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Versichern, verdienen, verschweigen – wie Finfluencer mit ETF-Policen Kasse machen

28. Juli 2025, 11:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Im Hype rund um ETF-Policen verbergen sich hohe Kosten und provi­sonierte Empfehlungen von Finfluencern. Eine kritische Analyse der Vor- und Nachteile dieser Finanzprodukte.

Wenn die Altersvorsorge zur Instagram-Story wird

Wer dieser Tage auf Social Media unterwegs ist und sich auch nur ansatzweise für Geldanlage interessiert, wird kaum an ihnen vorbeikommen: ETF-Policen.

In kurzen Reels oder vermeintlich neutralen Storys preisen Finanz-Influencer die Mischung aus ETF-Sparplan und Rentenversicherung als steueroptimierte Wunderwaffe für die Altersvorsorge.

Was kaum einer dazu sagt: Hinter vielen dieser Empfehlungen stecken Provisionen, fragwürdige Anbieter – und ein Geschäftsmodell, das längst in der Kritik steht.

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Versicherungsmantel mit Instagram-Filter

Das Prinzip klingt zunächst verlockend: Statt ETFs direkt ins eigene Depot zu kaufen, schließen Anleger eine Versicherung ab, die für sie in Indexfonds investiert.

Im Gegenzug winkt ein Steuervorteil: Wer mindestens zwölf Jahre einzahlt und sich das Geld erst ab dem 62. Lebensjahr auszahlen lässt, muss nur die Hälfte des Gewinns versteuern – und zwar mit dem persönlichen Steuersatz, nicht der pauschalen Abgeltungsteuer.

Doch der Teufel liegt im Detail. Entscheidend ist, wie teuer die Police ist – und wer daran verdient. Denn anders als beim Depotmodell sind ETF-Policen meist mit versteckten Kosten gespickt, die den steuerlichen Vorteil schnell auffressen. Und genau hier beginnt das Problem.

Brutto, netto – undurchsichtig

Ein großer Teil der ETF-Policen, die derzeit auf Social Media kursieren, basiert auf sogenannten Bruttopolicen. Sie klingen harmlos, sind aber alles andere als günstig: Für den Abschluss kassieren Vermittler eine Provision, die vom Kunden über Abschlusskosten bezahlt wird – indirekt und meist nicht transparent. Das Ergebnis: Ein erheblicher Teil der Einzahlungen fließt zunächst gar nicht in den Kapitalmarkt, sondern in die Kasse des Vermittlers.

Ein beliebter Anbieter ist etwa „Invest4kids“, ein aggressiv beworbenes Policen-Modell für Kinder. Kritik daran kam bereits von mehreren Seiten, unter anderem von der „WirtschaftsWoche“.

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Auch prominente Finanzkanäle wie „Finanzfluss“ sind in die Kritik geraten, weil sie ohne ausreichende Kennzeichnung für ETF-Policen warben – teils mit überzogenen Renditeversprechen und wenig Aufklärung über die Risiken.

Kritik aus der Verbraucherschutz-Ecke

„Was viele Influencer verschweigen: Sie verdienen an jeder vermittelten Police“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Das Geschäftsmodell ist oft kaum von Vertrieb zu unterscheiden.“ Laut Nauhauser werde in vielen Social-Media-Videos suggeriert, dass ETF-Policen generell besser seien als ETF-Sparpläne – obwohl die Realität oft anders aussieht.

Vor allem die Vergleichsrechnungen seien häufig manipulativ: unrealistische Annahmen bei der Rendite, schöngerechnete Steuerersparnisse und völlig überhöhte Kosten beim Vergleichsdepot. „Einige Anbieter rechnen sich ihre Produkte schön“, so Nauhauser.

Das Netz füttert sich selbst

Der Hype um ETF-Policen hat auch eine strukturelle Komponente: Viele Finfluencer sind keine unabhängigen Experten, sondern Teil von Vermittlernetzwerken.

Sie erhalten für jede vermittelte Police eine Provision – und manchmal sogar laufende Einnahmen, solange der Vertrag besteht. Der Anreiz, ein Produkt schönzureden, ist entsprechend groß.

Dass viele Finfluencer ihre Partnerschaften nicht transparent machen, verschärft das Problem. Die Grenze zwischen objektiver Information und versteckter Werbung verschwimmt – zulasten der Anleger.

Wer profitiert – und wer nicht

Kann sich eine ETF-Police dennoch lohnen? Ja – aber nicht für jeden. Honorarberater Ingo Schröder von Maiwerk Finanzpartner schätzt: „In etwa 70 Prozent der Fälle fährt man mit einem normalen ETF-Depot besser.“ Nur wer eine sehr lange Laufzeit plant, steuerlich optimal profitiert und sich eine lebenslange Rente wünscht, könne mit einer Nettopolice punkten.

Der Unterschied zur Bruttopolice: Keine Abschlussprovision, stattdessen einmalige Beratungskosten – meist zwischen 1 und 2 Prozent der Vertragssumme. Dafür gibt es keine versteckten Gebühren und keine Abhängigkeit vom Verkaufsdruck eines Vermittlers.

Die Tücke der Praxis

Doch auch Nettopolicen sind kein Allheilmittel. Denn sie setzen eines voraus: Disziplin und Stabilität – über Jahrzehnte.

Die Realität sieht oft anders aus. Viele Versicherte kündigen ihre Verträge vorzeitig, stellen sie beitragsfrei oder wechseln den Job – und verlieren damit die Steuerprivilegien. Dann greift nicht mehr das Halbeinkünfteverfahren, sondern die volle Abgeltungsteuer – während die Kosten längst bezahlt sind.

„Man braucht nicht nur eine gute Strategie, sondern auch einen langen Atem“, sagt Schröder. „Wer flexibel bleiben will, ist mit einem Depot meist besser beraten.“

Sicherheit? Nicht ganz.

Auch das Argument der Sicherheit bei ETF-Policen wackelt bei genauerem Hinsehen. Denn anders als ETFs im Depot sind Policen keine Sondervermögen, sondern Versicherungsverträge.

Im Pleitefall eines Anbieters kann das ein Problem werden. Zwar greifen Sicherungseinrichtungen, doch absolute Garantie gibt es nicht. Beim eigenen ETF-Depot hingegen sind die Fondsbestände insolvenzsicher.

Was bleibt? Ein Hype – mit Fragezeichen

ETF-Policen sind weder Teufelswerk noch Wundermittel. Sie können ein sinnvolles Werkzeug in der Altersvorsorge sein – aber nur dann, wenn sie kostengünstig, langfristig durchgehalten und steuerlich optimal gestaltet werden. Wer auf Social Media einfache Antworten sucht, wird meist enttäuscht. Und manchmal sogar getäuscht.

Die bessere Frage für Anleger ist daher nicht: „Wie viel Steuer kann ich sparen?“, sondern: „Was kostet mich das Produkt – und wem nützt es wirklich?“

Finanzen / Reichtum / ETF-Policen / Social Media / Altersvorsorge
[InvestmentWeek] · 28.07.2025 · 11:00 Uhr
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