Vorsichtiger Aufschwung in Sicht: Deutsche Wirtschaft am Wendepunkt?
Die deutsche Wirtschaft steht an der Schwelle zu einem neuen Jahr, das zumindest in einigen Bereichen von vorsichtiger Zuversicht geprägt ist. Nachdem das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) 46 Branchenverbände befragt hat, erwarten 19 von ihnen eine erhöhte Produktion im Jahr 2026 im Vergleich zu 2025. Im Gegensatz dazu rechnen lediglich neun Verbände mit einem Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten. Jedoch warnt das IW vor allzu großen Hoffnungen: Der leichte Anstieg der Produktionsprognosen deutet nicht unbedingt auf eine starke wirtschaftliche Dynamik hin. Dies wird durch die zurückhaltenden Investitionserwartungen unterstrichen – elf Verbände erwarten höhere Investitionen, während 14 von sinkenden Investitionssummen ausgehen. Eine beträchtliche Anzahl an Herausforderungen bleibt bestehen.
IW-Direktor Michael Hüther fasst die Stimmung zusammen: "Ein baldiges Ende der Wirtschaftskrise ist nicht in Sicht." Die Rahmenbedingungen, wie unsichere Märkte und hohe Standortkosten, bleiben beständig. Während 18 Verbände die aktuelle Lage schlechter als im Vorjahr bewerten, ist dies dennoch ein geringerer Pessimismus als im Vorjahr. Zuversicht schöpfen insbesondere Dienstleister, darunter Banken und Versicherer, sowie die Bauwirtschaft und die Immobilienbranche. Dagegen bleibt die Stimmung in der Industrie zurückhaltend, mit Ausnahme eines optimistischen Luft- und Raumfahrzeugbaus.
Die Standortkosten in Deutschland drücken auf die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Herausforderungen wie Handelsbarrieren und Zölle verstärken die Unsicherheiten und zwingen viele zur Umstrukturierung. Der Arbeitsmarkt gibt wenig Anlass zur Hoffnung: 22 Verbände planen Stellenabbau, nur neun erwarten eine Erhöhung der Mitarbeiterzahl. Im industriellen Sektor sehen lediglich Pharmaindustrie, Luft- und Raumfahrzeugbau und Schiffbau Möglichkeiten für Neueinstellungen.
Prognosen für 2026 zeigen ein moderates Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zwischen 0,8 Prozent und 1,3 Prozent. Dieses Wachstum wird durch staatliche Investitionen und zusätzliche Arbeitstage durch Feiertagsanordnung begünstigt. Die deutsche Wirtschaft stabilisiert sich, aber um das Wachstum zu erhöhen, bedarf es entschlossener politischer Maßnahmen, mahnt Hüther.

