 5 Prozent – und zehn Jahre Anlagehorizont
Anleger, die Krypto-ETPs ins Depot aufnehmen möchten, sollten die Gewichtung bewusst begrenzen. Laut den Analysten von Morningstar reicht schon eine kleine Beimischung aus, um das Risikoprofil eines Portfolios deutlich zu verändern – in beide Richtungen. Das Analysehaus empfiehlt eine maximale Gewichtung von 5 Prozent, kombiniert mit einem Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren.
Der Grund: Im Gegensatz zu Aktien oder Anleihen ließen sich Kryptowährungen den Experten zufolge kaum fundamental bewerten. Es gebe keine Cashflows, die sich diskontieren ließen – der Preis hänge stark von Angebot und Nachfrage sowie von Marktstimmungen ab. Hinzu komme, dass die starken Langzeitrenditen von Bitcoin und Ether in der Vergangenheit nicht garantierten, dass sich dieses Muster wiederhole.
Das ist die brutale Wahrheit: Krypto ist Spekulation, keine Anlage. Wer kauft, wettet auf steigende Kurse. Wer wettet, kann gewinnen – oder verlieren. Die letzten Monate haben gezeigt: Verlieren ist wahrscheinlicher.


