Universitäten als Motor für Unternehmensgründungen: Ein ungenutztes Potenzial
Ein ungenutztes Potenzial für Unternehmensgründungen
Laut einer neuen Analyse von AlpMomentum, Redstone, der Technischen Universität München und der Universität Trier könnten Universitäten und Forschungseinrichtungen in Europa deutlich mehr Arbeitsplätze schaffen, als bisher angenommen. Diese Erkenntnisse, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen, werfen ein Schlaglicht auf die Rolle von Bildungseinrichtungen als Innovationsmotoren und deren Einfluss auf den Shareholder Value.
Die Untersuchung zeigt signifikante Unterschiede in der Anzahl erfolgreicher Gründungen, die sich innerhalb eines Zeitraums von zehn bis zwölf Monaten in 1.000 europäischen Universitäten und 50 öffentlichen Forschungseinrichtungen realisieren ließen. Besonders auffällig ist die Varianz: Pro 100 Millionen Euro Budget schwankt die Zahl der gegründeten Start-ups zwischen 1 und 80, was auf eine erhebliche Ineffizienz in größeren Institutionen hinweist. Michael Brehm, Gründer von Redstone, erklärt, dass insbesondere Business Schools in der Gründungsförderung besser abschneiden, was nicht überraschend ist, da sie viele angehende Unternehmer anziehen.
Deutschland im internationalen Vergleich
Im Ranking der 36 untersuchten Länder und Regionen landet Deutschland im unteren Mittelfeld. Mit 9,7 Gründungen pro 100 Millionen Euro Budget liegt die Bundesrepublik hinter Andorra, den baltischen Staaten und Frankreich zurück. Diese Ergebnisse sind alarmierend, insbesondere wenn man bedenkt, dass 143 Hochschulen und 9 Forschungseinrichtungen aus Deutschland in die Analyse einflossen. Die Erkenntnisse verdeutlichen, dass Deutschland dringend seine Standortattraktivität für Gründer steigern muss, um im internationalen Wettbewerb nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten.
Wirtschaftswissenschaftler Jörn Block von der Universität Trier, der an der Studie beteiligt war, hebt hervor, dass es in Deutschland zwar relativ einfach sei, Frühphasenkapital über staatliche Stipendien zu erhalten, jedoch die Herausforderungen beim Wachstum erheblich sind. Diese Hürden könnten potenzielle Gründer dazu verleiten, ihre Ideen im Ausland zu realisieren, insbesondere in den USA, wo viele im Biotech-Sektor eine bessere Unterstützung finden.
Wagniskapital und unternehmerisches Ökosystem
Block vergleicht die Situation in Deutschland mit der in Großbritannien, wo der Zugang zu Wagniskapital einfacher ist. In Großbritannien sind die Forschungsstrukturen stärker in die Universitäten integriert, was den Weg zu potenziellen Gründern verkürzt. Universitäten wie Oxford und Cambridge fungieren hier als Vorbilder, die durch ihre enge Zusammenarbeit mit der Industrie den Gründungsgeist fördern.
Die Autoren der Untersuchung argumentieren, dass eine Steigerung der Gründungen erhebliche wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen könnte. Basierend auf Hochrechnungen, die annehmen, dass alle Institutionen so erfolgreich abschneiden wie die besten 10 Prozent, könnten innerhalb der nächsten zehn Jahre mehr als 445.000 zusätzliche Start-ups entstehen. Dies würde nicht nur über 13 Millionen Arbeitsplätze schaffen, sondern auch zu einer zusätzlichen Wirtschaftsleistung von über 5 Billionen Euro führen.
Forschungsansätze und Erfolgsrezepte
Die Methodik der Untersuchung umfasste die Analyse von Profilen auf LinkedIn und Daten von Dealroom, einer Plattform für Gründungsinformationen. Dabei wurde deutlich, dass der Großteil der rund 50.000 untersuchten Firmengründungen aus dem Bereich der ehemaligen Studenten stammt, während nur ein kleiner Teil aus den Universitäten selbst hervorgeht. Dies weist auf einen klaren Handlungsbedarf hin, um die Gründungskultur an Hochschulen zu stärken.
Um die Gründungswahrscheinlichkeit zu erhöhen, wird die TU München als positives Beispiel angeführt. Hier finden sich nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch Netzwerke und Ausbildungsstrukturen, die den Gründungsprozess unterstützen. Brehm fordert einen Mentalitätswandel an den Universitäten, um unternehmerisches Denken zu fördern. Dies ist nicht nur für Gründer von Bedeutung, sondern auch für alle Studierenden, da unternehmerische Fähigkeiten zunehmend in verschiedenen Berufsfeldern gefragt sind.
Insgesamt zeigt die Analyse, dass die Schaffung eines dynamischen Gründungsumfelds an Universitäten und Forschungseinrichtungen nicht nur für die individuelle Karriere von Vorteil ist, sondern auch erhebliche positive Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Standort Deutschland haben kann.

