Was ist eigentlich Frottier?
Frottee oder Frottier? Ist es das Gleiche? Sind das die Gewebe mit den flauschigen Schlingen? Ja! Es geht um das Schlingengewebe. Frottee und Frottier bezeichnen trotzdem unterschiedliche Materialien. Was ist Frottier? Und warum ist es luxuriöser, als man zunächst denkt?
Frottier begeistert Königinnen
Das bekannteste Produkt aus Frottier ist das Handtuch. Es macht sogar den Eindruck, als ob der Name Frottier direkt mit den Aufgaben eines Handtuchs zusammenhängt. Denn das französische Wort „frotter“ bedeutet „abreiben“. Ursprünglich waren Frottierstoffe echte Raritäten und wurden nur vom Adel verwendet. In dem französischen Klang liegt noch etwas von der einstigen Besonderheit. Das gilt sogar bis heute. Die meisten Menschen sagen, dass sie ihre Haut mit einem Handtuch abreiben oder abtrocknen. Wer ein hohes Niveau zeigen möchte, spricht davon, sich die Haut zu frottieren. Dadurch klingt der alltägliche Vorgang wie eine Handlung, die nur höchsten gesellschaftlichen Kreisen vorbehalten ist. Bedenkt man die Geschichte des Frottiers, ist das nicht weit hergeholt. Das erste industriell gefertigte Handtuch aus Baumwoll-Frottier stammt aus dem Jahr 1850. Hergestellt hat es die englische Traditionsfirma Christys. Das Unternehmen war von der außerordentlichen Qualität seines Produkts überzeugt. Deshalb schickte es ein Handtuch-Set als Werbegeschenk an die englische Königin Victoria. Die Königin war ebenfalls begeistert und bestellte noch viele weitere Frottier-Handtücher für den königlichen Haushalt. Als die heutige Queen Elisabeth II. von England im Jahr 1953 ihren Thron bestieg, bekam sie ein herrliches Krönungshandtuch aus Frottier – natürlich von Christys. Zwar ist das Frottier-Handtuch längst ein alltäglicher Gebrauchsartikel. Dennoch machen Handtücher aus Baumwoll-Frottier in luxuriöser, flauschiger und edler Qualität spürbar, warum dieses Material die Begeisterung von Königinnen wecken kann.
Frottier als Textilgewebe und als Textilgewirk
Was ist aber jetzt genau Frottier? Ein einfaches Gewebe besteht aus zwei Fadensystemen – die Kette und den Schuss. Man spannt eine Reihe Kettfäden auf und zieht den Schussfaden immer wieder quer hindurch. Frottierstoff besteht stattdessen aus drei Fadensystemen. Dieses Gewebe ist also komplizierter aufgebaut. Das Dreifadensystem erzeugt Spannungsunterschiede im Garn. Diese bewirken dann die Entstehung der kleinen Fadenschlingen, die auf beiden Seiten eines Frottier-Handtuchs zu sehen sind. Diese feinen Schlingen erzeugen ein flauschiges und weiches Gefühl auf der Haut. Sind die Schlingen sehr groß und voluminös, werden die Handtücher schwerer, erhalten auch mehr Saugfähigkeit und wärmen gut. Man nennt dieses Material Walkfrottier. Es ist aber auch möglich, die Schlingen eher klein zu halten, das Garn fest zu verzwirnen und eine robuste Qualität zu erzeugen. Hier fühlt sich das Handtuch fest an und kann sogar eine gewisse Massagewirkung erzeugen. Dieses Material heißt Zwirnfrottier. Schneidet man die Schlingen auf, entsteht eine samtige Oberfläche. Dann spricht man von Veloursfrottier. Diese drei Frottier-Varianten werden alle gewebt.
Anders ist es beim Wirkfrottier. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Wirkware, die auch immer wichtiger für technische Erfindungen wird. Viele Fäden werden dabei mit Gewirknadeln zu einem maschenartigen Gewebe verarbeitet. Das dadurch entstehende Wirkfrottier ist beispielsweise sehr gut für Bademäntel geeignet. Bleibt am Ende die Frage, was Frottee ist. Frottee wird aus einem Zweifadensystem gewebt. Es hat eine Rückseite, die wie ein übliches, flaches Gewebe aussieht. Auf der Vorderseite erscheint es wie Frottier. Das ist nur ein optischer Eindruck. Es handelt sich um kein Schlingengewebe. Ein Effektgarn erzeugt den Eindruck. Deshalb ist Frottier letztendlich deutlich hochwertiger als Frottee.


