Unsicherheit wächst: Amerikas Mittelklasse in wirtschaftlicher Sorge
Das Vertrauen der amerikanischen Mittelschicht in die Wirtschaft bröckelt zunehmend. Auf einem renommierten Index der Universität Michigan fiel das Verbrauchervertrauen im September auf 55,4, nachdem es vor einem Jahr noch bei 70,1 lag. Besonders unter einkommensschwächeren und mittleren Einkommensschichten verbreiten sich wirtschaftliche Ängste, wie Joanne Hsu, Direktorin der Michigan-Umfragen, feststellte.
Ein weiteres Barometer des Verbrauchervertrauens, das von Morning Consult täglich erfasst wird, zeigt ein deutliches Absinken des Vertrauens der Mittelklasse seit diesem Sommer. Während wohlhabendere Amerikaner mit einem Jahresverdienst über 100.000 Dollar optimistisch blieben, bewerteten Haushalte mit geringerem Einkommen die ökonomische Lage dauerhaft negativer. Das Vertrauen der Mittelklasse, die zwischen 50.000 und 100.000 Dollar verdient, bewegte sich zunächst auf dem Niveau der Wohlhabenden, fiel aber im Juni drastisch ab.
Einzelhandelsriesen wie Walmart und Kohl's berichten von leeren Einkaufswagen und einem Fokus auf Schnäppchenkäufe bei mittleren und unteren Einkommensschichten. Diese Entwicklung wird von Dollar General bestätigt, wo ebenfalls mehr Mittelklasse-Konsumenten gesichtet werden.
Der Rückgang der Verbraucherstimmung könnte verschiedene Gründe haben: die wieder steigende Inflation, handelspolitische Unsicherheiten oder ein schwächer werdender Arbeitsmarkt. Experten wie Ryan Sweet von Oxford Economics betonen, dass es schwierig ist, einen einzelnen Faktor für diese Verunsicherung verantwortlich zu machen.
Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen florieren wohlhabende Amerikaner weiter und tragen einen zunehmenden Anteil zur Konsumausgaben. Die oberen 10% der Einkommensempfänger steuern nun über 49% aller Ausgaben bei. Von steigenden Börsen- und Immobilienwerten profitieren sie besonders, während ein großer Teil der Mittelklasse nicht am Aktienmarkt investiert.
Die Inflationsraten drücken weiterhin auf die Reallöhne, während die Arbeitslosigkeit steigt. Der Wohlstand der Elite, der oft mit Vermögenszuwächsen am Aktienmarkt einhergeht, könnte gefährdet sein, sollte es zu einem Rückgang der Aktienkurse kommen, so Mark Zandi von Moody’s Analytics. Eine solch extreme Abhängigkeit der Wirtschaft von den Top-Verdienern sorgt für ein labileres wirtschaftliches Umfeld für die gesamte Nation.

