Iran-Krieg

«Völlige Zerstörung»: Was, wenn Trumps Drohung wahr wird?

07. April 2026, 13:26 Uhr · Quelle: dpa
Autobahnbrücke bei Teheran
Foto: Vahid Salemi/AP/dpa
Eine große Autobahnbrücke wurde bereits vergangene Woche bombardiert. (Archivbild)
US-Präsident Donald Trump droht dem Iran mit massiver Zerstörung zentraler Infrastruktur. Er riskiert damit laut Experten verheerende Folgen für die Zivilbevölkerung. Und nicht nur das.

Teheran/Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat dem Iran mit einer Zerstörung aller Brücken und Kraftwerke gedroht, sollte Teheran nicht auf seine Forderung zur Öffnung der Straße von Hormus eingehen. Er sagte, die USA könnten innerhalb von vier Stunden eine «völlige Zerstörung» herbeiführen. «Das ganze Land kann in einer Nacht ausgelöscht werden, und das könnte schon morgen Nacht sein.» Wichtige Fragen und Antworten rund um Trumps Drohungen:

Wie ist die Infrastruktur im Iran? 

Der Iran verfügt trotz harter internationaler Sanktionen über eine vergleichsweise gut ausgebaute und moderne Infrastruktur. Vieles davon ist staatlich organisiert und wurde in den vergangenen Jahrzehnten teils mit chinesischer Unterstützung weiterentwickelt. Das Land mit seinen rund 90 Millionen Einwohnern und einer Fläche etwa viermal so groß wie Deutschland verbindet große Metropolräume wie Teheran, Isfahan oder Maschhad mit weitläufigen, schwer zugänglichen Regionen.

Autobahnen, Ringstraßen und U-Bahnen bilden das Verkehrsnetz innerhalb der Ballungsräume. Auf dem Land wird die Infrastruktur deutlich dünner. Das Schienennetz verbindet die wichtigsten Städte und wird seit Jahren ausgebaut, auch mit Blick auf internationale Handelsrouten. Der Luftverkehr leidet unter den Sanktionen, viele Flugzeuge sind alt, Ersatzteile sind knapp. 

Der Iran gehört zu den größten Öl- und Gasproduzenten weltweit und betreibt ein dichtes Netz aus Kraftwerken, darunter große Gaskraftwerke wie in Damawand bei Teheran sowie zahlreiche Staudämme. Diese Anlagen sichern die Versorgung, sind aber zugleich empfindliche Ziele. 

Wie ist die Stimmung bei der Bevölkerung im Iran?

Trump hatte bereits vergangene Woche gedroht, die Iraner mit heftigen Angriffen zurück in die Steinzeit zu versetzen - «wo sie hingehören», wie er sagte. Bei vielen Menschen im Land, auch Regierungsgegnern, löste dies große Empörung aus. Heute überwiegen jedoch Sorgen und Fassungslosigkeit. 

Behsad, ein Taxifahrer, lebt nun in täglicher Angst. Seine anfängliche Euphorie über die Schwächung der politischen Führung ist der Ernüchterung über Trump gewichen. «Eins werde ich ihm nie verzeihen. Ich habe jetzt so eine Angst vor Brücken und fahre bis auf Weiteres über keine einzige mehr, selbst wenn das einen Umweg von 100 Kilometern bedeutet.»

Ähnlich äußert sich Mostafa, ein etwa 70 Jahre alter Rentner. «Wir sind Herrn Trump ja dankbar, dass er den Sturz des Regimes wollte», sagt der Mann, der früher als Buchhalter im Ölministerium gearbeitet hat. «Aber derzeit trifft es eher uns. Er hat uns zu Flüchtlingen im eigenen Land gemacht.»

Eine pensionierte Lehrerin aus dem Westen der Hauptstadt hat sich entschieden, die Stadt zu verlassen. «Wir fahren erst einmal raus, um unser Leben zu retten», sagt sie. «Bomben und Raketen, jetzt die hohen Preise und ab morgen dann kein Strom und Wasser», beschreibt sie ihre Befürchtungen. 

Sind Angriffe auf Kraftwerke und Brücken Kriegsverbrechen?

Das humanitäre Völkerrecht verpflichtet Konfliktparteien dazu, jederzeit zwischen zivilen und militärischen Zielen zu unterscheiden. «Selbst wenn bestimmte zivile Infrastruktur als militärisches Ziel eingestuft werden könnte, würde das humanitäre Völkerrecht Angriffe darauf dennoch verbieten», wenn «übermäßige» Schäden für Zivilisten zu erwarten seien, so der Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres in New York. 

Nach dem humanitären Völkerrecht sind gezielte Angriffe auf zivile Infrastruktur verboten, es sei denn, dass diese auch militärisch genutzt wird. Das könnte etwa für Brücken gelten, über die auch Truppen verlegt oder militärischer Nachschub organisiert werden. Aber selbst wenn ein ziviles Objekt auch militärisch genutzt wird, muss der erwartete militärische Vorteil im Verhältnis zu den absehbaren zivilen Schäden stehen. 

Sollten die USA zum Beispiel ein Kraftwerk wie das Gaskraftwerk Damawand in der Nähe der Hauptstadt Teheran angreifen, wären die Folgen für die Zivilbevölkerung absehbar schwer. Sollte der US-Präsident seine Drohungen also tatsächlich so drastisch meinen, wie er sie formuliert, würde er damit offen Kriegsverbrechen androhen. 

Ist so ein massiver Schlag gegen den Iran überhaupt möglich?

Russland ist es mit seinen dauerhaften Angriffen auf die Energieinfrastruktur der Ukraine nicht gelungen, das Land in den Blackout zu bomben. Militärexperten erklären aber, dass der Iran sich in einer anderen Situation befindet. Die iranischen Streitkräfte haben die Lufthoheit über das eigene Staatsgebiet demnach weitgehend verloren und sind der israelisch-amerikanischen Übermacht stärker ausgeliefert, auch wenn sie ihrerseits noch schmerzhafte Gegenangriffe führen können. 

Ist eine «völlige Zerstörung» innerhalb weniger Stunden denkbar? 

Für großangelegte Angriffswellen müssen Streitkräfte genaue Informationen über die verwundbare oder militärisch wichtige Infrastruktur des Gegners haben. Diese sogenannten Hochwertziele werden in einem Prozess, der als «targeting» bezeichnet wird, permanent auf eine Bekämpfung und mögliche Zerstörung hin analysiert und ihrer Bedeutung nach geordnet. Dazu gehört auch, die Koordinaten und besten Anflugswege für Marschflugkörper oder Raketenwaffen vorzuhalten. Wenn ausreichende Feuerkraft vorhanden und die Abwehr schon geschwächt ist, können einem Gegner in kurzer Zeit erhebliche Schäden zugefügt werden. 

Was würde das militärisch bewirken? 

Militärisch hätte ein Angriff auf Irans Energie- und Wasserinfrastruktur nach Einschätzung des Energieexperten Joseph Webster von der US-Denkfabrik Atlantic Council nur geringe Auswirkungen. Während die Zivilbevölkerung großen Gefahren ausgesetzt wäre, wenn Stromnetz, Wasserinfrastruktur und Raffinerien zerstört würden, hätte das Militär «kaum direkte Einbuße» zu erwarten. Abgesehen von einigen Produktionsanlagen, die an das Stromnetz angeschlossen sind und gezielt angegriffen werden könnten, nutzt das Militär nur begrenzt das nationale Stromnetz.

Stattdessen nutzt es – wie die meisten Streitkräfte – vor allem Mitteldestillate wie Diesel, der sich gut lagern lässt. «Die iranischen Streitkräfte werden mit ziemlicher Sicherheit weiterhin reichlich Zugang zu Diesel für militärische Operationen haben und in der Lage sein, weiterzukämpfen», so der Experte.

Danny Citrinowicz, einer der führenden Iran-Experten, schrieb auf X, auch schwere Angriffe auf Irans Infrastruktur würden «keine Kapitulation herbeiführen.» Sie würden Vergeltung provozieren, die Entschlossenheit der iranischen Führung stärken und wahrscheinlich eine Eskalation in der ganzen Region auslösen. «Die Annahme, dass allein Druck Teheran brechen kann, ist keine Strategie, sondern Wunschdenken», schrieb er.

Welche Ziele könnte der Iran seinerseits ins Visier nehmen?

In den Golfsaaten könnten etwa Entsalzungsanlagen angegriffen werden. Die Wasserversorgung von Millionen Menschen wäre gefährdet, denn die Länder sind auf diese Anlagen angewiesen. Angriffe oder Schäden durch herabfallende Trümmerteile gab es etwa schon in Bahrain und Kuwait. 

Gemeinsam haben die Länder etwa 3.400 solche Anlagen, in Staaten wie Katar und Bahrain sorgen diese für mehr als 90 Prozent der Trinkwasserversorgung. Viele Anlagen befinden sich an der Küste des Persischen Golfs und nur Hunderte Kilometer vom Iran entfernt. Öl- und Gasanlagen sind bereits Ziel von Angriffen, aber die Lage könnte weiter eskalieren. Technologiezentren und Rechenzentren könnten ebenfalls zum Ziel werden.

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07.04.2026 · 13:26 Uhr
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