Verteidigung

Wegen Russland: EU plant Notfallsystem für Militärtransporte

19. November 2025, 13:10 Uhr · Quelle: dpa
Bundeswehr verlädt Panzer für den Transport nach Litauen
Foto: picture alliance / Armin Weigel/dpa
Der grenzüberschreitende Transport von schwerer Ausrüstung bereitet Militärplanern oft Sorgen - die EU-Kommission will Schwierigkeiten nun angehen. (Archivbild)
Die EU will ein Notfallsystem für Militärtransporte schaffen, um Bedrohungen durch Russland zu begegnen. Es zielt auf einen «militärischen Schengen-Raum» bis 2027 ab, mit schnelleren Verlegungen von Truppen und Ausrüstung.

Brüssel (dpa) - Angesichts der Bedrohungen durch Russland soll die EU ein Notfallsystem für eine schnelle grenzübergreifende Verlegung von Streitkräften und Militärausrüstung bekommen. Die Europäische Kommission präsentierte dazu in Brüssel jetzt einen konkreten Vorschlag. Er sieht vor, militärischen Transportoperationen in einer Krise EU-weit prioritären Zugang zu Verkehrsnetzen, Infrastruktur und damit verbundenen Dienstleistungen zu garantieren.

Darüber hinaus würden etwa Ausnahmen bei Lenk- und Ruhezeiten, nationalen Melderegeln oder Umwelt- und Lärmschutzvorschriften gewährt. Schienenfahrzeuge könnten auch außerhalb ihres normalerweise genehmigten Einsatzbereichs eingesetzt werden.

Ziel ist militärischer Schengen-Raum

«Die schnelle Beweglichkeit der europäischen Streitkräfte ist für die Verteidigung Europas unerlässlich. Einsatzbereitschaft hängt grundlegend davon ab, ob man Panzer und Truppen dorthin bringen kann, wo sie gebraucht werden – und zwar rechtzeitig», sagte die EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas in Brüssel zur Vorstellung des Plans in Brüssel. Verteidigungskommissar Andrius Kubilius erklärte, Ziel sei die Schaffung eines EU-weiten Raums für militärische Mobilität bis 2027 und sprach von einem «militärischen Schengen-Raum». Er spielte damit auf das Schengener Abkommen an, das Bürgerinnen und Bürgern das freie Reisen ohne Kontrollen an den Binnengrenzen ermöglicht.

Über den Kommissionsvorschlag werden jetzt der Rat der Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament beraten. Wenn das neue System beschlossen werden sollte, könnte es im Krisenfall innerhalb von 48 Stunden aktiviert werden. In den Arbeitstexten der Kommission wird es als European Military Mobility Enhanced Response System (Emers) bezeichnet.

Kommission sieht problematische Bürokratie in Deutschland

Es ergänzt zahlreiche weitere Vorschläge dafür, wie grenzüberschreitende Militärtransporte auch außerhalb des Notfallmechanismus erleichtert werden sollen. Dabei geht es neben dem Abbau von bürokratischen Hürden auch um den Ausbau von Verkehrsinfrastruktur. Derzeit sind etwa zahlreiche relevante Straßen- und Eisenbahnbrücken sowie viele Häfen und Flughäfen nicht für große und schwere Militärtransporte geeignet.

Als ein Beispiel für Verbesserungspotenzial in Deutschland nennt die Kommission, dass dort Militärkonvois für jedes einzelne Bundesland eine gesonderte Genehmigung brauchen. «Eine solche Fragmentierung wird besonders problematisch, wenn kurzfristig umfangreiche Truppenverlegungen notwendig sind», wird kritisiert.

Hintergrund der Planungen sind Geheimdiensterkenntnisse, nach denen Russland spätestens 2030 militärisch in der Lage sein dürfte, einen weiteren Krieg zu beginnen. «Russland hat derzeit keine Kapazität, einen Angriff auf die EU zu starten. Es könnte sich aber in den kommenden Jahren darauf vorbereiten», erklärte die EU-Außenbeauftragte Kallas im Oktober. Die Gefahr werde nicht verschwinden, selbst wenn der Krieg in der Ukraine ende.

Bisherige Anstrengungen gelten als unzureichend

An den Bemühungen der EU, die militärische Mobilität deutlich zu verbessern, hatte es zuletzt immer wieder Kritik gegeben. So monierte beispielsweise Anfang des Jahres der Europäische Rechnungshof, dass Milliardeninvestitionen in Projekte für eine schnellere Verlegung von Streitkräften innerhalb Europas nicht die gewünschte Wirkung zeigten. Demnach wurden geförderte Infrastrukturprojekte nicht mit Blick auf die Gesamtlage oder die dringendsten Prioritäten, sondern auf Einzelfallbasis ausgewählt.

Die EU-Kommission hatte im November 2022 als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine angekündigt, militärisch nutzbare Infrastrukturprojekte mit 1,7 Milliarden Euro zu fördern. Darunter fielen etwa der Ausbau von Straßen oder Bahnstrecken. Die dafür zur Verfügung stehenden Mittel waren Ende 2023 bereits aufgebraucht, obwohl sie bis 2027 vorgesehen waren. Der Rechnungshof bemängelt daher auch eine Finanzierungslücke.

Für den nächsten langfristigen EU-Haushalt hat die Kommission nun eine Verzehnfachung des Budgets für militärische Mobilität vorgeschlagen. Insgesamt sollen 17,65 Milliarden Euro für Investitionen in militärisch nutzbare Verkehrsinfrastruktur bereitgestellt werden.

EU / Militär / Verteidigung / Verkehr / Transport / Europa
19.11.2025 · 13:10 Uhr
[3 Kommentare]
Daniel Altmaier
Monte-Carlo (dpa) - Tennisprofi Daniel Altmaier hat sein Auftaktmatch beim Masters-1000-Turnier in Monte-Carlo verloren. Der Deutsche unterlag dem Tschechen Tomas Machac in einer umkämpften Partie mit 4: 6, 6: 1, 3: 6. Nach verlorenem ersten Satz zeigte sich Altmaier stark verbessert. Nach einem schnellen Break zum 3: 1 wehrte er in einem umkämpften […] (01)
vor 6 Stunden
Henning Höne (Archiv)
Düsseldorf - Der Kandidat für den FDP-Bundesvorsitz Henning Höne führt die desolate Lage seiner Partei darauf zurück, dass es seit der Bundestagswahl nicht gelungen sei, einen glaubwürdigen Neustart hinzulegen. "Es fehlte an Distanz zur Ampel-Zeit, für einen Neustart braucht es einen Bruch", sagte der nordrhein-westfälische FDP-Landeschef dem "Stern". […] (01)
vor 28 Minuten
Quantenphysik schlägt künstliche Intelligenz — mit nur neun Atomen
Wer mehr Rechenleistung braucht, baut größere Systeme — so lautet die Grundannahme, auf der ein großer Teil der modernen Computerentwicklung beruht. Mehr Schichten, mehr Verbindungen, mehr Energie. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im renommierten Fachjournal Physical Review Letters, stellt diese Logik grundsätzlich infrage. Ein Forschungsteam hat […] (00)
vor 7 Stunden
iPhone ausschalten
Berlin (dpa/tmn) - Trotz jahrelanger Nutzung dürfte es den meisten iPhone-Besitzern wohl nur äußerst selten passiert sein. Aber wenn sich das iPhone doch mal aufhängt und so gar nicht mehr reagiert, dann wissen viele User gar nicht weiter. Dabei ist die Lösung zum Glück oft recht einfach. Ein erzwungener Neustart. Und der geht so: Die Seitentaste […] (00)
vor 24 Minuten
Ich habe mal ausgerechnet, wie viele Stunden ich allein in Charakter-Editoren verbracht habe. Über alle Spiele hinweg, seit ich 2003 meinen ersten Helden in Neverwinter Nights zusammengeklickt habe. Das Ergebnis: mindestens 200 Stunden. Zweihundert Stunden, in denen ich Nasenlängen justiert, Augenbrauen verschoben und Haarfarben verglichen habe, ohne […] (00)
vor 2 Stunden
Prime Video zeigt Doku «Jerry West: The Logo» im April
Der Streamingdienst widmet der Basketball-Legende eine persönliche und schonungslose Dokumentation. Prime Video hat den Trailer zur Dokumentation Jerry West: The Logo veröffentlicht. Der abendfüllende Film feiert am 16. April seine Premiere und wird weltweit in mehr als 240 Ländern und Territorien verfügbar sein. Regie führt Kenya Barris, der mit «Jerry West: The Logo» sein Dokumentarfilmdebüt […] (00)
vor 12 Stunden
bitcoin, money, finance, cryptocurrency, coin, currency, blockchain, bank, banking, business
Der Kryptoanalyst und Taproot-Entwickler Udi Wertheimer hat darauf hingewiesen, dass das Lightning-Netzwerk in einer post-quantencomputergestützten Welt grundlegend verwundbar ist. Er behauptet, dass das Design des Netzwerks die Gelder der Nutzer auf eine Weise gefährdet, die unter den aktuellen Annahmen nicht abgemildert werden kann. Wertheimer […] (00)
vor 1 Stunde
Veranstaltungstipp – Familienrundgang mit Bewegungsimpulsen und freier Eintritt
Mainz, 06.04.2026 (lifePR) - Wir laden Familien herzlich zu einer gemeinsamen Entdeckungstour durch die Kunsthalle ein. Hier gibt es immer etwas anderes zu erleben. Gemeinsames Rätseln, Forschen oder Zeichnen vor den Kunstwerken – mach einfach mit! Der Familienrundgang mit Bewegungsimpulsen findet am Sonntag, den 19/04 um 14 Uhr statt und ist Teil des Programms  Freistunden. Im Rahmen der  […] (00)
vor 6 Stunden
 
Harry Kane
München (dpa) - Auf dieses Signal hatte der FC Bayern vor dem Abflug nach Madrid gehofft. […] (04)
Eintracht Frankfurt - 1. FC Köln
Frankfurt/Main (dpa) - Der 1. FC Köln hat beim Bundesliga-Debüt seines neuen […] (06)
SC Freiburg - Bayern München
Freiburg (dpa) - Harry Kane jubelte beim Münchner Drama-Sieg aus der Ferne mit. «Wow, […] (05)
Behandlungszimmer beim Arzt (Archiv)
Berlin - Die SPD hat Warnungen des Chefs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung […] (00)
Eine neue Ära des Fan-Erlebnisses In einer bahnbrechenden Initiative nutzt IBM […] (00)
Einführung in moderne IT-Karrierewege In der heutigen wettbewerbsintensiven […] (00)
Dynamo Dresden - Hertha BSC
Frankfurt/Main (dpa) - Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und DFB-Präsident Bernd […] (06)
«plan b»: Neue Ideen gegen die Wohnungsnot
Die ZDF-Doku zeigt, wie kreative Konzepte den angespannten Wohnungsmarkt entlasten sollen. Am […] (00)
 
 
Suchbegriff