Verheerender Auftakt für Afghanistan-Offensive

14. Februar 2010, 17:11 Uhr · Quelle: dpa
Kabul (dpa) - Verheerender Auftakt der größten Militäroffensive in Afghanistan seit dem Sturz des Taliban-Regimes vor mehr als acht Jahren: Soldaten töteten am zweiten Tag der Operation «Muschtarak» («Gemeinsam») in der südafghanischen Provinz Helmand versehentlich mindestens zwölf Zivilisten.

Die Internationale Schutztruppe ISAF teilte mit, zwei Raketen hätten ihr Ziel am Sonntag um etwa 300 Meter verfehlt. ISAF-Kommandeur Stanley McChrystal habe sich beim afghanischen Präsidenten Hamid Karsai entschuldigt. «Es ist bedauerlich, dass im Laufe unserer gemeinsamen Anstrengungen Unschuldige ihr Leben verloren», sagte der US-General. Man werde alles unternehmen, dass solche Vorfälle nicht mehr vorkämen.

Der Präsidentenpalast hatte zuvor mitgeteilt, eine Rakete habe das Haus einer Familie im Distrikt Mardscha getroffen, wobei zehn Zivilisten getötet und mehrere verletzt worden seien. Die ISAF teilte dagegen mit, zu dem Vorfall sei es im benachbarten Distrikt Nad Ali gekommen. Karsai hatte die Soldaten zu Beginn der Operation am Samstag dazu aufgerufen, vorsichtig vorzugehen und keine Zivilisten zu gefährden. Auch die Vereinten Nationen hatten an die Konfliktparteien appelliert, Unbeteiligte zu schützen. Mit der bislang größten Offensive gegen die Taliban sollen die Aufständischen aus Mardscha und Nad Ali vertrieben werden.

Bei der Operation «Muschtarak» gehen seit Samstag 15 000 afghanische und ausländische Soldaten gegen die Taliban in Helmand vor. Es ist die größte Offensive seit dem Sturz des Taliban-Regimes. Nach offiziellen afghanischen Angaben wurden mindestens 27 Aufständische getötet. Die ISAF teilte am Sonntagabend mit, einer ihrer Soldaten sei bei einem Anschlag in Südafghanistan getötet worden. Er habe allerdings nicht an der Offensive teilgenommen. Die ISAF machte keine Angaben zur Nationalität des Toten.

Am ersten Tag der Großoffensive waren zwei ISAF-Soldaten gestorben. Ein britischer Soldat wurde getötet, als er bei einer Patrouille in eine Sprengfalle geriet. Ein US-Marineinfanterist starb in einem Feuergefecht. Die afghanische Armee, die den Großteil der Truppen stellt, meldete zunächst keine Verluste. Bei einem Anschlag in Südafghanistan starben am Samstag drei US-Soldaten, die nach Angaben der ISAF aber nicht an der Operation «Muschtarak» teilnahmen.

Bei der Offensive waren die Truppen zunächst auf wenig Gegenwehr der Aufständischen gestoßen. «Die Operation verläuft erfolgreich», sagte der Sprecher der Provinzregierung, Daoud Ahmadi, am Sonntag. Der britische Militärsprecher Gordon Messenger sagte in London, erste Hauptziele wie die Sicherung von Brücken und Straßen seien erreicht. Es habe nur «minimale Störungen» durch die Taliban gegeben. Die Aufständischen seien unfähig zu einer koordinierten Gegenwehr. Es sei nur zu «sporadischen Gefechten» gekommen.

Anders als früher war die am Samstag begonnene Offensive mit 15 000 afghanischen und ausländischen Soldaten im Voraus angekündigt worden, um Zivilisten zu warnen - damit konnten aber auch die Talibankämpfer in der Region untertauchen. Die Regierung in Kabul geht davon aus, dass sich mehrere hundert Taliban-Kämpfer im Kampfgebiet in den Distrikten Mardscha und Nad befinden.

Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi sagte, die Aufständischen hätten ihre Stellungen nicht aufgegeben. Den afghanischen und ausländischen Truppen sei es nicht gelungen, in die Distrikt- Hauptstadt Mardscha einzudringen. Brigadegeneral Lawrence Nicholson sprach laut «Washington Post» von «einigen ziemlich harten Kämpfen». Die ISAF teilte mit, Soldaten hätten in den Distrikten Mardscha und Nad Ali Versammlungen mit Stammesältesten abgehalten, sogenannte Schuras. In beiden Distrikten hätten Soldaten Material zum Bombenbau und Waffenverstecke aufgespürt.

Mit der Operation «Muschtarak» wollen die ausländischen und afghanischen Truppen in Afghanistan eine Wende erzwingen. Die größten Kontingente der ausländischen Truppen bei der Operation stellen Amerikaner und Briten. Außerdem nehmen Soldaten aus Kanada, Dänemark, Estland und Frankreich teil. Offiziell führen die Afghanen das Kommando. Anders als bei früheren Offensiven, wo die Truppen nach dem Ende der Kämpfe wieder abzogen, soll die Bevölkerung diesmal nach der Operation nicht wieder alleingelassen werden.

Nach Beginn der Offensive hatte Präsident Karsai die afghanischen Taliban-Kämpfer aufgerufen, die Gelegenheit zu nutzen, um der Gewalt abzuschwören und sich in die Gesellschaft einzugliedern. Die Vereinten Nationen teilten am Sonntag mit, die Zahl der Menschen, die vor der Offensive fliehen würden, steige an. Bislang seien bei den Behörden in Helmands Provinzhauptstadt Laschkarga nach Schätzungen 900 Flüchtlingsfamilien registriert. Die UN forderten, alle Maßnahmen zu ergreifen, um Zivilisten zu schützen. Zudem seien die Konfliktparteien dazu aufgerufen, die Neutralität der Hilfsorganisationen zu respektieren und Helfern den Zugang zu der betroffen Bevölkerung zu gewähren.

US-Präsident Barack Obama hatte eine Eskalation des seit Ende 2001 andauernden Krieges und die Entsendung von rund 30 000 zusätzlichen US-Truppen in diesem Jahr angekündigt. Andere NATO-Staaten wie Deutschland haben ebenfalls zugesagt, ihre Kontingente zu verstärken. ISAF-Kommandeur Stanley McChrystal wollte Obama am Sonntag über die Offensive unterrichten, hieß es bei CNN. Derzeit sind mehr als 100 000 ausländische Soldaten in Afghanistan stationiert.

Konflikte / Afghanistan
14.02.2010 · 17:11 Uhr
[7 Kommentare]
ruhige szenerie mit üppigen wäldern und schneebedeckten bergen im hintergrund, der perfekte rückzugsort in der natur.
Regen und wechselhafte Schauer am Montag Im Osten und Süden Deutschlands setzt am Montag zunächst Regen aus dichten Wolken ein, im Bergland fällt Schnee. Im restlichen Land prägt wechselhaftes Wetter den Tag mit Schauern aus Regen oder Graupel sowie Schneeschauern im Bergland, vereinzelt begleitet von kurzen Gewittern. Der Wind verstärkt sich dabei […] (00)
vor 6 Minuten
Sophie Turner
(BANG) - Sophie Turner hat sich bei den Dreharbeiten zur neuen 'Tomb Raider'-TV-Serie verletzt. Die Produktion des Reboots der Videospielreihe für den kleinen Bildschirm wurde "pausiert", nachdem sich die Hauptdarstellerin – die Lara Croft spielt – eine nicht näher bezeichnete Verletzung zugezogen hat und sich nun Zeit zur Erholung nimmt. In einer […] (00)
vor 2 Stunden
Nahostkonflikt - Israel
Tel Aviv/Ramallah (dpa) - Nach Gewalt israelischer Soldaten gegen Journalisten des US-Fernsehsenders CNN im besetzten Westjordanland hat die Armeeführung ein ganzes Reservebataillon vom Dienst suspendiert. Das Bataillon werde einem Prozess zur Stärkung seiner «fachlichen und ethischen Grundlagen» unterzogen, teilte das Militär in der Nacht mit.  […] (00)
vor 3 Stunden
Gerücht: Neues Xbox Game Pass Abo mit dem Codenamen TRITON aufgetaucht
Xbox Game Pass ist längst mehr als ein reines Spieleabo – es ist die strategische Achse, um die sich Microsofts gesamte Konsolenstrategie dreht. Doch während die Preise zuletzt kräftig angezogen haben, taucht nun ein Gerücht auf, das die Richtung womöglich wieder umkehrt. Im Quellcode schlummert offenbar ein neues Abo-Modell, das einen ganz anderen […] (00)
vor 58 Minuten
Vorzeichen? Wincent Weiss übernimmt Co-Moderation von «The Voice Kids»
Von außen ließe sich ein potenzieller Zusammenhang zum Ausstieg von Thore Schölermann bei der Hauptsendung in Überlegung ziehen - wird Weiss als möglicher Nachfolger neben Khalaj getestet? Zur Unterstützung der zwölf Finalistinnen und Finalisten im The Voice Kids -Finale kommt der zweimalige Sieger-Coach Wincent Weiss diesen Freitag, 3. April 2026, in die alles entscheidende Ausgabe der SAT.1- […] (00)
vor 2 Stunden
Edin Dzeko
Zenica/Rom (dpa) - Den Arroganz-Verdacht wies Italiens Federico Dimarco weit von sich. «Man hat mich arrogant genannt - aber wie könnte ich das sein? Mit welchem Recht, wo wir seit zwölf Jahren nicht bei einer WM dabei waren?», sagte der Nationalspieler von Inter Mailand. Ein Video, das ihn jubelnd beim Finaleinzug Bosnien-Herzegowinas zeigt, sorgte vor […] (00)
vor 1 Stunde
Irans Hormus-Erpressung: Teheran fordert Souveränität über die wichtigste Wasserstraße der Welt
Ein Ultimatum, das niemand erfüllen kann Donald Trump hat sein Ultimatum an den Iran bis zum 6. April verlängert. Die Märkte haben das nicht beruhigt. Brent-Öl stieg am Freitag wieder über 100 Dollar pro Barrel. Denn was der Iran als Antwort auf Trumps 15-Punkte-Forderungskatalog präsentiert hat, ist keine Verhandlungsbasis – es ist eine […] (00)
vor 28 Minuten
Pre-Employment Screening als Risikomanagement: Sichere Einstellung in der Schweiz
Zürich, 30.03.2026 (PresseBox) - Eine Fehlbesetzung in einer Schlüsselposition kann ein Unternehmen weit mehr kosten als das reine Jahresgehalt der Person – Reputationsschäden, Produktivitätsverluste und rechtliche Folgekosten eingerechnet. Ein strukturierter Background-Check-Prozess ist deshalb kein Misstrauensbekenntnis gegenüber Bewerbern, sondern […] (00)
vor 1 Stunde
 
Iran-Krieg - Teheran
Teheran (dpa) - Die USA und Israel setzen ihre massiven Angriffe im Iran in der […] (05)
Ukraine-Krieg - ukrainische Drohnen
Moskau (dpa) - Die südrussische Stadt Taganrog, wichtig für die Moskauer […] (04)
Weinstock (Archiv)
Wiesbaden - Im Jahr 2025 haben die Weinbaubetriebe in Deutschland 7,55 Millionen […] (00)
Neue Gasheizung (Archiv)
Potsdam - Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, […] (00)
Julian Nagelsmann
Stuttgart (dpa) - Julian Nagelsmann würde am liebsten einfach die Repeat-Taste […] (02)
kostenloses stock foto zu banknoten, bargeldlose gesellschaft, berlin
Die aktuelle Situation auf dem Hash-Preis-Markt setzt Bitcoin-Miner unter Druck. Laut […] (00)
Review: ECOVACS WINBOT W3 OMNI im Test
Fensterputzen gehört für viele Menschen zu den ungeliebtesten Aufgaben im Haushalt. […] (01)
Kommt Crimson Desert auf die Switch 2? Entwickler prüft überraschenden Port
Das Open-World-Abenteuer Crimson Desert gehört aktuell zu den meistdiskutierten […] (00)
 
 
Suchbegriff