Vodafone beendet Durststrecke und 1&1 treibt Wettbewerb voran
Nach einer Serie von sechs aufeinanderfolgenden Quartalen mit Umsatzrückgängen hat Vodafone in Deutschland einen Umschwung verzeichnet und weist erstmals wieder positive Zahlen auf. Der Service-Umsatz im Sommerquartal stieg um 0,5 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro, wie es aus der Düsseldorfer Zentrale des britischen Mutterkonzerns hieß. Diese leichte Umsatzsteigerung beschert dem Unternehmen nach deutlichen Einbußen in den Jahren 2024 und den ersten Monaten 2025 eine willkommene Atempause.
Der Wendepunkt für Vodafone kam nicht zuletzt durch Zahlungen seines Konkurrenten 1&1. Kunden von 1&1, die in Gebieten ohne eigene Antennen des Konzerns unterwegs sind, greifen auf das Vodafone-Netz zurück. Diese Nutzung stärkte Vodafones Einnahmen. Gleichzeitig feiert 1&1 seine eigene Errungenschaft: den fristgerechten Abschluss einer staatlichen Vorgabe.
1&1 betrat erstmals 2019 den Markt als eigenständiger Netzbetreiber und ersteigerte Frequenzen. Nach anfänglichen Verzögerungen im Netzaufbau, als zu Beginn 2023 lediglich fünf Antennenstandorte in Betrieb genommen waren statt der vorgeschriebenen 1.000, konnte 1&1 mittlerweile 1.500 Standorte aktivieren und hat 4.500 weitere in der Entwicklung. Dennoch bleibt das Netz im Vergleich zu O2 mit seinen 29.000 Funkstandorten bescheiden. Der Großteil der 1&1-Kunden wird über das Vodafone-Netz versorgt, einige wenige über O2.
Als virtueller Netzbetreiber nutzte 1&1 lange die Infrastrukturen seiner Wettbewerber. Mit dem Start des eigenen Netzes im Jahr 2023 begann ein Wettlauf gegen die Zeit, alle der 12,5 Millionen Kunden bis Ende 2025 auf das sogenannte Kernnetz umzustellen. Diese Herausforderung hat 1&1 nun erfolgreich bewältigt. Ralph Dommermuth, CEO von 1&1, zeigte sich optimistisch: "Mit dem vierten deutschen Mobilfunknetz gibt es mehr Wettbewerb und Wahlfreiheit," kommentierte er zufrieden.
Verbraucher profitierten in der Vergangenheit von den erschwinglichen Angeboten, die 1&1 in den Markt einbrachte. Laut Verena Blöcher von Verivox kamen sowohl preissensible Kunden als auch Intensivnutzer in den Genuss attraktiver Tarifoptionen. Ob das Preis-Leistungs-Verhältnis für Mobilfunkkunden in Deutschland künftig noch verbessert werden kann, bleibt jedoch fraglich. Der kostspielige Netzausbau könnte den Preisgestaltungsspielraum begrenzen, so Blöcher.

