USA halten Europa Bespitzelung von Amerikanern vor

30. Oktober 2013, 07:18 Uhr · Quelle: dpa

Washington (dpa) - US-Geheimdienstchef James Clapper hat Spähangriffe auf ausländische Spitzenpolitiker verteidigt.

«Die Absichten politischer Führungen, wie auch immer sie ausgedrückt werden, sind das Grundsätzliche, was wir sammeln und analysieren müssen», sagte der Koordinator der 16 amerikanischen Geheimdienste in einer Kongressanhörung am Dienstag in Washington. Zugleich zeigten er und der NSA-Chef Keith Alexander sich in der Befragung überzeugt, dass Europa seinerseits die USA und deren Politiker ausspioniere. Auch würden die Europäer massiv Daten eigener Bürger sammeln.

Im Streit über den US-Spähangriff auf das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll es am Mittwoch zu einem Treffen von hochrangigen Vertretern beider Regierung kommen. Die deutsche Delegation werde im Weißen Haus in Washington erwartet, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates von US-Präsident Barack Obama, Caitlin Hayden, der Nachrichtenagentur dpa.

Clapper bestätigte zwar nicht, dass die USA etwa Telefongespräche von Merkel oder anderen Staats- und Regierungschefs abgehört hätten. Es sei aber generell «absolut» hilfreich, an solche Kommunikation zu kommen. «Das ist eines der ersten Dinge, die ich 1963 in der Geheimdienstschule gelernt habe», sagte der Spionage-Veteran. «Es ist unersetzlich für uns zu wissen, was die Länder bewegt, was ihre Politik ist.» Zu den bevorzugten Abhörzielen gehörten auch militärische Führer.

Die millionenfache Sammlung von Telefondaten, die in Europa große Empörung ausgelöst hatte, ist laut Alexander von den nationalen Geheimdiensten selbst mitverantwortet worden. Medienberichte, die allein der NSA die Schuld gäben, seien «vollkommen falsch». Die in Frankreich, Spanien und Italien gesammelten Telefondaten wurden auch von ausländischen Partnern gesammelt und an die NSA weitergegeben.

Die französische Zeitung «Le Monde» hatte unter Berufung auf Dokumente des Informanten Edward Snowden berichtet, die NSA habe innerhalb von rund zwei Monaten zum vergangenen Jahreswechsel rund 70 Millionen Datensätze zu französischen Telefongesprächen gesammelt. In einem ähnlichen Bericht der Zeitung «El Mundo» war von 60 Millionen Datensätzen in Spanien die Rede. Die Enthüllungen hatten einen Sturm der Kritik in den Ländern ausgelöst.

Alexander sagte, dass Journalisten die von Snowden beschafften Papiere falsch interpretiert hätten. «Sie und die Person, die die geheimen Daten gestohlen hat, verstanden nicht, was sie da sahen.» Die von den europäischen Geheimdiensten an die Amerikaner übergebenen Daten seien Teil eines groß angelegten Austauschprogramms. «Sie repräsentierten Informationen, die wir und unsere Nato-Alliierten für die Verteidigung unserer Nationen und zur Unterstützung militärischer Operationen gesammelt hatten», sagte Alexander. «Dies sind keine Informationen, die wir über europäische Bürger gesammelt haben.»

Der NSA-Chef bestätigte damit indirekt einen Bericht des «Wall Street Journal», der kurz vor der Anhörung online erschienen war. Darin hieß es, dass die Millionen Telefon-Datensätze auch nicht in Frankreich und Spanien selbst, sondern im Ausland gesammelt wurden - unter anderem in Kriegsgebieten.

Der deutsche Auslandsnachrichtendienst wies nach einem Bericht der Wochenzeitung «Die Zeit» Spekulationen zurück, er würde in den USA Lauschangriffe unternehmen. «Aus der deutschen Botschaft in Washington wird keine Fernmeldeaufklärung durchgeführt», sagte Gerhard Schindler, der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) dem Blatt.

Die «Washington Post» zitierte in einem Artikel auf ihrer Website ungenannte US-Beamte, denen zufolge der deutsche Auslandsnachrichtendienst im Jahr 2008 die Kommunikation von mindestens 300 US-Bürgern oder in den USA lebenden Menschen ins Visier genommen habe.

Nach Informationen der «New York Times» ist Präsident Barack Obama bereit, auf die Bespitzelung verbündeter Staats- und Regierungschefs künftig zu verzichten. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf amerikanische Abgeordnete und Regierungsbeamte, dass Obama die Bespitzelung von Partnern künftig grundsätzlich untersagen will. Dies würde einen grundlegenden Wandel für die Arbeit des US-Geheimdienstes NSA bedeuten. Die Überwachung von Merkels Handy wurde nach anderen Berichten bereits in diesem Sommer gestoppt. Unklar ist weiterhin, wann Obama selbst von der Bespitzelung erfahren hat. Die CDU-Vorsitzende soll bereits seit 2002 vom US-Geheimdienst NSA abgehört worden sein. Die Aktion soll auch aus der US-Botschaft in Berlin betrieben worden sein. Wahrscheinlich seien auch Gespräche aufgezeichnet worden.

Der Geheimdienst-Ausschuss im US-Senat kündigte nun eine «umfassende Überprüfung» an. Die Ausschussvorsitzende Dianne Feinstein sagte: «Ich glaube nicht, dass die Vereinigten Staaten die Anrufe oder E-Mails von befreundeten Präsidenten und Premierministern sammeln sollten.»

Am 18. November wird sich der Bundestag erstmals mit den Vorwürfen beschäftigen. Möglicherweise wird es dazu auch einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss geben.

Der Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald widersprach der Behauptung des Weißen Hauses, die NSA-Aktivitäten dienten dem Anti-Terror-Kampf. «Nichts hiervon hat mit Terrorismus zu tun», sagte er im TV-Sender CNN. «Ist Angela Merkel ein Terrorist? Hier geht es eindeutig um politische Macht und Wirtschaftsspionage.»

Geheimdienste / Internet / USA
30.10.2013 · 07:18 Uhr
[0 Kommentare]
US-Flagge (Archiv)
Washington - Ein US-Kampfflugzeug des Typs F-15E wurde am Freitag über dem Iran abgeschossen. Das berichten mehrere US-Medien und iranische Medien übereinstimmend. Das Weiße Haus bestätigte, dass US-Präsident Trump über den Vorfall informiert wurde, kommentierte den Verbleib der Crew jedoch nicht. Berichten zufolge wurde eins der beiden Crewmitglieder […] (00)
vor 2 Stunden
Daniel Radcliffe
(BANG) - Daniel Radcliffe hat "tiefgreifendes Glück" gefunden, seit er Vater geworden ist. Der britische Schauspieler – der bereits im Alter von elf Jahren als titelgebender Zauberlehrling in der 'Harry Potter'-Filmreihe berühmt wurde – glaubt, dass sein jüngeres Ich ihn heute nicht wiedererkennen würde. Damals sei er "zutiefst unglücklich" gewesen, […] (00)
vor 12 Stunden
iPhone 18 Pro offenbar ohne schwarze Farbvariante
Einem aktuellen Gerücht zufolge wird Apple bei den kommenden iPhone 18 Pro Modellen auf ein schwarzes Gehäuse verzichten. Zum Vergleich: Die derzeitige iPhone 17 Pro Serie ist in den markanten Farben Silber, Cosmic Orange und Deep Blue erhältlich. iPhone im Business, Quelle: Unsplash Kein Schwarz für die iPhone 18 Pro Modelle Wie der bekannte […] (00)
vor 7 Stunden
Switch 2: Ehemaliger Nintendo-Mitarbeiter warnt vor kommendem Preisanstieg
Die Nintendo Switch 2 ist seit ihrem Launch eine der meistgekauften Konsolen des Jahres – doch wer noch mit dem Kauf gehadert hat, könnte bald in eine unangenehme Situation geraten. Ein ehemaliger Nintendo-Vertriebsmitarbeiter hat sich öffentlich zu den Preisentwicklungen des Unternehmens geäussert, und seine Einschätzung lässt aufhorchen. Was der Ex- […] (00)
vor 7 Stunden
Tubi kündigt zweite Staffel von «Big Mood» an
Der Streamingdienst setzt die Comedyserie mit Nicola Coughlan und Lydia West im April fort. Der werbefinanzierte Streaminganbieter Tubi hat den Trailer zur zweiten Staffel von Big Mood veröffentlicht. Die neuen Folgen feiern am 16. April Premiere und führen die Geschichte rund um die komplizierte Freundschaft von Maggie und Eddie weiter. Ein Jahr ist vergangen, seit sich die beiden besten […] (00)
vor 11 Stunden
Joachim Löw
Berlin (dpa) - Um Weltmeister-Trainer Joachim Löw gibt es ein überraschendes und wenig glaubhaftes Comeback-Gerücht - und der 66-Jährige räumt es auch schnell aus der Welt. Laut des Portals «ghanasoccernet» könnte Löw für die anstehende Fußball-WM die Nationalmannschaft Ghanas als Trainer übernehmen. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. «Mit mir hat […] (02)
vor 8 Stunden
coin, currency, ethereum, ether, bitcoin, crypto currency, block chain, finance, dice, digital
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat darauf hingewiesen, dass die Einführung der tokenisierten Finanzwelt zwar viele Effizienz- und Geschwindigkeitsvorteile mit sich bringt, jedoch auch potenzielle Risiken für die finanzielle Stabilität der Märkte birgt. Tokenisierte reale Vermögenswerte (RWAs) wachsen weiterhin schnell, wobei die Branche Anfang […] (00)
vor 27 Minuten
Von  "Meuterei auf der Bounty" zur Pn-Domain
Koeln, 03.04.2026 (PresseBox) - Es beginnt, wie große Geschichten oft beginnen: mit zu viel Ordnung. An Bord der HMS Bounty herrscht im Jahr 1789 ein Regiment aus Disziplin und Härte. William Bligh, ein Mann von eiserner Selbstkontrolle, führt seine Mannschaft durch die Weiten des Pazifiks – und zugleich in eine immer engere innere Enge. Denn draußen […] (00)
vor 5 Stunden
 
Mann droht mit Anschlag in ICE
Siegburg (dpa) - Schock im abendlichen Reiseverkehr: In einem ICE in Nordrhein- […] (00)
Iran-Krieg - Iran
Washington (dpa) - Fünf Wochen nach Start des Iran-Kriegs dauern die gegenseitigen […] (12)
Ricarda Lang (Archiv)
Berlin - Die frühere Grünenchefin Ricarda Lang hat selbst Erfahrung mit digitaler […] (00)
Iran-Krieg - Iran
Teheran (dpa) - Es ist der 28. Februar. Israel und die USA greifen den Iran an. In […] (02)
Neue Klage gegen Ubisoft: The Crew kehrt als juristisches Damoklesschwert zurück
Fast zwei Jahre nach der erzwungenen Abschaltung holt The Crew Ubisoft wieder ein – […] (00)
Apple iPad Air 3 WLAN landet auf der Vintage-Liste
Apple hat nun auch die WLAN-Version des iPad Air 3 offiziell in seine sogenannte […] (00)
Italiens bisheriger Nationaltrainer Gennaro Gattuso
Rom (dpa) - Italiens abermaliges Scheitern in einer WM-Qualifikation hat nun auch […] (01)
Taylor Swift im 'Elizabeth Taylor'-Video
(BANG) - Taylor Swift hat öffentliches Lob vom Nachlass von Elizabeth Taylor […] (00)
 
 
Suchbegriff