Zeichen der Zuversicht: ZEW-Indikator erreicht Höchststand seit Februar 2022
Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben im Juli eine bemerkenswerte Wendung genommen. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) meldete eine Aufhellung des Stimmungsbarometers um 5,2 Punkte auf nunmehr 52,7, ein Höchststand, der zuletzt im Februar 2022 erreicht wurde. Analysten hatten lediglich mit einem moderateren Anstieg auf 50,4 Punkte gerechnet, was die Überraschung umso größer macht.
Diesen Optimismus erleben wir nun schon zum dritten Mal in Folge. Zuletzt war der Indikator aufgrund der reparationswilligen Zollpolitik der US-Regierung im April auf minus 14 Punkte gefallen und hatte dabei für beträchtlichen Unmut gesorgt. Positive Impulse kommen vor allem durch die Hoffnungen auf eine Einigung im US-EU-Zollstreit und das Investitionssofortprogramm der Bundesregierung, wie ZEW-Präsident Achim Wambach konstatierte.
Dennoch bleibt Vorsicht geboten. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, mahnt zur Zurückhaltung. Die deutsche Industrie sieht sich weiterhin durch die Zollpolitik des US-Präsidenten herausgefordert, und eine Verhandlungslösung mag zwar Entspannung bringen, doch entstandene Unsicherheiten könnten bleibenden Schaden angerichtet haben. Ebenso bereiten rückläufige Auftragseingänge der Industrie Sorge.
Die Bewertung der Konjunkturlage in Deutschland hat sich ebenfalls verbessert, bleibt aber mit einem Anstieg auf minus 59,5 Punkte auf niedrigem Niveau. Auch in der Eurozone zeigt sich ein verhaltenes Bild: Die Konjunkturerwartungen steigen leicht um 0,8 Punkte auf 36,1, während sich die Beurteilung der aktuellen Lage um 6,5 Punkte auf minus 24,2 Punkte verbessert.

