Zinsentscheidung in Japan: Zwischen Wachstum und Tarifen
Die Japanische Zentralbank, bekannt als Bank of Japan (BOJ), steht vor der Möglichkeit, im Oktober ihre Wirtschaftsaussichten und Inflationsprognosen nach oben zu korrigieren. Diese Anpassung könnte den Weg für eine baldige Zinserhöhung ebnen, wie der ehemalige BOJ-Direktor Seiji Adachi in einem Interview äußerte.
Derzeit schätzt der Markt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf etwa 50 Prozent bei der nächsten Sitzung der BOJ am 29. und 30. Oktober. Adachi betonte, dass der Einfluss der US-Zölle auf Japans Wirtschaft und Löhne sorgfältig betrachtet werden müsse, bevor Zinsanhebungen fortgesetzt werden. Sollte die BOJ auf die Risiken fokussieren, könnte eine Entscheidung zugunsten späterer Zinsschritte, möglicherweise im März, fallen.
Doch die stärker als erwartete wirtschaftliche Leistung im zweiten Quartal könnte die Prognosen der BOJ beflügeln und die Inflationsraten nahe des 2-Prozent-Ziels halten. Während die aktuellen japanischen Export- und Unternehmensgewinne einige Schwächen aufweisen, signalisierten frühere Abstimmungen innerhalb der BOJ-Direktion ein geteiltes Bild über die Notwendigkeit einer sofortigen Zinserhöhung. Zwei Vorstandsmitglieder plädierten letzte Woche bereits für einen Anstieg auf 0,75 Prozent, was die Erwartungen der Marktteilnehmer auf zukünftige Zinsschritte beflügelte.
Ein weiterer entscheidender Faktor könnte die vierteljährliche 'Tankan'-Umfrage der BOJ am 1. Oktober sein, welche das Fünf-Jahres-Inflationserwartungen der Unternehmen beinhaltet. Steigen diese von derzeit 2,3 Prozent auf 2,5 Prozent, könnte dies den Druck auf die BOJ erhöhen, das Inflationsziel von 2 Prozent nachhaltig zu erreichen und die Zinsen anzuheben.

