Wirecard-Aktie dreht ins Minus: Wirecard wächst kräftig und bestätigt Prognose 2020

Die Prognose für das laufende Jahr bestätigte der DAX-Konzern. Wirecard steigerte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im Schlussquartal nach vorläufigen Zahlen um 41 Prozent auf 232 Millionen Euro. Analysten hatten im Factset-Konsens mit 240 Millionen Euro gerechnet. Bereinigt um Aufwendungen für Prüfungs-, Beratungs- und Rechtsberatungsleistungen hätte Wirecard operativ 241 Millionen Euro verdient. Der Umsatz legte um 46 Prozent auf 835 Milliarden Euro zu.

Im Gesamtjahr stieg der Umsatz 38 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro, das EBITDA kletterte um 40 Prozent auf 785 Millionen Euro. Bereinigt um die oben genannten Aufwendungen wäre ein Ergebnis von 794 Millionen Euro erzielt worden.

"Zielgerichtete Investitionen mit stetem Blick auf ein aktives Kostenmanagement haben auch in 2019 zu einem herausragenden EBITDA geführt", sagte Finanzvorstand Alexander von Knoop laut Mitteilung. "Zudem erwarten wir einen starken Cash Flow."

Im laufenden Jahr rechnet Wirecard weiterhin mit einem Anstieg des EBITDA auf 1,00 bis 1,12 Milliarden Euro. Der Analystenkonsens stand zuletzt bei 1,07 Milliarden Euro.

Die Wirecard AG hat mit anhaltenden Vorwürfen unsauberer Bilanzierung zu kämpfen, welche auch den Aktienkurs belasten. Um die Anschuldigungen zu entkräften, hat der Konzern im Oktober ein unabhängiges Gutachten bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KMPG in Auftrag gegeben, das bis Ende März veröffentlicht werden soll, rechtzeitig vor der Bilanzpressekonferenz am 8. April. Dann wird es auch detaillierte Zahlen für 2019 geben.

Wirecard verlieren nach Zahlen - Nichts Neues zu Sonderprüfung

Ohne Neuigkeiten zur momentan laufenden Sonderprüfung der Bücher haben die Anleger das starke Wachstum von Wirecard am Freitag nicht honoriert. Die Papiere des Zahlungsabwicklers kletterten mit 145,60 Euro im frühen Handel auf ein Hoch seit Herbst des Vorjahres. Anschließend drehten sie aber ins Minus und verloren bis Handelsschluss via XETRA 3,47 Prozent auf 138,90 Euro.

Die Sonderprüfung durch die Experten von KPMG, um Vorwürfe rund um Bilanzierungsunregelmäßigkeiten auszuräumen, stehe im Moment klar im Fokus, sagte ein Börsianer. Dazu habe es nichts Neues gegeben. Damit sei zwar zu rechnen gewesen, aber so bleibe bis zum Abschluss der Prüfung weiter Unsicherheit. Der Konzern hat in Aussicht gestellt, dass es zum Ende des ersten Quartals so weit sein könnte.

Auch an den Zahlen fanden Börsianer und Experten jedoch ein Haar in der Suppe: Die Profitabilität. So konstatierte Sandeep Deshpande von der Investmentbank JPMorgan den Bayern zwar starke Umsätze, zeigte sich aber von der trotz dynamischen Wachstums lediglich stabilen Marge im vierten Quartal enttäuscht. Der fehlende Hebeleffekt werfe für die Anleger eine wichtige Frage auf, so Deshpande. Auch Mohammed Moawalla von Goldman Sachs erwartet sich noch Aufklärung bezüglich der Margenentwicklung.

Moawalla hob nochmals die Maßnahmen zur Stärkung der Transparenz des Unternehmens, das in ständiger Kritik insbesondere der Wirtschaftszeitung "Financial Times" ("FT") steht, positiv hervor. Chefaufseher Thomas Eichelmann hatte jüngst in einem Interview eine Aufstockung der Führungsgremien in Aussicht gestellt.

Baader Bank belässt Wirecard auf 'Buy'

Die Baader Bank hat die Einstufung für Wirecard nach Zahlen auf "Buy" mit einem Kursziel von 240 Euro belassen. Das Schlussquartal des Zahlungsabwicklers sei beeindruckend stark gewesen, schrieb Analyst Knut Woller in einer ersten Reaktion am Freitag. Weiterhin seien wegen der Vorwürfe von Bilanzunregelmäßigkeiten aber alle Augen auf die laufende Sonderprüfung der Bücher durch KPMG gerichtet.

FRANKFURT (Dow Jones / dpa-AFX)

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[finanzen.net] · 14.02.2020 · 17:45 Uhr
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