Wolfsbarsche auf freier Flosse: Anglerparadies und ökologische Bedenken in Zypern
Ein einzigartiges Spektakel entfaltet sich derzeit an einem rund zehn Kilometer langen Küstenabschnitt im Süden Zyperns, das die Herzen von Anglern höher schlagen lässt: Aus einer beschädigten Fischfarm bei der Gemeinde Zygi entwichen unzählige Wolfsbarsche ins offene Meer, was Hobby- und Berufsfischer in Scharen an den Strand und auf die nahen Boote führt. Die lokale Tageszeitung "Politis" berichtet, dass ein Handelsschiff die Unterwasseranlagen der Zuchtfarm schwer beschädigte und so zur Flucht der Fische beitrug, die nun in großer Anzahl nahe der Küste schwimmen.
Der unerwartete Fangsegen hat einen regelrechten Ansturm auf lokale Angelshops ausgelöst. Experten schätzen, dass über zehn Tonnen der Barsche, von denen jeder im Durchschnitt etwa 600 Gramm wiegt, bereits an Land gebracht wurden. Während viele Angler das frische Meeresgetier auf ihren eigenen Tischen genießen, verkaufen einige die wertvollen Fänge auch unerlaubt zu niedrigen Preisen zwischen zwei und drei Euro pro Kilo, was wiederum die Gemüter der Berufsfischer aufheizt, die zu Recht um ihre Einkommensquelle fürchten.
Doch der Aufruhr hat auch ernste wissenschaftliche Dimensionen: Die Fischzuchtfarm meldet Verluste von etwa 500.000 Euro, im Bereich der Umwelt bleibt die Lage diffizil. Ökologen stehen vor der Herausforderung, die Auswirkungen dieser unfreiwilligen Massenfreisetzung auf das Mittelmeer-Ökosystem zu bewerten. Obwohl der Wolfsbarsch an sich eine heimische Art darstellt, könnte der abrupte Anstieg ihrer Population die lokale Nahrungskette erheblich beeinflussen und das natürliche Gleichgewicht stören. Umso mehr klingt es fast tröstlich, dass das rege Interesse der Angler den Bestand zumindest teilweise wieder reduziert.

