Überraschende Wende im Fall Epstein: Millionen neuer Akten veröffentlicht
In einem spektakulären Schritt hat das US-Justizministerium umfangreiche Ermittlungsakten zum Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Veröffentlichung umfasst mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten, unzählige Videos sowie über 100.000 Fotografien. Dabei handelt es sich unter anderem um pornografisches Material, das Epstein selbst besessen, aber nicht aufgenommen hatte, wie der stellvertretende Justizminister Todd Blanche verkündete. Ob die freigegebenen Inhalte neue Einsichten in die Machenschaften Epsteins ermöglichen, bleibt vorerst unklar. Die Unterlagen, die jetzt über die Plattform des Ministeriums abgerufen werden können, enthalten auch E-Mails und Gerichtsdokumente. Persönliche Informationen der Opfer wurden stringent geschwärzt, um deren Privatsphäre zu schützen. Bekannte Persönlichkeiten und Politiker hingegen wurden nicht unkenntlich gemacht, was weitere Spekulationen schüren dürfte. In Zusammenhang mit der Veröffentlichung gab es keine Intervention des Weißen Hauses, obwohl ein reger Austausch mit der Regierung stattgefunden hat. Unter dem früheren Präsidenten Trump war die Debatte über die Freigabe der Akten besonders hitzig, vor allem angesichts seiner Beziehungen zu Epstein. Trump hatte im Präsidentschaftswahlkampf die Freigabe gefordert, später jedoch die Veröffentlichung dennoch verzögert. Schließlich unterzeichnete er auf Druck hin ein vom US-Parlament initiiertes Gesetz. Die Frist für die Veröffentlichung dieser Dokumente war bereits überschritten. Dennoch verteidigte Blanche die Verspätung und die Auswahl des veröffentlichten Materials. Man habe erheblich mehr Material gesichtet als ursprünglich geplant, heißt es.
Die Behörde betonte auch, dass der Schutz der Opfer höchste Priorität habe. Ende letzten Jahres wurden bereits Fotos und Dokumente veröffentlicht, die Epstein und seine engste Vertraute, Ghislaine Maxwell, zeigen. Maxwell wurde 2022 verurteilt und gilt als Schlüsselfigur in Epsteins Missbrauchsnetzwerk.
In der Öffentlichkeit stießen insbesondere Fotos mit prominenten Persönlichkeiten auf Interesse, darunter mit Musiklegenden Mick Jagger und Michael Jackson, sowie mit dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Dessen Sprecher, Angel Urena, kritisierte die Freigabe der Fotos als mögliche Ablenkung von aktuellen politischen Themen. Ex-Präsident Trump, der auf bestimmten Bildern selbst erscheint, versuchte, die öffentliche Aufmerksamkeit auf Clinton zu lenken, indem er dessen Besuch auf Epsteins Privatinsel ins Spiel brachte – eine Behauptung, die sogar von Trumps eigenen Beratern angezweifelt wird. Trotz der Löschung mancher Dateien unter Berufung auf Opferschutzmaßnahmen wurden diese teils wieder verfügbar gemacht, was im Kongress für Unmut und Kritik an der Entscheidungsfindung des Justizministeriums sorgte.

