Weltklima am Scheideweg: UN mahnt zu entschlossenem Handeln
Die dramatische Realität der globalen Erderwärmung wird erneut von den Vereinten Nationen ins Licht gerückt. Die jüngsten Erkenntnisse prognostizieren, dass die aktuellen Klimapolitiken die durchschnittliche Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2,8 Grad gegenüber vorindustriellen Niveaus steigern könnten. Besorgniserregend ist, dass das internationale Ziel von 1,5 Grad bereits innerhalb des nächsten Jahrzehnts überschritten werden könnte, wie das UN-Umweltprogramm (UNEP) berichtet. Ursprünglich war die Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad als Schlüsselfaktor angesehen, um die gravierendsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern. Gegenüber den vorhergehenden Schätzungen von 3,1 Grad zeigt der aktuelle Bericht eine leicht positivere Prognose. So könnte eine strikte Umsetzung aller nationalen Klimaschutzpläne eine Erderwärmung von 2,3 bis 2,5 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts bedeuten. Methodische Anpassungen trugen jedoch teils zur Verbesserung um 0,1 Grad bei. Der formelle Austritt der USA aus dem Pariser Abkommen trübt die Aussichten nochmals um 0,1 Grad.
UN-Generalsekretär António Guterres betont, dass noch nicht genug erreicht sei und warnt unmissverständlich vor einem drohenden "Klimakollaps". Um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, müssten die globalen Emissionen in den nächsten zehn Jahren um 55 Prozent im Vergleich zu 2019 gesenkt werden. Selbst wenn alle geplanten Klimaschutzmaßnahmen eingehalten werden, ist lediglich eine Senkung um 15 Prozent erzielbar. Diese Zahl steht zusätzlich durch den Einfluss der USA auf wackligen Beinen. 2024 markierte bereits das heißeste Jahr, in dem die 1,5-Grad-Schwelle überschritten wurde – dies jedoch nur als Ausreißer, da noch kein mehrjähriger Durchschnittswert vorliegt. Ein vorübergehendes Überschreiten der Marke gilt als fast unvermeidbar, wobei die Herausforderung darin besteht, diese Phasen möglichst kurz und überschaubar zu gestalten. Der internationale Forscherverbund appelliert, dies im Rahmen des Möglichen zu halten, um langfristig zur 1,5-Grad-Marke zurückkehren zu können. Guterres unterstreicht die dramatischen Konsequenzen dieser Überschreitungen: Neben Menschenleben und vertriebenen Gemeinden droht auch ein Rückschritt in der globalen Entwicklung.
Dennoch bietet der Fortschritt seit dem Pariser Abkommen einen Hoffnungsschimmer. Damals lagen die Prognosen bei 3 bis 3,5 Grad, ein Wert, der inzwischen unterschritten wird. Innovative Technologien zur Senkung der Emissionen stehen bereit, so die Autoren des Berichts. Der Boom von Wind- und Solarenergie hat die Kosten gesenkt und könnte den Weg für eine beschleunigte Klimaschutzpolitik ebnen – vorausgesetzt, der politische Wille ist vorhanden. Besonders die G20-Staaten, verantwortlich für den Großteil der Emissionen, müssen ihrer Verantwortung gerecht werden. Doch ihre Emissionen sind 2024 stattdessen um 0,7 Prozent gestiegen. Die Konsequenzen der Erderwärmung sind bereits heute spürbar: Extreme Wetterereignisse nehmen zu und bedrohen Lebensräume sowie Ernten und verstärken Hungerkrisen. Küstenregionen stehen durch den steigenden Meeresspiegel unter Bedrohung. Je stärker die Erwärmung, desto riskanter werden die unausweichlichen Kipppunkte, die unwiderrufliche Folgen haben könnten.

