Nationale Sicherheit

US-Geheimchat: Magazin veröffentlicht alle Nachrichten

26. März 2025, 17:59 Uhr · Quelle: dpa
Die Affäre um den brisanten Gruppenchat der Trump-Regierung weitet sich aus. Nachdem diese die Vorwürfe zurückwies und die Integrität der Enthüller infrage stellte, legen die nun alles offen.

Washington (dpa) - In der Geheimchat-Affäre gerät die Regierung von US-Präsident Donald Trump zunehmend in Bedrängnis. Nachdem Trumps Mannschaft alle Vorwürfe zurückgewiesen und die Integrität der Enthüller infrage gestellt hatte, legte das US-Magazin «The Atlantic» nun den gesamten Chatverlauf offen. Daraus geht hervor, dass Verteidigungsminister Pete Hegseth etwa eine halbe Stunde vor dem Beginn einer US-Militäroperation gegen die Huthi-Miliz im Jemen Mitte März in der Chatgruppe im Detail den Zeitplan, die genaue Abfolge der Bombardierung und die eingesetzten Waffensysteme teilte. 

Der Chefredakteur des Magazins, Jeffrey Goldberg, war - wohl aus Versehen - in den Gruppenchat ranghoher Regierungsmitglieder eingeladen worden und konnte die Pläne über die bevorstehende US-Militäraktion im Jemen dort live mitlesen. Er machte das dramatische Sicherheitsversagen später mit einem langen Artikel publik. Seitdem ist die Trump-Regierung in Erklärungsnot - was sich durch die neuen Details nur verschärft. 

Sicherheitsversagen von immensem Ausmaß

Mitglieder des Gruppenchats waren die obersten Führungsköpfe zur nationalen Sicherheit der USA: neben Hegseth unter anderem Trumps Stellvertreter J.D. Vance, Trumps Nationaler Sicherheitsberater Mike Waltz, der Chef des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, und die Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard. Waltz hatte die Gruppe eingerichtet und dabei den Journalisten Goldberg hinzugefügt. 

Dass ranghohe Regierungsmitglieder überhaupt sensible Informationen über die kommerzielle App Signal austauschen, ist bereits ein Bruch mit den üblichen Sicherheitsstandards. Dass dort Details über einen bevorstehenden Militärschlag erörtert wurden - noch dazu vor den Augen eines Reporters, dessen Anwesenheit sich niemand bewusst war, gilt als Sicherheitsversagen von immensem Ausmaß. 

Trump-Regierung: Keinerlei vertrauliche Informationen

Das «Atlantic»-Magazin hatte zuerst lediglich auszugsweise aus dem Chatverlauf zitiert, die militärischen Details aus Rücksicht auf die Sicherheit von US-Soldaten jedoch ausgelassen. Trump, Waltz und andere Beteiligte und führende Regierungsmitglieder behaupteten jedoch unisono öffentlich, dass in dem Chat keinerlei vertrauliche Informationen geteilt wurden. Auch Hegseth bestritt vehement, «Kriegspläne» übermittelt zu haben. Stattdessen diskreditierten sie den «Atlantic» und dessen Chefredakteur. 

Das Magazin entschied sich daher für die Veröffentlichung auch der heiklen militärischen Passagen. «Es besteht ein eindeutiges öffentliches Interesse daran, die Art von Informationen offenzulegen, die Trump-Berater in unsicheren Kommunikationskanälen ausgetauscht haben», schrieb das Magazin zur Begründung - insbesondere, weil die Trump-Regierung versuche, die Bedeutung der Nachrichten herunterzuspielen. Man habe vor der Veröffentlichung verschiedene Regierungsmitglieder gefragt, ob sie Einwände hätten. Die meisten hätten nicht reagiert. Das Weiße Haus sei gegen die Veröffentlichung gewesen. 

Wetter, Kampfjet-Startzeiten, Reihenfolge

Die Nachrichten haben es in sich. Aus den Screenshots des Chatverlaufes geht hervor, dass Hegseth am 15. März kurz vor dem Beginn des US-Militärschlages im Jemen Einzelheiten zum geplanten Ablauf in dem Signal-Chat postete - inklusive Wetter, Startzeiten von F-18-Kampfjets und Drohnen und Reihenfolge der Angriffe. Wörtlich heißt es unter anderem: «Zielterrorist befindet sich an seinem bekannten Aufenthaltsort.» Genaue Orte der Militäraktionen nannte er in seiner Nachricht nicht. 

Trumps Sicherheitsberater Waltz spielte dies einmal mehr herunter und schrieb auf der Plattform X über die neue Enthüllung: «Keine Standorte. Keine Quellen und Methoden. Keine Kriegspläne.» Außerdem seien ausländische Partner bereits vorab über die bevorstehenden Angriffe informiert worden. 

In einer Stellungnahme des Pentagon hieß es wenig später, der «Atlantic» verbreite Fehlinformationen. Es handele sich um einen «erbärmlichen Versuch» des Magazins, von Trumps Sicherheitspolitik ablenken zu wollen. Die zusätzlich veröffentlichten Chatnachrichten bestätigten demnach, dass keine geheimen Informationen geteilt worden seien. Hegseth habe die Gruppe lediglich über einen bereits laufenden Einsatz informiert, der zuvor über offizielle Kanäle kommuniziert worden sei. 

US-Soldaten in Lebensgefahr?

Demokraten und Fachleute werten die Verbreitung derart konkreter Informationen zu einem unmittelbar bevorstehenden Militärschlag über einen Messenger-Dienst, der nicht ansatzweise den Sicherheitsstandards für den Austausch solcher Informationen genügt, jedoch als kompletten Tabubruch, der jene Soldaten, die an dem Einsatz beteiligt waren, in Lebensgefahr brachte. 

So schrieb eine frühere Sprecherin des Verteidigungsministeriums aus der Amtszeit des Demokraten Joe Biden, Sabrina Singh, auf X, Hegseth habe den Ablauf der gesamten Operation und die Flugzeugtypen offengelegt, bevor die Operation überhaupt stattgefunden habe. «Er setzte das Leben unserer Kampfpiloten aufs Spiel. Details wie diese sind geheim. Ich bin absolut fassungslos.»

Das US-Militär hatte Mitte März auf Befehl von Trump massiv Stellungen der Huthi-Miliz im Jemen angegriffen. Die Militärschläge gegen die Huthi gehen seitdem weiter. Die Miliz beherrscht große Gebiete in der Region und vor allem im Jemen. Sie fing nach Ausbruch des Gaza-Kriegs zwischen Israel und der Hamas im Oktober 2023 damit an, den jüdischen Staat aus Solidarität mit der islamistischen Terrororganisation mit Raketen und Drohnen anzugreifen. Zudem begannen sie mit Angriffen auf Schiffe - vor allem solche mit angeblicher Verbindung zu Israel - die entlang der Küste des Jemen auf einer der für den Welthandel wichtigsten Seefahrtrouten unterwegs sind.

Interne Diskussion über Außendarstellung der Angriffe

Die ranghohen Regierungsmitglieder diskutierten in dem Chat auch hitzig, wie die Attacken gegen die Huthi nach außen hin dargestellt werden sollten - und ob nicht am meisten Europa für seinen Handel davon profitiere, wenn die Schifffahrtsstraßen in der Region wieder sicher gemacht würden. 

So schrieb Vance demnach: «Ich hasse es einfach, Europa wieder aus der Klemme zu helfen.» Hegseth antworte: «Ich teile voll deine Abscheu vor dem europäischen Schmarotzen. Das ist erbärmlich.» An anderer Stelle zweifelte Vance offen an, ob sein Chef Trump sich im Klaren sei, wie die Aktion mit Blick auf seinen sonstigen Kurs zu Europa ankomme: «Ich bin mir nicht sicher, ob sich der Präsident bewusst ist, wie sehr dies im Widerspruch zu den aktuellen Botschaften über Europa steht.»

Regierung / Geheimdienste / Militär / USA / Jemen
26.03.2025 · 17:59 Uhr
[5 Kommentare]
Schlitten
Salzburg (dpa) - Nach einem Rodelunfall mit einer toten und einer schwer verletzten Schülerin aus München hat die österreichische Polizei neue Details zu dem Unglück mitgeteilt. Die beiden 13-Jährigen seien auf einer Skipiste gefahren statt auf der dafür vorgesehenen Rodelbahn, bestätigte eine Polizeisprecherin in Salzburg der Deutschen Presse-Agentur. […] (00)
vor 15 Minuten
Der Markt für E-Zigaretten und Vaping-Produkte boomt. Immer mehr Menschen entdecken die Vielfalt und die technologischen Fortschritte, die das Dampfen zu einer echten Alternative machen. Mit der wachsenden Beliebtheit steigt jedoch auch die Anzahl der Online-Shops, was die Auswahl für Verbraucher zunehmend unübersichtlich macht. Während viele Händler […] (00)
vor 2 Stunden
30 Milliarden Dollar für den KI-Showdown: Anthropic rüstet sich für den Börsengang
Kapital als Verteidigungswaffe Angeführt wird die Finanzierungsrunde vom singapurischen Staatsfonds GIC und Coatue Management. Auch Schwergewichte wie Sequoia Capital, Founders Fund, Lightspeed Venture Partners sowie strategische Partner wie Nvidia und Microsoft beteiligen sich. Microsoft hatte bereits im Vorjahr Investitionen von 15 Milliarden Dollar […] (00)
vor 36 Minuten
Battlefield 6 Season 2: Neue Map, psychoaktiver Rauch und 240+ Fixes ab 17. Februar
Wer Battlefield 6 seit dem Launch im Oktober 2025 regelmäßig spielt, weiß, dass Season 1 eine solide Basis gelegt hat. Aber auch, dass die Community ungeduldig auf das nächste große Kapitel gewartet hat. Das ist jetzt da. Update 1.2.1.0 geht am 17. Februar live und läutet offiziell Season 2 ein. Und mit ihr kommt einiges, das sich deutlich größer […] (00)
vor 7 Minuten
«7 vs. Wild»: Prime Video bestellt sechste Staffel
Nach dem Erfolg der fünften Runde kehrt das Survival-Format im Herbst 2026 zurück. Prime Video setzt weiter auf Überlebenskampf in Extremsituationen: Der Streamingdienst hat offiziell eine sechste Staffel von 7 vs. Wild angekündigt. Die neuen Folgen sollen voraussichtlich im Herbst 2026 exklusiv für Prime-Mitglieder verfügbar sein. Der genaue Drehort steht derzeit noch nicht fest, fest steht […] (00)
vor 2 Stunden
Olympische Winterspiele 2026
Bormio (dpa) - Skirennfahrer Linus Straßer hat ein vernichtendes Urteil über die Olympischen Winterspiele in Italien gefällt. «Es ist für'n Arsch. Sagen wir, wie es ist», schimpfte der Münchner nach dem Slalom von Bormio, den er auf dem neunten Rang beendet hatte. Den 33-Jährige störte vor allem, dass die Events unter den fünf Ringen seiner Meinung nach […] (00)
vor 10 Minuten
bitcoin, crypto, finance, coins, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Mike McGlone, leitender Rohstoffstratege bei Bloomberg Intelligence, hat eine Warnung veröffentlicht, dass Bitcoin (BTC) auf $10.000 zurückfallen könnte, da sich die Turbulenzen an den Finanzmärkten ausweiten. McGlone sieht den aktuellen Marktrückgang als Teil einer breiteren Abwicklung von Risikoanlagen, die mit Aktien, Volatilitätszyklen und […] (00)
vor 28 Minuten
Effizient heizen, smart steuern: Das neue ENERENT Elektroheizmobil
Friedberg-Derching, 16.02.2026 (PresseBox) - Wie die bewährten Vorgängermodelle ist das neue ENERENT Elektroheizmobil vielseitig einsetzbar und ein universeller Helfer für SHK-Handwerksbetriebe. Es eignet sich ideal als Notheizung bei Heizungsausfällen, während eines Heizungstauschs oder im Rahmen geplanter Sanierungsmaßnahmen. Auch als Bauheizung […] (00)
vor 1 Stunde
 
Raffinerie PCK in Schwedt (Archiv)
Berlin - Die Bundesregierung arbeitet weiterhin an einer Lösung, um den reibungslosen […] (00)
EU-Fahnen (Archiv)
München - Peter Orszag, Chef der US-Investmentbank Lazard, hat Europa zu mehr […] (00)
Bedienung in einem Café (Archiv)
Berlin - Der Chef des RWI-Leibniz-Institutes in Essen, Christoph Schmidt, spricht […] (01)
Deutschlandticket (Archiv)
Berlin - Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) zeigt sich offen dafür, für […] (02)
GTA 6 Soundtrack-Leak: Mehrere Künstler sprechen plötzlich über Rockstar-Deals
Der Hype um Grand Theft Auto VI ( GTA 6 ) ist ohnehin gewaltig. Jetzt sorgen gleich […] (00)
Rupert Grint
(BANG) - Rupert Grint empfand das Leben als frischgebackener Vater als "isolierend" […] (00)
Herzogin Meghan
Montecito (dpa) - Herzogin Meghan hat zum Valentinstag ein Foto von Prinz Harry mit Tochter […] (00)
CNN widmet sich 40 Jahre nach Tschernobyl der Atomkatastrophe
Zum 40. Jahrestag der Reaktorkatastrophe startet CNN am 1. März die vierteilige Doku-Reihe […] (00)
 
 
Suchbegriff