Steigende Altersarmut: Ein strukturelles Problem?
Die prognostizierte Zunahme der Altersarmut in Deutschland sorgt weiterhin für hitzige Debatten in der politischen Arena. Der Bundestagsabgeordnete der Linken, Dietmar Bartsch, hat die Dramatik der Lage durch eine Anfrage an die Bundesregierung illustriert. Die zentrale Frage: Welcher Bruttostundenlohn ist notwendig, um nach vier Jahrzehnten und fünf Jahren in Vollzeit eine Rente oberhalb der Armutsrisikogrenze von 1.381 Euro zu sichern?
Eine aktuelle Antwort aus dem Bundesarbeitsministerium, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und von der Funke Mediengruppe zuerst aufgegriffen wurde, liefert einen kritischen Einblick. Demnach müssten laut Modellannahmen 19,99 Euro pro Stunde gezahlt werden, um die kritische Schwelle zu überwinden.
Diese Zahl wirft ein Schlaglicht auf die Realität, dass im April 2025 etwa 18,9 Millionen Beschäftigte in Deutschland weniger als 20 Euro brutto pro Stunde verdienten. Dietmar Bartsch kritisiert dies als ein 'Systemversagen', das zahlreiche Menschen unweigerlich in die Altersarmut führe. Hier werde abermals deutlich, dass Deutschland mit einem strukturellen Defizit im Bereich Renten und Löhne konfrontiert sei.
Das Arbeitsministerium betonte jedoch die Komplexität des Themas, indem es darauf hinwies, dass die errechnete Armutsschwelle nicht ohne Weiteres auf individuelle Schicksale angewendet werden könne. Einkommen und Lebensrealitäten seien zu vielfältig, als dass Modellrechnungen eine sichere Vorhersage über Altersarmut erlaubten. Diese Debatte verdeutlicht die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung und möglicher Reformen, um sowohl kurzfristige als auch langfristige Lösungen für das Alterssicherungssystem zu finden.

