Japan pumpt weitere vier Milliarden in Rapidus – Gesamtförderung steigt auf 15 Milliarden Dollar
Japans Industrie-Ministerium gab am Samstag bekannt, dass es zusätzliche 631,5 Milliarden Yen (3,96 Milliarden Dollar) genehmigt hat, um Forschung und Entwicklung beim Chipfertiger Rapidus zu beschleunigen. Die Unterstützung ist Teil der Bemühungen der Regierung, die heimische Produktion fortschrittlicher Halbleiter zu fördern und Chip-Lieferketten zu stärken.
Mit der neuesten Finanzierung erreicht Rapidus' gesamte Forschungs- und Entwicklungsförderung 2,354 Billionen Yen – umgerechnet rund 15 Milliarden Dollar. Das ist eine gewaltige Summe für ein Unternehmen, das noch keine einzige Chipfabrik in Betrieb hat, noch keinen einzigen Chip verkauft hat, noch keinen einzigen Yen Umsatz gemacht hat. Japan wettet alles auf Rapidus – und die Frage ist: Kann das funktionieren?
Rapidus entwickelt 2-Nanometer-Chips – Massenproduktion ab 2027
Rapidus arbeitet an der Entwicklung von Next-Generation-Logik-Halbleitern im 2-Nanometer-Maßstab und plant, die Massenproduktion im Geschäftsjahr 2027 zu starten. Das ist ambitioniert. 2-Nanometer-Chips sind die Spitzentechnologie der Branche. Nur TSMC und Samsung beherrschen sie derzeit – und selbst sie kämpfen mit Ausbeuten, Kosten, technischen Problemen.
Rapidus will in drei Jahren von null auf Massenproduktion kommen. Das bedeutet: Fabrik bauen, Maschinen installieren, Prozesse entwickeln, Ausbeuten optimieren, Kunden gewinnen. Alles gleichzeitig. Alles in drei Jahren. Das ist entweder brillant oder wahnsinnig. Vermutlich beides.
160 Milliarden Yen von Privatunternehmen – plus 250 Milliarden vom Staat
Im Februar sicherte sich das Unternehmen eine kombinierte Investition von etwa 160 Milliarden Yen von privaten Unternehmen, mit geplanten 250 Milliarden Yen vom Staat. Die Privatunternehmen sind japanische Tech-Giganten – Toyota, Sony, NTT, und andere. Sie investieren, weil sie Rapidus-Chips brauchen. Japan hat keine eigene fortschrittliche Chipfertigung mehr. Alles kommt aus Taiwan, Südkorea, den USA. Das ist strategisch riskant.
Die 250 Milliarden Yen vom Staat sind zusätzlich zu den bereits genehmigten 631,5 Milliarden Yen. Das bedeutet: Der Staat trägt den Löwenanteil. Die Privatwirtschaft beteiligt sich, aber nur marginal. Rapidus ist ein Staatsprojekt – finanziert vom Steuerzahler, getrieben von geopolitischer Notwendigkeit.
Fujitsu und IBM Japan erhalten ebenfalls Unterstützung
Das Ministerium sagte auch, dass NEDO, seine untergeordnete Organisation, die New Energy and Industrial Technology Development Organization, beschlossen hat, Halbleiter-Design-bezogene Projekte von Fujitsu und IBM Japan zu unterstützen. Das ist wichtig. Rapidus kann Chips fertigen – aber jemand muss sie entwerfen. Fujitsu und IBM liefern das Design-Know-how, Rapidus die Fertigung. Zusammen sollen sie Japans Halbleiterindustrie wiederbeleben.
Doch die Frage bleibt: Wer kauft die Chips? TSMC und Samsung dominieren den Markt, ihre Kunden sind Apple, NVIDIA, AMD, Qualcomm. Diese Giganten werden nicht zu Rapidus wechseln, nur weil es japanisch ist. Rapidus braucht einen Wettbewerbsvorteil – bessere Technologie, niedrigere Preise, zuverlässigere Lieferung. Derzeit hat es keines davon.
Japan will heimische Halbleiterproduktion stärken – gegen China
Die Unterstützung ist Teil der Bemühungen der Regierung, die heimische Produktion fortschrittlicher Halbleiter zu fördern und Chip-Lieferketten zu stärken. Das ist geopolitisch motiviert. Japan will nicht mehr abhängig sein von Taiwan, nicht mehr erpressbar von China. Sollte China Taiwan angreifen, würde die globale Chipversorgung kollabieren. Japan will Autarkie.
Doch Autarkie ist teuer. 15 Milliarden Dollar für Rapidus – und das ist erst der Anfang. Die Fabrik muss gebaut, betrieben, gewartet werden. Die Maschinen kosten Milliarden, die Prozesse Jahre Entwicklung. Sollte Rapidus scheitern, sind 15 Milliarden Dollar weg. Sollte es gelingen, hat Japan eine strategische Reserve. Die Frage ist: Wie hoch ist das Risiko?
Massenproduktion ab 2027 – ein knapper Zeitplan
Rapidus plant, die Massenproduktion im Geschäftsjahr 2027 zu starten. Das ist in drei Jahren. TSMC brauchte Jahrzehnte, um dahin zu kommen, wo es heute ist. Samsung ebenfalls. Intel kämpft seit Jahren, 2-Nanometer-Chips zu beherrschen – und scheitert bislang. Rapidus will es in drei Jahren schaffen. Das ist entweder ein Wunder – oder ein Desaster.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Rapidus den Zeitplan hält, ist gering. Verzögerungen sind in der Halbleiterindustrie die Regel, nicht die Ausnahme. Sollte die Massenproduktion sich verzögern, könnten TSMC und Samsung bereits bei 1-Nanometer oder kleiner sein. Dann wäre Rapidus schon bei Marktstart veraltet.
Fazit – Japan wettet alles auf Rapidus – das Risiko ist enorm
Japan pumpt 15 Milliarden Dollar in Rapidus – und das ist erst der Anfang. Das Unternehmen soll Japans Halbleiterindustrie wiederbeleben, strategische Autonomie sichern, gegen China und Taiwan bestehen. Doch die Hürden sind hoch. Die Technologie ist komplex, die Konkurrenz übermächtig, der Zeitplan knapp.
Sollte Rapidus scheitern, ist das Geld weg. Sollte es gelingen, hat Japan eine Chance. Die Frage ist: Wie hoch ist das Risiko? Und lohnt es sich? Die nächsten drei Jahre werden es zeigen.


