Weichenstellung für die Harzer Schmalspurbahnen: Eine Zukunft mit Herausforderungen
Die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) stehen vor einer bedeutsamen Transformation, die eine Grundsanierung und strategische Neuausrichtung erfordert. Aufsichtsratschef Thomas Balcerowski betonte bei der Präsentation einer neuen Unternehmensanalyse die Notwendigkeit einer umfassenden Erneuerung und forderte Unterstützung von den Bundesländern. Die Ergebnisse der von SCI Verkehr erstellten Studie werfen ein Licht auf erhebliche Investitions- und Instandhaltungsdefizite.
Die aktuelle Lage sei kritisch, so die Analyse, und der traditionelle Dampflokbetrieb erscheine in seiner jetzigen Form wenig zukunftsfähig. Die Verfügbarkeit und Modernisierung der Fahrzeuge sei unzureichend, weswegen die Anschaffung von Diesel-Hybrid-Triebwagen erwogen wird. Die infrastrukturellen und fahrzeugtechnischen Mängel könnten den Betrieb der HSB gefährden, sofern nicht zeitnah gehandelt wird.
Bis zum Jahr 2045 sind Investitionen in mehrfacher Millionenhöhe erforderlich, wobei die Schmalspurbahn langfristig auf einem soliden wirtschaftlichen Fundament stehen soll. Eine Insolvenz schließt Balcerowski jedoch kategorisch aus. Trotz der ernüchternden Analyseergebnisse versuche man optimistisch, die Krise zu bewältigen, erläutert Betriebsratsvorsitzender Michael Kröberg.
Die anstehenden Sanierungsschritte könnten sich über ein Jahrzehnt erstrecken, sagte HSB-Geschäftsführerin Katrin Müller. Insbesondere das Streckennetz zum Brocken, das den Großteil der Einnahmen generiert, müsse optimiert werden. Die zusätzlichen finanziellen Lasten blieben jedoch unvermeidlich.
Obwohl der Aufsichtsrat zukünftig auf eine Beschränkung der Streckenanzahl setzt, bleibt das bestehende Netz bestehen. Der strategische Fokus liegt jedoch auf der Brocken- und Harzquerbahn. Die finanzielle und organisatorische Lage macht es notwendig, über eine geringere Investition in weniger frequentierte Strecken, wie die Selketalbahn, nachzudenken.
Die HSB hofft auf eine fortgesetzte finanzielle Unterstützung seitens der Länder Thüringen und Sachsen-Anhalt. Bisher hatte vor allem Sachsen-Anhalt Defizite ausgeglichen. Man erwarte ein klares Bekenntnis der Länder zur Unterstützung dieser traditionsreichen Bahnlinie, deren Probleme teilweise bis in die 1990er Jahre zurückreichen. Ein fundiertes Konzept ist dringend erforderlich, um die Unterstützung der Länder nachhaltig zu sichern, so die Landesinfrastrukturministerin Lydia Hüskens.
Trotz der aktuellen Herausforderungen bleibt Balcerowski optimistisch. Er ist überzeugt, dass die HSB als wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region anerkannt wird und die nötige Unterstützung erhalten wird, um den Betrieb langfristig zu sichern.

