Vietnam unter Druck: Neue US-Zölle setzen Exporten schwer zu
Die jüngst im August verhängten US-Zölle könnten Vietnams Exporte in die USA um bis zu ein Fünftel reduzieren, was das Land zum am stärksten betroffenen in Südostasien machen würde. Diese Einschätzung stammt vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP).
Im vergangenen Jahr war Vietnam der sechstgrößte Exporteur in die USA mit einem Warenwert von 136,5 Milliarden US-Dollar. Diese Exporte basieren hauptsächlich auf Fabriken, die von US-amerikanischen und multinationalen Unternehmen oder ihren Zulieferern betrieben werden.
Das Worst-Case-Szenario einer stark inflationären Tarifuhrung könnte einen Rückgang der vietnamesischen Exporte um 25 Milliarden Dollar bedeuten, so Philip Schellekens, Chefökonom des UNDP für den asiatisch-pazifischen Raum. Die Ministerien für Finanzen und Industrie Vietnams reagierten nicht sofort auf Anfragen nach Kommentaren.
Laut den ersten umfassenden vietnamesischen Daten, die seit Inkrafttreten der Zölle am 7. August veröffentlicht wurden, sind die Exporte in die USA um 2% gesunken. Besonders der Schuhsektor, in dem Vietnam der weltweit zweitgrößte Lieferant ist, verzeichnete einen Rückgang von 5,5%.
Die Weltbank hat die Wachstumsprognosen für Vietnam nach der Einführung der US-Zölle nach unten korrigiert. Unternehmen wie Nike, Adidas und Puma, die einen großen Teil ihrer globalen Schuhproduktion in Vietnam herstellen lassen, wollten sich nicht zu den aktuellen Entwicklungen äußern.
Vietnam ist laut einem UNDP-Bericht damit das am stärksten betroffene Land in Südostasien, das als wichtige industrielle Drehscheibe gilt. Während Thailands Exporte in die USA um 12,7% fallen könnten, trifft es Malaysia mit 10,4% und Indonesien mit 6,4%.
Der prognostizierte Rückgang der US-Exporte könnte Vietnams Bruttoinlandsprodukt um rund 5% verringern, auch wenn die volle Wirkung möglicherweise erst in einigen Jahren zu spüren ist. Abmildern könnten sich die Auswirkungen durch die Bereitschaft der Exporteure, einige Kosten selbst zu tragen, sowie durch Vietnams Diversifikation in andere Regionen und gestiegene Inlandsnachfrage.
Die UNDP-Berechnungen berücksichtigen ein mögliches Szenario, bei dem die Zölle vollständig auf die US-Verbraucher umgelegt werden, was bislang nicht der Fall war. Auch die Auswirkungen von möglichen 40% Zöllen auf durch Vietnam weitergeleitete Güter wurden ausgeklammert, was jedoch gravierend ausfallen könnte, insbesondere wenn strenge US-Regeln zu ausländischen Komponenten in exportierten Artikeln durchgesetzt würden.
Der UNDP-Bericht lässt die derzeitigen Zollbefreiungen für Konsumelektronik außen vor, die etwa 28% der vietnamesischen Exporte in die USA ausmachen. Selbst unter Beibehaltung dieser Ausnahmen könnten die Exporte in die USA dennoch um 18 Milliarden US-Dollar zurückgehen.

