Wanfeng vor Übernahme des Flugtaxi-Pioniers Volocopter
Der chinesische Mischkonzern Wanfeng steht kurz davor, den finanziell angeschlagenen Flugtaxi-Hersteller Volocopter aus Bruchsal zu übernehmen. Die angestrebte Investition beläuft sich auf zehn Millionen Euro und soll über eine extra gegründete Tochtergesellschaft in Berlin abgewickelt werden. Diese Tochter ist dem österreichischen Unternehmen Diamond Aircraft zugeordnet, das vollständig im Besitz von Wanfeng ist. Zum aktuellen Zeitpunkt hat Volocopter zu den Übernahmeplänen keine Stellung genommen.
Volocopter, einst Pionier der urbanen Luftmobilität, befindet sich seit Ende des letzten Jahres im Insolvenzverfahren. Das verantwortliche Amtsgericht in Karlsruhe hat Tobias Wahl von Anchor Rechtsanwälte mit der Verwaltung des Verfahrens betraut. Erste Maßnahmen, darunter die Freistellung von rund 450 Mitarbeitenden, sind bereits umgesetzt worden, wobei 160 Mitarbeiter weiterhin beschäftigt bleiben sollen.
Das 2011 gegründete Unternehmen hatte große Pläne, die leider durch die fehlende Musterzulassung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit und finanzielle Engpässe ins Stocken gerieten. Trotz intensiver Bemühungen konnte bisher keine tragfähige Lösung zur Fortführung des Betriebs außerhalb des Insolvenzverfahrens gefunden werden.
Parallel dazu kämpft die Flugtaxi-Branche im Allgemeinen mit großen Herausforderungen. Ähnlich wie Volocopter musste kürzlich auch der bayerische Elektroflugzeugbauer Lilium Insolvenz anmelden. Staatliche Hilfe blieb für beide Unternehmen trotz wiederholter Suchanfragen aus, was die nachhaltige Entwicklung des gesamten Industriesektors infrage stellt.
Die Zukunft der urbanen Luftmobilität bleibt trotz der Schwierigkeiten vielversprechend, insbesondere für Spezialeinsätze. Volocopter hat bereits die Erlaubnis, Piloten auszubilden, und plant seine innovativen Flugtaxis verstärkt für Rettungseinsätze zu nutzen. Eine Analyse des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung weist jedoch darauf hin, dass die Fluggeräte nur begrenzt Zeitersparnisse bringen und die Kosten im Vergleich zu Elektroautos höher liegen.

