Unruhe im Zahlungsverkehr: Marktchancen trotz Kursrutschen
Der jüngste Bericht über die Versuche großer multinationaler Händler, traditionelle Kreditkartengebühren zu umgehen, könnte für Investoren einen spannenden Einstiegspunkt in die Aktien von Mastercard und Visa eröffnen.
Am vergangenen Freitag büßten die Aktien von Mastercard bis zu 6,2 % und Visa über 7,1 % ein – der größte tagesbezogene Rückgang innerhalb von zwei Monaten. Auch andere Zahlungsdienstleister wie American Express, PayPal und Capital One erlitten im Tagesverlauf Rückschläge.
Auslöser der Turbulenzen war ein Bericht des Wall Street Journals, demzufolge Unternehmen wie Walmart und Amazon die Einführung eigener Stablecoins in den USA erwägen. Auch andere Firmen, darunter Fluggesellschaften und die Expedia Group, ziehen ähnliche Schritte in Betracht, um sich von Kreditkartenunternehmen wie Visa und Mastercard zumindest teilweise unabhängig zu machen. Stablecoins sind in der Regel an Währungen wie den US-Dollar gekoppelt und ermöglichen so eine nahtlose Integration in bestehende Zahlungssysteme.
Trotz des Kurssturzes, der über 60 Milliarden Dollar an Marktwert für Visa und Mastercard auslöschte, raten Analysten zur Gelassenheit und empfehlen eine Kaufgelegenheit. Andrew Jeffrey von William Blair stellte klar, dass Stablecoins derzeit für den Handel mit Endverbrauchern nur bedingt geeignet sind, auch wenn sie für Händler vielversprechende Einsparungen bei den Kartenakzeptanzgebühren bieten könnten.
Jeffrey betonte, dass Verbraucher an Kredit- und Debitkarten gewöhnt sind und diese Gewohnheiten nicht so schnell ändern werden. Das Fehlen von Standards bei Stablecoins begrenze ebenfalls deren Einsatzmöglichkeiten. Diksha Gera von Bloomberg Intelligence sieht in den Kursverlusten eine verfrühte Reaktion auf die Befürchtung, Stablecoins könnten Marktanteile und Margen erodieren lassen.
Dennoch haben Visa und Mastercard vorausschauend Stablecoin-Funktionalitäten integriert und sind gut positioniert, um in einer sich entwickelnden Stablecoin-Umgebung zu profitieren, urteilt Rufus Hone von BMO Capital Markets. Die Unternehmen hätten bereits die erforderlichen Fähigkeiten entwickelt, um Zahlungen auf Stablecoin-Basis abzuwickeln, und könnten Transaktionen in diesem Bereich geschickt monetarisieren.

