Zähes Ringen um Tarifabschluss: Deutsche Bahn und EVG in entscheidender Phase
Die Verhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um einen neuen Tarifvertrag für rund 192.000 Mitarbeiter gehen in die entscheidende Runde. Beide Parteien haben bis Sonntag Zeit, eine Einigung zu erzielen, andernfalls könnte der angestrebte Abschluss vor der Bundestagswahl ins Wanken geraten. Eine solche Verzögerung würde die Verhandlungsposition der EVG entscheidend schwächen, auch wenn Warnstreiks vorerst keine unmittelbare Bedrohung darstellen. Dennoch wäre es dann nur eine Frage der Zeit, bis es zu Arbeitskämpfen kommt.
Noch bis Ende März gilt der aktuelle Tarifvertrag, der eine sogenannte Friedenspflicht enthält. Ab dem 1. April könnte die EVG Warnstreiks initiieren, falls bis dahin keine Lösung gefunden wurde. Dennoch ist noch etwas Bedenkzeit gegeben, um die drohenden Einschränkungen für Fahrgäste abzuwenden. Ein Scheitern könnte auf komplexe Tariffragen hindeuten, welche die Verhandlungen erschweren. Die EVG hat klar signalisiert, dass die Beschäftigten bereit wären, für ihre Forderungen in den Arbeitskampf zu ziehen.
Die Gewerkschaft fordert eine Lohnerhöhung von 7,6 Prozent sowie ein zusätzliches Entgelt von 2,6 Prozent für Schichtarbeiter, welches teilweise in freie Tage umgewandelt werden kann. Zudem wird eine Jobgarantie bis Ende 2027 angestrebt. Die Deutsche Bahn hat ihr ursprüngliches Angebot bereits nachgebessert und sieht eine schrittweise Erhöhung der Löhne für Schichtarbeiter um 7,9 Prozent vor, während für die übrigen Angestellten eine Steigerung um 4 Prozent geplant ist. Die Vertragslaufzeit soll 37 Monate betragen.
Sollte es bis zur Bundestagswahl keine Einigung geben, erscheinen Warnstreiks im April wahrscheinlicher. Die Verhandlungsführerin der EVG, Cosima Ingenschay, machte deutlich, dass bei einem Scheitern der Gespräche Arbeitskämpfe wieder zur Option stehen würden. Die ursprünglich vorgezogenen Verhandlungen, motiviert durch die bevorstehende Wahl, würden an Relevanz verlieren.
Die EVG drängt auf rasche Fortschritte, um möglichen politischen Veränderungen entgegenzuwirken, insbesondere einer potenziellen Kanzlerschaft von Friedrich Merz, der eine Trennung von Netz und Betrieb bei der Bahn plant. Die Deutsche Bahn hingegen, in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage, strebt eine langfristige Vertragssicherheit an, um die Sanierungsbemühungen bis 2027 abzusichern.
Bisher verliefen die Gespräche konstruktiv. Die Deutsche Bahn ging auf die zentralen Forderungen der EVG ein, einschließlich eines zusätzlichen Entgelts für Schichtarbeiter. Auch für die schwer angeschlagene Tochter DB Cargo sollen die Ergebnisse gelten. Die zentralen Konfliktpunkte bleiben jedoch die Laufzeit des Vertrags, eine Bonuszahlung für EVG-Mitglieder sowie die geforderte Jobgarantie.

