Rob Carr: Rockstar-Veteran kämpft nach 20 Jahren um einen neuen Job – und er ist nicht allein
Wer an Grand Theft Auto 5, Red Dead Redemption 2 oder L.A. Noire mitgewirkt hat, sollte eigentlich keine Probleme haben, in der Spielebranche Fuß zu fassen. Sollte man meinen. Rob Carr, langjähriger Tontechniker bei Rockstar Games, zeichnet ein ernüchterndes Bild davon, wie sich der Arbeitsmarkt für erfahrene Entwickler verändert hat – und sein Zeugnis trifft mitten ins Herz einer Branche im Wandel.
Zwei Jahrzehnte Erfahrung – und trotzdem kein Job in Sicht
Carr sprach in einem Interview über die Schwierigkeiten, die er bei seiner Jobsuche erlebt, nachdem er Rockstar verlassen hat. Seine Vita liest sich wie ein Who-is-who der bedeutendsten Spielveröffentlichungen der letzten zwei Jahrzehnte: Grand Theft Auto 5, Red Dead Redemption, Red Dead Redemption 2, L.A. Noire – Titel, die Kulturgeschichte geschrieben haben und von Millionen Menschen weltweit geliebt werden. Und dennoch: Es reicht nicht mehr.
„Ich habe 20 Jahre Branchenerfahrung, ich habe an einigen der größten Titel der Welt mitgearbeitet, aber da sind 35 andere Leute mit exakt derselben Erfahrung, Betriebszugehörigkeit und denselben Projekten hinter sich wie ich. Wenn buchstäblich Tausende von Menschen in exakt derselben Situation stecken, findet man sich in einer Lage wieder, in der das nicht mehr ausreicht – meine 20 Jahre Erfahrung reichen heute nicht mehr aus, um einen Job zu bekommen, während das vor fünf Jahren noch selbstverständlich war.“
Ein Symptom einer ganzen Branche
Was Carr beschreibt, ist kein Einzelschicksal. Es ist das Spiegelbild einer Industrie, die nach dem pandemiebedingten Wachstumsrausch in eine ernüchternde Konsolidierungsphase eingetreten ist. Studios wie Polyarc und Eidos Montreal haben zuletzt Schlagzeilen mit Entlassungen und Schließungen gemacht, Epic Games kämpft mit strukturellen Problemen – und das sind nur die prominentesten Namen einer langen Liste. Überall dort, wo Stellen wegfallen, stoßen hochqualifizierte Fachleute auf einen Markt, der schlicht übersättigt ist.
Das Paradoxe: Die Spiele, die Carr mitverantwortet hat, erfreuen sich nach wie vor enormer Beliebtheit. Red Dead Redemption 2 ist auf Steam und im PlayStation Store regelmäßig für rund 15 Euro erhältlich und zählt noch immer zu den meistgespielten Titeln der Plattformen – ein Beweis für die Langlebigkeit erstklassiger Arbeit. Doch der kommerzielle Erfolg eines Spiels schützt seine Schöpfer nicht vor der Kälte des Stellenmarkts, sobald das Projekt abgeschlossen und das Studio umstrukturiert ist.
Talent allein schützt nicht vor dem Abschwung
Was bleibt, ist eine unbequeme Wahrheit: In einer Branche, die sich so rasant verändert wie die Spielebranche, ist Erfahrung allein kein Schutzschild mehr. Der Aufstieg generativer Künstlicher Intelligenz, steigende Produktionskosten und ein verändertes Konsumverhalten setzen Studios unter immensen Druck – und der wird nach unten weitergegeben, an die Menschen, die mit ihrer Arbeit überhaupt erst dafür gesorgt haben, dass diese Branche das ist, was sie heute ist. Carrs Offenheit verdient Respekt, denn er spricht aus, was viele andere in seiner Lage nur hinter vorgehaltener Hand sagen. Es bleibt zu hoffen, dass seine Worte nicht nur Mitgefühl wecken, sondern auch ein Umdenken anstoßen.


