„Es wurde beschädigt und auseinandergerissen“ – Ex Bethesda Manager Pete Hines über seinen Abgang
Bethesda ist ein Name, der für viele Spieler mit unvergesslichen Welten verbunden ist – mit Himmelsrand, der Ödnis, den Tiefen des Weltraums. Hinter diesen Welten stecken Menschen, die jahrelang ihr Herzblut in ein Studio gegossen haben. Pete Hines war einer von ihnen – über zwei Jahrzehnte lang das öffentliche Gesicht von Bethesda, die Stimme bei unzähligen Ankündigungen und Messen. Sein Abgang verlief leise. Was ihn dazu bewogen hat, ist erst jetzt in seiner vollen Tragweite ans Licht gekommen – und es klingt nach mehr als bloßer Erschöpfung.
Machtverlust, Zermürbung und eine Grenze, die überschritten wurde
In einem ausführlichen Interview schilderte Hines offen, was ihn letztendlich zum Gehen bewog. Solange er das Gefühl hatte, gebraucht zu werden und die Richtung des Studios mitbestimmen zu können, blieb er. Doch irgendwann begann diese Möglichkeit zu schwinden – die Entscheidungsgewalt, die er für eine verantwortungsvolle Führung seiner Rolle brauchte, war nicht mehr vorhanden. Was folgte, war kein plötzlicher Bruch, sondern ein langsames, zermürbendes Zerrinnen. Hines beschreibt das Studio in jener Phase mit eindringlichen Worten: Es sei „beschädigt, auseinandergerissen und offen gesagt schlecht behandelt worden.“ Diese Formulierung legt nahe, dass er die Entwicklungen nach der Übernahme durch Microsoft als fundamental problematisch empfand – auch wenn er den Konzern nicht namentlich nennt.
Psychische Belastung und die Rolle von Todd Howard
Was Hines‘ Aussagen besonderes Gewicht verleiht, ist seine Offenheit über die persönlichen Folgen dieser Situation. Er beschreibt seinen damaligen Gemütszustand als so belastet, dass ein Weiterarbeiten schlicht nicht mehr möglich war. Den einzigen Menschen, dem er vorab von seinen Abgangsgedanken erzählt hatte, war Todd Howard – und dieser habe sich in einem Moment eingeschaltet, als Hines nach eigenen Worten „am Ende seiner Kräfte“ gewesen sei. Howard habe ihm geholfen, das Studio auf eine Art zu verlassen, die seine Würde und seinen Verstand bewahrte. Es ist ein seltenes Eingeständnis aus einer Branche, in der persönliche Erschöpfung nach wie vor zu wenig thematisiert wird – und es zeigt, wie viel Druck selbst auf erfahrenen Führungskräften lasten kann.
Kein Einzelfall – auch andere Stimmen mehren sich
Hines steht mit seiner Einschätzung nicht allein. Auch Kurt Kuhlmann, langjähriger Loremaster bei Bethesda, äußerte sich kritisch über die jüngere Entwicklung des Studios. Er beschrieb, wie erfahrene Projektverantwortliche zunehmend in reine Verwaltungsrollen abgedrängt wurden und dadurch den direkten Einfluss auf die Spielentwicklung verloren. Kommunikationsprobleme und fragwürdige Entscheidungen im oberen Management gehörten laut Kuhlmann zum Alltag. Besonders bitter: Ihm wurde eine führende Designrolle für The Elder Scrolls 6 in Aussicht gestellt – und schließlich doch verweigert. Dass gleich mehrere langjährige Mitarbeiter mit ähnlicher Stoßrichtung sprechen, lässt sich kaum als Zufall abtun. In der Spielergemeinschaft wächst angesichts dieser Berichte die Sorge um die Zukunft von The Elder Scrolls 6 – einem Titel, auf den seit Jahren gewartet wird und der nach dem gespaltenen Empfang von Starfield mehr denn je unter Druck steht. Die Hoffnung, dass Bethesda zu alter Stärke zurückfindet, ist noch nicht erloschen – aber sie ist fragiler geworden.


