Warum Trumps Zölle Jobs kosten und Preise treiben
Trumps Versprechen: Wohlstand durch Zölle
Auf Wahlkampfveranstaltungen stellt Trump seine Handelspolitik als Schlüssel zum wirtschaftlichen Aufschwung dar. Strafzölle seien notwendig gewesen, um Investitionen ins Land zu holen und Milliarden – ja Billionen – an Staatseinnahmen zu generieren. Der Präsident sieht sich als Retter einer angeblich ausgeplünderten Volkswirtschaft und erklärt das Handelsbilanzdefizit zum zentralen Feind.
Die Realität fällt deutlich weniger triumphal aus.
Handelskrieg ohne Zielerreichung
Das erklärte Kernziel Trumps – der Abbau des gigantischen US-Handelsdefizits – wurde bislang klar verfehlt. Im Gegenteil: Bis September 2025 summierte sich das Defizit bereits auf über 765 Milliarden US-Dollar, deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum. Schon 2024 hatten die USA trotz bestehender Zölle ein Rekorddefizit von über 900 Milliarden Dollar verzeichnet.
Ökonomen sprechen daher von einer Fehlkalkulation. Strafzölle verändern zwar Handelsströme, lösen aber keine strukturellen Ungleichgewichte.
Umlenkung statt Lösung
Tatsächlich ist der bilaterale Handel zwischen den USA und China spürbar zurückgegangen. Hohe US-Zölle ließen chinesische Exporte in die Vereinigten Staaten einbrechen. Doch Peking fand rasch neue Absatzmärkte – vor allem in Europa. Der chinesische Handelsüberschuss erreichte 2025 erstmals die Billionenmarke.
Für die USA bedeutet das: kein geringeres Defizit, keine geschwächte chinesische Exportmacht – dafür höhere Kosten und zunehmende Unsicherheit in den globalen Lieferketten.
Unternehmen verlieren Planungssicherheit
Die größte Belastung für die Wirtschaft ist weniger die Höhe einzelner Zölle als ihre Unberechenbarkeit. Strafabgaben werden angekündigt, verschärft, ausgesetzt oder neu verhandelt – oft kurzfristig und ohne klare Systematik.
Unternehmen reagieren mit Zurückhaltung. Investitionen werden verschoben, Kostenprogramme aufgesetzt, Personal abgebaut. Statt neue Werke zu bauen, versuchen viele Firmen, gestiegene Importkosten intern zu kompensieren. Das schwächt Produktivität und Beschäftigungsaussichten.
Konsumenten spüren die Folgen
Was Unternehmen nicht abfedern können, landet beim Verbraucher. Importierte Waren werden teurer, teilweise drastisch. Einzelne Produkte verteuern sich durch Zölle um mehrere Hundert Dollar.
Ökonomen der Yale University rechnen je nach Konsumverhalten mit jährlichen Einkommensverlusten von rund 1.200 Dollar pro US-Haushalt. Die Zollpolitik wirkt damit wie eine versteckte Konsumsteuer – mit besonders starken Effekten für einkommensschwächere Haushalte.
Branchen unter Druck
Besonders betroffen sind klassische Industriezweige: Chemie, Metallverarbeitung, Möbel, Textilindustrie. Umfragen zeigen rückläufige Auftragseingänge und steigende Kosten. Auch die Landwirtschaft leidet unter Gegenzöllen, höheren Betriebsmittelkosten und eingeschränkten Exportmöglichkeiten.
Selbst das Silicon Valley zeigt sich gespalten. Zwar profitieren Tech-Konzerne von Deregulierung, doch Handelskonflikte und internationale Spannungen gefährden globale Geschäftsmodelle und Auslandserlöse.
Warnsignale aus der Konjunktur
Makrodaten bestätigen den Trend. Die Industrie befindet sich seit Monaten in der Schrumpfungszone, der Arbeitsmarkt verliert an Spannung, Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe steigen deutlich. Gleichzeitig bleibt die Inflation über dem Ziel der US-Notenbank – angetrieben auch durch höhere Importpreise.
Fed-Chef Jerome Powell spricht von einer „sehr herausfordernden Lage“. Zinssenkungen sollen stabilisieren, doch die Inflationsrisiken bleiben hoch.
Ein teurer Erfolg
Zwar spülten die Zölle 2025 rund 236 Milliarden Dollar in die Staatskasse. Doch bezahlt wird dieser Betrag überwiegend von US-Unternehmen und Konsumenten selbst. Internationale Ratingagenturen reagieren bereits: Die Kreditwürdigkeit der USA wurde herabgestuft – auch wegen der erratischen Handelspolitik.
Schaden statt Stärke
Trumps Protektionismus hat weder das Handelsdefizit reduziert noch die industrielle Basis nachhaltig gestärkt. Stattdessen wachsen Unsicherheit, Kosten und wirtschaftliche Risiken. Die USA bleiben innovativ und leistungsfähig – aber nicht wegen, sondern trotz der „America first“-Politik.
Das versprochene „goldene Zeitalter“ bleibt bislang eine politische Erzählung. Die ökonomische Realität spricht eine deutlich nüchternere Sprache.


