Investmentweek

US-Strafsteuer gegen Europa: Trumps Angriff auf deutsche Anleger

04. Juni 2025, 20:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Mit einer neuen Sondersteuer auf Dividenden, Zinsen und Lizenzen plant Donald Trump den nächsten Frontalangriff auf Europa – und trifft damit auch Millionen deutsche Privatanleger. Die „One Big Beautiful Bill“ könnte die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen ins Mark treffen.

Ein Gesetz mit Signalwirkung

Donald Trump hat ein Talent dafür, wirtschaftliche Konflikte in politische Machtspiele zu verwandeln. Nun treibt der ehemalige und wiedergewählte US-Präsident ein Gesetz voran, das tief in die transatlantischen Finanzströme eingreifen könnte.

Die „One Big Beautiful Bill“ – ein 1.100 Seiten starker Haushaltsentwurf – enthält in Abschnitt 899 eine unscheinbare, aber folgenreiche Passage: Künftig sollen auf Dividenden, Zinsen und Lizenzgebühren, die aus den USA ins Ausland fließen, Strafsteuern von bis zu 20 Prozent erhoben werden.

Diese neue Quellensteuer trifft dabei vor allem Länder, die laut US-Definition „diskriminierende“ Steuern gegen amerikanische Unternehmen verhängen. Deutschland steht dabei prominent im Visier.

Ein Rückschlag mit Ansage

Der politische Hintergrund: Trumps Zorn richtet sich gegen die globale Mindeststeuer von 15 Prozent, die unter seinem Vorgänger Joe Biden mit internationaler Unterstützung beschlossen wurde – auch mit Zustimmung der USA.

Die EU, angeführt von Deutschland und Frankreich, hat die OECD-Vereinbarung besonders konsequent umgesetzt. Anders die USA: Dort gelten für US-Konzerne mit der sogenannten GILTI-Regelung Sonderbedingungen, die deutlich großzügiger sind.

Die EU verlangt dagegen eine Mindestbesteuerung pro Land – die USA rechnen weltweit und können hohe Steuerlasten in einem Land mit Nullsteuern in Steueroasen verrechnen („global blending“).

Diese Ungleichbehandlung soll nun, aus Trumps Sicht, „ausgeglichen“ werden – durch eine gezielte Strafsteuer auf ausländische Anleger und Unternehmen, vor allem aus Europa.

Wirtschaftskrieg auf Raten: Trumps „One Big Beautiful Bill“ setzt nicht auf Diplomatie, sondern auf wirtschaftliche Drohkulissen – zur Freude nationalistischer Wähler, zum Ärger globaler Investoren.

Was konkret geplant ist

Kern der neuen Steuerregelung ist eine gestaffelte Strafabgabe: 5 Prozent Quellensteuer im ersten Jahr, die jährlich um weitere fünf Prozentpunkte steigt – bis zu einer Obergrenze von 20 Prozent. Betroffen wären vor allem Dividendenzahlungen aus US-Aktien, aber auch Zinsen und Lizenzgebühren.

Noch ist unklar, ob auch US-Staatsanleihen betroffen wären – aktuell zahlen ausländische Investoren darauf keine Quellensteuer. Doch allein die Unsicherheit reicht aus, um die Attraktivität amerikanischer Anleihen weiter zu untergraben.

Für deutsche wären die Auswirkungen erheblich

Wer in den MSCI World ETF investiert ist – und das sind in Deutschland Hunderttausende Privatanleger – hat heute schon rund 70 Prozent US-Anteil im Depot.

Auf US-Dividenden fällt nach geltendem Doppelbesteuerungsabkommen bereits eine 15-prozentige Quellensteuer an. Sollte Trumps Gesetz durchkommen, kämen jährlich bis zu fünf Prozentpunkte hinzu – ein spürbarer Eingriff in die Rendite.

Rechnung mit Billionenpotenzial

Laut dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sind deutsche Unternehmen mit rund 619 Milliarden US-Dollar in den USA engagiert. Bei einer angenommenen jährlichen Rendite von fünf Prozent wären das rund 31 Milliarden Dollar, die ausgeschüttet werden könnten.

Bei einer maximalen Strafsteuer von 35 Prozent – wie sie im Gesetz angedeutet wird – müssten deutsche Anteilseigner über 11 Milliarden Dollar mehr Steuern abführen. Hinzu kämen ähnliche Belastungen auf Zins- und Lizenzzahlungen – insgesamt also bis zu 22 Milliarden Euro zusätzliche Steuerlast für deutsche Unternehmen.

Ein Gesetz mit explosiver Außenwirkung

Während Trumps Anhänger den Entwurf als „Amerika zuerst“-Instrument feiern, sorgt die geplante Strafsteuer international für Entsetzen. EU-Vertreter bemühen sich hinter den Kulissen um eine Deeskalation.

Brüssel erwägt, den USA eine sogenannte „Safe Harbour“-Regelung zuzugestehen, um deren Sonderweg bei der Mindeststeuer faktisch zu akzeptieren – ein heikler politischer Schritt.

Die EU-Kommission lehnt es bislang ab, die OECD-Mindeststeuer selbst infrage zu stellen. Ein Rückzieher wäre ein Gesichtsverlust – und politisch kaum durchsetzbar.

Politisches Kalkül trifft wirtschaftliche Realität

Der Entwurf liegt derzeit dem US-Repräsentantenhaus vor und muss anschließend noch den Senat passieren. Doch allein die Existenz des Gesetzesvorschlags wirkt bereits als Drohkulisse.

Analysten beobachten erste Umwälzungen in der Anlagestrategie europäischer Investoren. Wer heute stark auf US-Werte setzt, denkt laut Finanzdienstleistern wie BlackRock oder Morningstar zunehmend über eine stärkere Diversifikation Richtung Europa oder Asien nach.

Trump will doppelt zuschlagen – auch Zölle steigen

Der Gesetzesentwurf enthält neben der Strafsteuer auch eine Verdopplung der Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte. Für Deutschland als Exportnation mit starken Handelsverflechtungen in die USA könnte das zu einer doppelten Belastung führen: einmal durch erschwerte Kapitalrückflüsse, und zusätzlich durch Exportbarrieren.

Börsen bleiben gelassen – noch

An den Märkten herrscht derzeit noch Ruhe. Der S&P 500 sowie der Nasdaq 100 liegen seit Jahresbeginn nur rund zwei Prozent im Minus. Doch viele Anleger trauen dem Frieden nicht. Manche Analysten sprechen bereits zynisch vom „Taco-Trade“ – eine Anspielung auf Trumps Gewohnheit, nach harschen Ankündigungen schnell zurückzurudern.

Finanzen / Global
[InvestmentWeek] · 04.06.2025 · 20:00 Uhr
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