Verschwörungstheorie oder genialer Konter? Bobby Kotick wittert schwedische Sabotage zugunsten der Embracer Group!
Es ist still geworden um Bobby Kotick, seit er den CEO-Sessel bei Activision Blizzard geräumt hat. Doch nun meldet sich der umstrittene Ex-Chef mit einem juristischen Paukenschlag zurück, der fast schon nach einem Spionageroman klingt. Wir erinnern uns: Während der monumentalen Übernahme durch Microsoft sah sich Kotick einer Klage des schwedischen Pensionsfonds Sjunde AP-Fonden gegenüber. Der Vorwurf damals wog schwer – Kotick habe den Deal überhastet durchgepeitscht, um den Konsequenzen der grassierenden Missbrauchsvorwürfe zu entfliehen und sich mit einem goldenen Fallschirm aus der Affäre zu ziehen.
Ein Hauch von Wirtschaftskrimi
In einer überraschenden Wendung dreht Kotick den Spieß nun um. Seine Anwälte haben eine Erwiderung eingereicht, die es in sich hat. Sie weisen nicht nur jegliches Fehlverhalten von sich, sondern unterstellen der Gegenseite ein abgekartetes Spiel. Die These: Die Klage sei niemals ein moralischer Kreuzzug gewesen, sondern ein gezieltes Manöver, um Activision „kollateralen Schaden“ zuzufügen. Der eigentliche Nutznießer dieser Schlammschlacht sollte angeblich niemand Geringeres als die Embracer Group sein. Koticks Team argumentiert, dass der juristische Druck Activision schwächen sollte, um Embracer auf dem umkämpften kalifornischen Markt einen Vorteil bei der Talentsuche und Expansion zu verschaffen.
Die ominöse Doppelrolle der Emma Ihre
Auf den ersten Blick wirkt diese Anschuldigung fast hanebüchen, doch Kotick zieht ein Ass aus dem Ärmel: Emma Ihre. Die Dame bekleidete zum Zeitpunkt der Klage nicht nur die Position der Vizevorsitzenden beim klagenden Fonds Sjunde AP-Fonden, sondern saß gleichzeitig in der Führungsetage der Embracer Group. Ein klassischer Interessenkonflikt? Für Koticks Anwälte ist der Fall klar. Sie behaupten, der Fonds habe als verlängerter Arm agiert, um Activisions eigene Entwicklungskapazitäten zu lähmen, während Embracer seine Verkäufe ankurbeln konnte.
Embracer reagiert mit kühler Arroganz
Die Antwort aus Schweden ließ nicht lange auf sich warten und trieft vor süffisante Ironie. Ein Sprecher der Embracer Group wies die Vorwürfe kategorisch zurück und teilte dabei ordentlich aus. Man fühle sich zwar „geschmeichelt“ durch Herrn Koticks Bemerkung, dass man als ernstzunehmender Konkurrent wahrgenommen werde. Aber – und hier sitzt der stich, der vermutlich schmerzen soll – man benötige absolut keine Schützenhilfe von einem Pensionsfonds, um gegen Activision zu bestehen. Es habe keinerlei Koordination oder Instruktionen gegeben.
Der bittere Nachgeschmack der Vergangenheit
Trotz dieses neuen Kapitels darf man den ursprünglichen Kontext nicht vergessen. Die Übernahme durch Microsoft wurde von weltweiten Regulierungsbehörden argwöhnisch beäugt, doch der Kern der Kritik an Kotick waren stets die systemischen Probleme innerhalb von Activision Blizzard. Berichte über sexuelle Belästigung, Diskriminierung und eine toxische Arbeitskultur führten zu Zahlungen von 18 Millionen Dollar an die EEOC und später 54 Millionen Dollar im Vergleich mit kalifornischen Behörden. Dass Kotick nun versucht, das Narrativ auf einen externen Wirtschaftskrieg zu lenken, wirkt für viele Beobachter wie der Versuch, die eigene Weste nachträglich reinzuwaschen.


