Umweltminister setzt auf recycelte Baustoffe für Bundesbauprojekte

Priorisierung von Sekundärrohstoffen
Bundesumweltminister Carsten Schneider hat sich klar positioniert: Bei Bauvorhaben des Bundes sollen künftig recycelte Baustoffe Vorrang erhalten. Dies betrifft nicht nur die Projekte der Bundesbahn, sondern auch der Autobahngesellschaft, die in den kommenden Jahren mit Investitionen in Milliardenhöhe rechnen kann. Schneider betonte in Berlin, dass diese "Bevorzugungspflicht für Sekundärrohstoffe" jedoch innerhalb der Bundesregierung noch nicht vollständig akzeptiert sei. "Ich arbeite daran", so der SPD-Politiker.
Zirkuläres Bauen als Lösungsansatz
Gemeinsam mit Bauministerin Verena Hubertz nahm Schneider ein Gutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU) entgegen, das sich mit dem Konzept des zirkulären Bauens beschäftigt. Dieses Konzept zielt darauf ab, bestehende Gebäude wiederzuverwenden, anstatt sie abzureißen. Im Falle eines Abrisses oder Umbaus sollen nicht nur Baustoffe, sondern auch Elemente wie Fenster oder Türen erneut genutzt werden.
Das Gutachten hebt hervor, dass über ein Drittel des Rohstoffbedarfs in Deutschland auf den Hoch- und Tiefbau entfällt. Zudem verursachen Bau und Gebäude mehr als die Hälfte des jährlichen Abfallaufkommens und tragen erheblich zum Flächenverbrauch bei. Die Produktion von Baustoffen ist für acht Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich.
Herausforderungen und Chancen
Das Gutachten sieht im zirkulären Bauen eine Möglichkeit, diese negativen Auswirkungen zu verringern. Allerdings werden rechtliche Unsicherheiten bezüglich der Nutzung recycelter Materialien, Bedenken hinsichtlich möglicher Schadstoffe sowie Preisfragen als Hindernisse identifiziert.
Ein Vorschlag des Sachverständigenrats, die Umwelt- und Klimakosten neuer Baustoffe durch eine eigene Steuer oder über den CO2-Preis zu erhöhen, wurde von Schneider jedoch abgelehnt. Er erklärte, dass er sich aktuell nicht mit weiteren Steuererhöhungen beschäftigen wolle. Stattdessen sieht er den Schlüssel in der hohen Nachfrage, die durch die Bauvorhaben des Bundes entstehen könnte, um den Markt für recycelte Baustoffe zu stimulieren.

