Unruhe im Jemen: Wende im Bündnis der Golfstaaten

Die Ankündigung der Vereinigten Arabischen Emirate, ihre Truppen aus dem Jemen abzuziehen, hat das geopolitische Gefüge der Region ins Wanken gebracht. Vertreter der von den Emiraten unterstützten Separatisten, namentlich der Südliche Übergangsrat (STC), haben betont, die Kontrolle über ihre jüngst eroberten Gebiete zu bewahren. Mohammed al-Nakib, der sich gegenüber SkyNews Arabia äußerte, bekräftigte die Entschlossenheit der STC-Truppen, sich nicht aus den strategisch bedeutenden Provinzen Hadramaut und al-Mahra zurückzuziehen, die zusammen etwa die Hälfte des jemenitischen Territoriums umfassen.
Während die militärische Lage in den südlichen und östlichen Regionen des Landes zunächst ruhig blieb, zeichnen sich im Machtvakuum des Truppenabzugs kleinere, wenn auch unbedeutende Bewegungen ab. Die Deutsche Presse-Agentur berichtete, dass STC-Truppen kürzlich ein Lager in Hadramaut geräumt haben, woraufhin eine lokale Stammesallianz die Kontrolle übernahm.
Parallel dazu hat der Konflikt neue Brisanz durch das Zerwürfnis zwischen den vormals verbündeten Golfmächten Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gewonnen. Mit einer jüngsten Bombardierung eines Hafens durch die saudische Führungskoalition, die den Emiraten die Belieferung der Separatisten mit Militärgerät vorwirft, ist der diplomatische Graben tiefer geworden. Auch die saudi-arabischen Forderungen nach einem Rückzug der emiratischen Truppen sind laut geworden, worauf die Emirate prompt mit einem angekündigten "freiwilligen" Abzug reagierten. Noch am Dienstag wurden Berichten von Yemen TV zufolge hunderte Soldaten und schweres Gerät ausgeflogen.
Ob die jemenitischen Regierungstruppen die ehemalige Gebietshoheit über die von den Separatisten eingenommenen Regionen zurückerlangen wollen, bleibt ungewiss. Einhellig berichten Quellen wie AIC jedoch von einer stabilen Lage in Hadramaut, auch wenn die STC-Kräfte für potenzielle Konflikte gerüstet erscheinen. Der Wunsch der Separatisten nach einem unabhängigen Südjemen erhöht den Druck auf die jemenitische Regierung, die mit saudischer Unterstützung die territoriale Einheit des Landes wahren will. Zugleich bleibt der anhaltende Bürgerkrieg mit der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz eine bedrückende Konstante im komplexen Konfliktgefüge dieses leidgeprüften Landes.

